Dr. Marcel Nicolaus

Meereisphysiker am AWI

Marcel Nicolaus entwickelte früh eine Faszination für die Polarregionen, inspiriert durch die ersten antarktischen Expeditionen von Scott und Amundsen. Aus diesem Grund studierte er Geophysik mit dem Schwerpunkt Polarforschung in Münster. Allerdings spielte bei seiner letztendlichen Spezialisierung auf das Meereis auch der Zufall eine große Rolle. So arbeitet er heute nicht als klassischer Geophysiker, sondern tritt bei Expeditionen auf dem arktischen und antarktischen Meereis in die Fußstapfen seiner früheren Vorbilder.

Da in den Polargebieten nicht immer persönlich Messungen durchgeführt werden können, bedienen sich Marcel und seine Kollegen der Hilfe autonomer und ferngesteuerter Systeme, wie Bojen oder Tauchrobotern, um detaillierte Aussagen über Temperatur, Lichtverhältnisse, Eisdicke, Salzgehalt oder Bewegung des Meereises treffen zu können. Vollkommen ohne Arbeiten vor Ort funktioniert dies jedoch nicht und so ist er regelmäßig auf Expeditionen unterwegs, um selber zu messen und zu beobachten und die autonomen Geräte aufzubauen. Ebenso organisiert er neue Projekte und Expeditionen, analysiert Datensätze und entdeckt dabei auch unerwartete Phänomene. Das Meereisportal ermöglicht es ihm, sein Wissen und seine Wissenschaft nach außen zu tragen und seine Daten, Ergebnisse und Expeditionen der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, weswegen er das Portal auch von Beginn an mit Begeisterung unterstützt hat.

Was ist die spannendste Expedition, an der du bis jetzt teilgenommen hast?

Neben meiner ersten Polarsternexpedition vor ca. 20 Jahren, war auch die gemeinsame Expedition mit dem norwegischen Team im Rahmen des N-ICE2017 Projekts sehr spannend. Dabei haben wir uns mit dem Schiff einfrieren lassen und von Spitzbergen aus in der Arktis eine sogenannte „kleine Drift“ durchgeführt. Zusätzlich haben wir 2011 das erste Mal Messungen zu Lichtverhältnissen unterhalb des Meereises mit einem Tauchroboter kartiert, auch ein wichtiges Projekt mit interessanten Erkenntnissen.

Gibt es denn einen Expeditionsalltag oder ist das jeden Tag etwas Anderes und Neues?

Obwohl es natürlich etwas wie Routine gibt, müssen wir doch sehr flexibel und offen für Neues bleiben. Die unterschiedlichen Arbeitsgruppen haben eigene Ziele und Zeiten. Wenn wir eine sogenannte „Station“ im Eis machen, sind das intensive 8-12 Arbeitsstunden pro Tag auf dem Meereis. Das unterscheidet sich sehr von den Tagen, bei denen wir an Bord oder auf einer Forschungsstation arbeiten. Passendes Wetter ist auch bei Flügen für Messungen vom Hubschrauber aus unabdingbar, und ich kann mich an einige Tage erinnern, an denen ich mehrmals die Polarkleidung an- und ausgezogen habe, weil wir dachten, wir könnten gleich starten und dann kam es doch nicht dazu.

Welchen Beitrag leistet meereisportal.de als Wissenstransferprojekt deiner Meinung nach?

Die Resonanz ist beeindruckend. Es gibt durchaus Menschen, die nach Medienberichten über besonders warme Bedingungen die Daten unserer Bojen nutzen, um in Echtzeit nachzuvollziehen, welche Temperatur dort herrscht. Wir können diese Daten auf meereisportal.de nicht nur sammeln und darstellen, sondern auch umfangreich kommentieren. Dadurch leisten wir schon einen großen Beitrag zum Dialog zwischen Wissenschaft und der Öffentlichkeit und unterscheiden uns von anderen Arbeitsgruppen oder Webseiten.

Mein persönlicher Held ist…

Fridtjof Nansen, weil er sich einfach auf der Grundlage seiner Hypothesen auf ein Schiff gesetzt hat, um quer durch die Arktis zu treiben. Er wusste nicht genau, was ihn erwartet, aber er war überzeugt, dass es eine Driftbewegung gibt und er am Ende irgendwo bei Spitzbergen ankommen würde.

Kontaktdaten:

E-Mail:             marcel.nicolaus(at)awi.de

Telefon:            0471-4831-2905

 

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