- Arktis: Weil Winde das Eis der Ostarktis weit auseinandertreiben, fällt die Meereisausdehnung mit 5,6 Millionen Quadratkilometern moderat aus.
- Markante Winde und Eiswanderungen sowie ein warmer Ozean erklären die unterschiedliche Entwicklung des Meereises im Westen und im Osten des Arktischen Ozeans.
- Antarktis: Ein kurzfristiger Eisrückgang mitten im Winter beendet vorerst mögliche Hoffnungen auf eine schnelle Erholung der Meereissituation. Die mittlere Meereisausdehnung ist der drittkleinste Augustwert seit Beginn der Messungen.
Arktis: Auf dem Weg zu einer Zweiteilung der Meereisdecke?
Die Meereisbedeckung des Arktischen Ozeans wirkte am letzten Augusttag 2026 wie zweigeteilt. Die Eiskonzentrationskarte vom 31. August 2026 zeigte im westlichen Teil überwiegend dicht zusammengeschobenes Packeis mit einer Eiskonzentration von 90 bis 100 Prozent (Abbildung 1). Im östlichen Teil hingegen signalisierten verschiedene Blautöne eine mittlere bis sehr niedrige Eiskonzentration. Das heißt, in diesen Gebieten konnten die Satelliten nur wenig Meereis detektieren und die Eisschollen waren weit auseinandergetrieben. Ein großer Streifen Meeresfläche mit extrem wenig Eis zog sich dabei ungefähr am Nullmeridian entlang, einmal quer durch die zentrale Arktis.
“Eine so deutliche Zweiteilung in der Meereiskonzentration der Arktis sehen wir zum ersten Mal. Die ausgesprochen losen Schollenverbände im östlichen Teil der Arktis nutzte Anfang August das französische Polar-Kreuzfahrtschiff Le Commandant Charcot, um auf direktem Wege zum Nordpol zu gelangen. Zum Ende des Monats bestand dann theoretisch die Möglichkeit, von Spitzbergen über den Nordpol Richtung Beringstraße zu fahren, ohne dabei auf dem Weg im dichten Packeis stecken zu bleiben“, sagt AWI-Meereisphysikerin Lena Buth mit Blick auf die Meereissituation zum Monatsende (Abbildung 2).
Abbildung 1: Darstellung der Meereiskonzentration am 31. August 2026. Die verbleibende Eisfläche gleicht einer Torte mit zwei Hälften: links das dichte Packeis der Westarktis, rechts die zum größten Teil losen Schollenverbände der Ostarktis. Deutlich zu erkennen ist zudem das Band von Flächen mit sehr geringer Meereiskonzentration, welches sich von Spitzbergen bis weit über den Nordpol zieht.
Moderate Meereisausdehnung trotz wenig Eis
Die Tatsache, dass das Meereis in der östlichen Arktis weit auseinandergetrieben wurde, erklärt, warum das Monatsmittel der Meereisausdehnung mit 5,6 Millionen Quadratkilometern vergleichsweise moderat ausgefallen ist. Der August 2026 reiht sich auf Platz 13 der Negativrekordliste für diesen Monat ein und liegt als Einzelwert mehr als 500.000 Quadratkilometer über der Trendlinie (Abbildung 4).
Vorhersagen zum September-Meereisminimum sind unter diesen Bedingungen reine Spekulation. “Wir haben im August gesehen, wie anfällig das Meereis für Winde ist. Wie klein das September-Minimum in diesem Jahr ausfallen wird, werden wir tatsächlich erst wissen, wenn es erreicht wurde“, sagt Lena Buth.
Eisdrift: Außergewöhnlich ruhig im Winter, sturmgetrieben im Sommer
Die Doktorandin und ihr Kollege Dr. Thomas Krumpen haben in den zurückliegenden Tagen eine intensive Ursachenanalyse betrieben und gleich mehrere Besonderheiten identifiziert, welche die unterschiedlichen Meereiskonzentrationen in der zentralen Arktis erklären könnten.
“Wir sehen zum einen deutliche Unterschiede in der Eisdrift zwischen dem zurückliegenden Winter und dem Sommer dieses Jahres“, sagt Lena Buth. Von Januar bis März bewegte sich das Meereis in weiten Teilen der zentralen und westlichen Arktis langsamer als im Mittel der Jahre 2010 bis 2025 (Abbildung 4).
Infolge dieser langsamen Eiswanderung wurde überraschend wenig Meereis durch die Framstraße in den Nordatlantik abtransportiert. Zwischen November 2025 und April 2026 verließen nur etwa 550 Kubikkilometer Meereis den Arktischen Ozean. “Das ist der niedrigste Wert unserer 15-jährigen Messreihe und entspricht nur rund einem Drittel des Mittels der vorhergehenden Jahre“, erläutert Thomas Krumpen, AWI-Experte für die Meereisfernerkundung (Abbildung 5).
Abbildung 4: Mittlere Meereisdrift in der Arktis von Januar bis März 2026. Die schwarzen Pfeile zeigen die mittlere Richtung und Geschwindigkeit der Meereisdrift. Ein Pfeil entspricht einer Geschwindigkeit von 5 Kilometern pro Tag. Die Farbflächen zeigen die Abweichung der Driftgeschwindigkeit vom Mittel der Jahre 2010–2025. Blaue Farbtöne kennzeichnen eine geringere, rote Farbtöne eine höhere Driftgeschwindigkeit als im langjährigen Mittel. In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 war die Meereisdrift in weiten Teilen der Arktis deutlich schwächer als im Mittel der Jahre 2010–2025.
Durch den verhaltenen Eisabtransport im Winter blieb zu Beginn der Schmelzsaison vergleichsweise viel Eisvolumen in der zentralen Arktis erhalten. “Ein geringer Winterexport garantiert allerdings keine überdurchschnittlich großen Eismassen zum Ende des Sommers: Langzeituntersuchungen zeigen, dass der Eisexport durch die Framstraße lediglich einen Teil der Schwankungen der späteren September-Meereisausdehnung erklärt und seine Wirkung stark von der Jahreszeit abhängt”, erklärt Thomas Krumpen.
Diese Aussage bewahrheitete sich auch in diesem Jahr: “Von Juni bis August änderten sich die Wetter- und Meereis-Situationen in der Arktis grundlegend. Ein ausgeprägtes Tiefdruckgebiet über der zentralen Arktis erzeugte ein gegen den Uhrzeigersinn gerichtetes Bewegungsmuster und beschleunigte die Eisdrift in großen Teilen des Arktischen Ozeans. Dabei wurde Packeis aus dem kanadischen Sektor und aus der Region nördlich Grönlands verstärkt in Richtung Framstraße transportiert“, beschreibt Lena Buth die aktuelle Situation (Abbildung 6).
Diese Driftsituation erklärt, warum der Eisexport aus der Arktis in den Sommermonaten Mai bis August überdurchschnittlich hoch ausfiel. Das Tiefdruckgebiet über der Nordpolregion war außerdem mit vergleichsweise kühlen Lufttemperaturen im Gebiet nördlich des 80. Breitengrades Nord verbunden (Abbildung 7). Diese verzögerten die sommerliche Meereisschmelze in der zentralen Arktis.
Abbildung 6: Mittlere Meereisdrift von Juni bis August 2026. Die Pfeile zeigen Richtung und Geschwindigkeit der Meereisdrift; ein Pfeil entspricht dabei 5 Kilometern pro Tag. Die Farbflächen zeigen die Anomalie der Driftgeschwindigkeit im Vergleich zum Mittel der Jahre 2010–2025. Deutlich erkennbar ist eine großräumige, gegen den Uhrzeigersinn gerichtete Eisdrift um ein im zentralen Arktischen Ozean gelegenes Tiefdruckgebiet. In weiten Teilen der Arktis war die Meereisdrift dabei deutlich stärker als im langjährigen Mittel. Dies begünstigte den verstärkten Abtransport von Eismassen aus den Küstengewässern Nordgrönlands und des kanadisch-arktischen Archipels durch die Framstraße in den Nordatlantik.
Abbildung 7: Der dänische Wetterdienst dokumentiert die Tagesmitteltemperaturen in der Region nördlich des 80. Breitengrades Nord. Die Temperaturkurve für 2026 (orangefarben) zeigt, dass der Sommer 2026 kühler war als das Langzeitmittel. In den ersten vier Monaten des Jahres hingegen war es deutlich wärmer. Grafik: Danish Meteorological Institute. Quelle: https://ocean.dmi.dk/arctic/meant80n.uk.php
Außergewöhnlich dickes Meereis im Norden Kanadas
Die langsame Eisdrift im zurückliegenden Winter führte vor der Nordküste Kanadas dazu, dass das junge Meereis nicht sofort auf das offene Meer hinausgeschoben wurde, sondern im Küstenbereich verharrte und dort auf beachtliche Dicke heranwachsen konnte. Im Verlauf ihrer flugzeuggestützten Meereis-Frühjahrsmesskampagne (IceBird) haben AWI-Meereisphysikerin Luisa Wagner und ihr Team das Meereis in ausgewählten Regionen Nordamerikas vermessen – darunter auch das Packeis nördlich des Mackenzie-Deltas.
“Unsere Messungen zeigen, dass das einjährige Meereis im Untersuchungsgebiet im Mittel rund 2,8 Meter dick war. Dieser Mittelwert gehörte zu den Spitzenwerten der Mackenzie-Delta-Messreihe seit 2008 und erklärt gemeinsam mit dem ungewöhnlich weit nach Süden vorgedrungenen mehrjährigen Eis, warum das Meereis in der Beaufortsee im Frühjahr und Frühsommer später aufgebrochen ist als im langjährigen Mittel“, sagt Luisa Wagner (Abbildung 8).
Das späte Aufbrechen der Meereisdecke in der Beaufortsee könnte auch erklären, warum im zurückliegenden Monat in dieser Region noch deutlich mehr Eis verblieben war als im Vergleich zum Langzeitmittel sowie zum Vorjahr (Abbildung 9).
Abbildung 9: Vergleich der mittleren Eiskantenposition im August 2026 mit dem August-Langzeitmittel und den Mittelwerten aus 2025 und dem Negativrekordjahr 2012. Die Gegenüberstellung verdeutlicht, dass der Meereisrückgang in der Beaufortsee im Sommer 2026 nicht so stark ausgefallen ist wie in den Vergleichszeiträumen.
Ungewöhnlich dünnes Eis nördlich Spitzbergens
Während das einjährige Meereis in der Küstenregion der Beaufortsee im Frühjahr außergewöhnlich dick war, trieb zur selben Zeit nördlich Spitzbergens ungewöhnlich dünnes Meereis, wie Messungen des Meereissatelliten CryoSat-2 bestätigen (Abbildung 10). “Wir nehmen an, dass diese geringe Eisdicke das frühe Aufbrechen der Meereisdecke in der nördlichen Barentssee begünstigt hat“, sagt Thomas Krumpen.
Verantwortlich für das dünne Eis war vermutlich warmes atlantisches Wasser, welches im Winter weit in den Arktischen Ozean vorgedrungen war. “Wir müssen diese Annahme noch durch weitere Analysen bestätigen. Unsere Meereisdaten zeigen jedoch, dass das Meereis in dieser Region den gesamten Winter über ungewöhnlich dünn war – das heißt, die Anomalie ist stationär geblieben und nicht mit der Eisdrift weitergewandert, was für den Ozean als Wärmequelle spricht“, erläutert Thomas Krumpen.
Abbildung 10: Darstellung der mittleren Eisdickenabweichung im Arktischen Ozean im April 2026 im Vergleich zum Langzeitmittel 2011-2025. Die dunkelrot gefärbten Flächen nördlich Spitzbergens und vor der Nordküste Grönlands kennzeichnen Meereis, das im April 2026 bis zu einem Meter dünner war als im Langzeitmittel. In der Beaufortsee hingegen war das Meereis im küstennahen Bereich dicker als im Langzeitmittel (blaue Färbung).
Viel Bewegung im Eis
Wo die Meereisdecke früh aufbricht und in lose Schollen zerfällt, haben Winde leichtes Spiel. Sie treiben die Schollen schneller vor sich her und, abhängig von der Windrichtung, zumeist auch schneller zusammen oder auseinander. Fachleute sprechen in diesem Fall von einer größeren Dynamik des Meereises. Sie kann zu sehr abrupten Veränderungen der Meereisausdehnung und -kompaktheit führen, weil Winde lose Eisschollen innerhalb kurzer Zeit großflächig verteilen oder dicht zusammenschieben können. Einen solchen abrupten Wechsel in der Eiskompaktheit hat es im August zur Monatsmitte gegeben (Abbildung 11).
“Die Eiskompaktheit ist eine rechnerische Größe und gehört nicht zu den häufig verwendeten Parametern in der Meereisforschung. Sie ergibt sich, wenn wir die tatsächliche Meereisfläche durch die Meereisausdehnung teilen – also einschließlich der mit wenig Eis bedeckten Flächen. Im August ist die Eiskompaktheit innerhalb von zwei Wochen deutlich abgefallen, was dafür spricht, dass Winde Teile des arktischen Meereises in dieser Zeit weit verteilt haben. Ungewöhnlich ist daran vor allem, wie schnell das alles vonstatten gegangen ist“, sagt Lena Buth.
Mithilfe von Eisdriftdaten haben die AWI-Forschenden die Ereignisse rekonstruiert. “In der ersten Augusthälfte wird das Meereis im östlichen Teil des Arktischen Ozeans überwiegend in Richtung Pol geschoben. Seine Kompaktheit steigt. Ab dem 14. August kehrt sich die Drift jedoch um. Winde schieben das Eis in mehreren Regionen weit auseinander, weshalb die Kompaktheit dann sehr schnell abnimmt“, erläutert Lena Buth (Abbildungen 11, 12 & 13).
Abbildung 11: Diese Darstellung zeigt die Entwicklung der Meereiskompaktheit in der Arktis. Rot dargestellt ist die Entwicklung in den ersten acht Monaten des Jahres 2026. Die grauen Linien markieren die Kurven der vorhergehenden Jahre 2012 bis 2025. Im August 2026 ist ein großer Sprung zu erkennen. Auf einen schnellen Anstieg der Kompaktheit folgt ein rapider Abfall. Beide Phasen lassen sich durch die Eisdrift erklären.
Arktis: Bartenwale fressen jetzt in eisfreien Gebieten Ostgrönlands
Steigende Meerestemperaturen, die schwindende Meereisbedeckung und eine zunehmende Atlantifizierung des Arktischen Ozeans haben in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten zu tiefgreifenden Veränderungen des Meereslebens entlang der Ostküste Grönlands geführt. Wie Forschende in einer neuen Studie berichten, kommen mittlerweile Tausende Finnwale, Buckelwale und Zwergwale regelmäßig in die neuerdings eisfreien ostgrönländischen Küstengewässer, um sich dort mindestens vier Monate lang (von Juli bis Oktober) an Fisch und Krill sattzufressen. Vor der Jahrtausendwende waren diese Bartenwal-Arten nur selten in Gewässern nördlich des 70. Breitengrades beobachtet worden, denn damals versperrte Packeis ihnen den Zugang zu den arktischen Küstengewässern.
Der neuen Studie liegen Daten aus Tierzählungen im August 2015 und 2024 zugrunde. Außerdem hatten die Forschenden einzelne Wale mit Sendern ausgestattet und Berichte lokaler Walfänger ausgewertet. Demnach ernähren sich zumindest die bejagten Zwergwale in den Gewässern Ostgrönlands vor allem von Lodde (Mallotus villosus) und arktischem Krill (Thysanoessa inermis). Schätzungen zufolge beläuft sich die Gesamtbeute aller drei Walarten auf eine Million Tonnen Fisch und Krill pro Saison.
“Die derzeit relativ hohen Bestandszahlen aller drei Walarten spiegeln mit ziemlicher Sicherheit eine jüngste Umverteilung und Ausbreitung der Populationen nordatlantischer Bartenwale wider. Begünstigt würde diese möglicherweise durch einen Zustrom von Tieren aus Westgrönland, wo die Bestände an Finn- und Zwergwalen zurückgehen“, schreiben die Autor:innen.
Die Wanderungen der Wale deuten außerdem darauf hin, dass die kälteliebenden Lodde-Bestände aus der Island-Dänemark-Straße den Spätsommer und Herbst nicht mehr in Gewässern nördlich Islands verbringen, sondern Richtung Ostgrönland abwandern. Dieses Verhalten stimmt mit Daten überein, wonach sowohl die Meerestemperaturen in den Gewässern rund um Island gestiegen sind als auch jene in den Meeresgebieten entlang des ostgrönländischen Schelfs (Abbildung 14).
Abbildung 14: Nordatlantische Bartenwale werden inzwischen auch von den Teilnehmenden der Polarstern-Expeditionen in die Arktis häufiger in nördlichen Gewässern gesichtet. Dieses Foto zeigt einen Finnwal vor der Küste Spitzbergens. In den eisfreien Gewässern der Framstraße beobachteten die Forschenden in diesem Sommer aber auch Blauwale, die größten Säugetiere der Erde. Foto: Felix Tulatz/Alfred-Wegener-Institut
Antarktis: Kurzfristiger Eisrückgang verhindert erhoffte Erholung des Meereises
In unserem zurückliegenden Meereisupdate für den Monat Juli hatten wir die leise Hoffnung geäußert, dass sich die Meereissituation in der Antarktis langsam wieder erholen könnte. Diese Hoffnung hat sich nicht bestätigt. Das Meereiswachstum im Südlichen Ozean ist im August deutlich hinter der zu erwartenden Zunahme zurückgeblieben. Die Meereisausdehnung wuchs um lediglich 1,16 Millionen Quadratkilometer. Der Monatsmittelwert betrug 16,57 Millionen Quadratkilometer, was dem drittkleinsten bislang gemessenen Ausdehnungsmittelwert für den Monat August entspricht. Gleichzeitig liegt der Monatsmittelwert fast eine Million Quadratkilometer unter der Trendlinie (Abbildung 15) und unter dem Monatsmittelwert des Vorjahres. Der Erholungstrend der zurückliegenden zwei Jahre ist damit zumindest unterbrochen.
Eine Erklärung für den begrenzten Eiszuwachs könnte eine unerwartete Eisabnahme in der ersten Monatshälfte sein. Im Zeitraum vom 7. bis 11. August 2026 schrumpfte die Meereisausdehnung in der Antarktis um 400.000 Quadratkilometer – eine Fläche größer als Deutschland und das mitten im Winter (Abbildung 16).
Am deutlichsten zog sich das Meereis in der Amundsensee, in der Randzone des östlichen Weddellmeeres sowie im indischen Sektor des Südlichen Ozeans zurück (Video 1 & Abbildung 17). Nach wenigen Tagen wuchs die Meereisdecke allerdings auch in diesen Regionen wieder an. Die zwischenzeitlichen Verluste aber konnten bis zum Monatsende nicht vollständig wieder aufgeholt werden, wie ein Vergleich der mittleren Eiskantenposition zum Langzeitmittel zeigt (Abbildung 18).
Die Ursachen des plötzlichen Meereisrückgangs lassen sich mithilfe unserer Daten nicht umfänglich erklären. Einen ersten Anhaltspunkt liefern jedoch die mittleren Abweichungen der Lufttemperatur (Abbildung 19). Demnach waren die Lufttemperaturen über der Westantarktis im August 2026 im Mittel bis zu 6 Grad Celsius wärmer als im Langzeitmittel. Diese Wärme könnte dazu beigetragen haben, dass sich die Neueisbildung in der Amundsensee verzögert hat.
Darüber hinaus könnten auch die vorherrschenden Winde Einfluss genommen haben. Unsere Darstellung der Druckabweichungen auf Meeresspiegelniveau zeigt für August 2026 auflandige Winde in der Amundsensee (Abbildung 20). Diese könnten das Packeis zusammengeschoben haben.
Abbildung 19: Darstellung der mittleren Temperaturabweichungen in der Antarktis im August 2026 im Vergleich zum Referenzzeitraum August 1971–2000. Während die Luftmassen über dem Weddellmeer deutlich kälter waren als im Vergleichszeitraum, war die Luft über der Westantarktis bis zu 6 Grad Celsius wärmer. Copernicus ERA5 Daten
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Autorin
Sina Löschke (Science Writer)
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