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CONTRASTS im arktischen Meereis

Die ersten beiden Wochen der CONTRASTS Expedition laufen nach Plan und die ersten Messungen sind gestartet.

  • FS Polarstern hat Tara Polar Station zur ersten Drift ins Eis begleitet.
  • Die ersten beiden Schollen zeigen die erwarteten Unterschiede.
  • Unterstützung der Fahrt- und Stationsplanung durch Satellitendaten verbessert.

 

Der Weg ins Eis mit Tara Polar Station

Die Expedition traf am 6. Juli 2025 um 09:00 Uhr (MESZ) bei 82°11‘ N / 020° 00‘ O auf das erste Meereis. Ein sicherlich bewegender Moment, da sehr viele Teilnehmer:innen Meereis bislang nur von Fotos, Videos oder ihren Datensätzen kannten. Ab diesem Zeitpunkt ist es eine wirkliche Meereisexpedition. Die Eiskante hatte sich in den Tagen zuvor um circa 30 km nach Norden verschoben, so dass auch der Treffpunkt mit der Tara Polar Station entsprechend nach Norden verlegt wurde. Um 11:30 Uhr trafen sich beide Schiffe an der Eiskante und die gemeinsame Fahrt in das Meereis begann nach einem Informationsaustausch an Bord (Abbildung 1). Dies war eine besonders spannende Mission. Auch für die Polarsternbesatzung war es das erste Mal, dass sie geplant das Meereis für ein anderes Schiff bricht, dass dann im offenen Kanal folgt. „Dieser Sonntagabend war spannender als der Tatort, der sonst für den Sonntagabend steht.“, berichtet Fahrtleiter Dr. Marcel Nicolaus. „Es war ein sehr bemerkenswerter Moment, dass Tara Polar Station zum ersten Mal ins Meereis fährt, um dort zu driften. Es gab eine kontinuierliche Kommunikation zwischen beiden Schiffen, um Geschwindigkeiten und Manöver abzustimmen. Gleichzeitig konnten wir die Station in der Rückwärtskamera sehen“ (Abbildung 2). Am nächsten Tag wurde Tara Polar Station dann circa 50 km weit im Eis zurückgelassen. Die Tara Polar Station begann nun ihre eigene Drift (Livebilder hier) und FS Polarstern (Livebilder hier) setzte die Expedition gen Norden zur ersten großen Eisstation fort.

Abbildung 1: Rendezvous von RV Polarstern und Tara Polar Station an der Eiskante (Position: 82°11‘ N / 020° 00‘ O) am 6. Juli 2025. (Foto: Alfred-Wegener-Institut / Sandro Dahlke)

Abbildung 2: Tara Polar Station folgt RV Polarstern durch das Meereis. Dieses Foto stammt vom ersten Teil der gemeinsamen Fahrt von der Eiskante ins Meereis am 9. Juli 2025. (Foto: Marcel Nicolaus, AWI)

Navigation im Eis

Auf dem Weg zur ersten Eisstation nahm die Eiskonzentration schnell zu und es waren nur noch wenige und schmale offene Wasserstellen zu finden. Hier zahlt es sich aus, dass RV Polarstern ein sehr umfangreiches Eisinformationssystem, den sogenannten MapViewer, zur Verfügung hat. Darin werden aktuelle Satellitenbilder zusammen mit der Schiffsposition und Wegpunkten dargestellt. Dies erleichtert sowohl die Navigation durch das Eis als auch die eigentliche Eisstationsplanung wesentlich. Während der CONTRASTS Expedition wird nicht nur der MapViewer weiterentwickelt, sondern auch gezielt während des Einsatzes getestet. Das Team führt hierfür speziell abgestimmte Fahrten durch, um den Wert verschiedener Datentypen besser zu verstehen. Zeitgleich wird eine Vielzahl von Parametern des Schiffs und dessen Antrieb aufgezeichnet. Dr. Thomas Krumpen, der für das Projekt verantwortlich ist, erklärt: „Bei CONTRASTS haben wir eine einzigartige Gelegenheit einmal gezielt festzuhalten unter welchen Bedingungen das System sich besonders auszahlt. Durch das spezielle Konzept mehrfach die gleiche Strecke zwischen den Eisstationen abzufahren, können wir verschiedene Szenarien gut vergleichen und bekommen zusätzlich noch Informationen zu welcher Jahreszeit welche Daten besonders hilfreich sind.“

 

Eisstation #1 in Region 1

Am 9. Juli 2025 hat die CONTRASTS Expedition die erste Eisstation in Region 1 erreicht. Diese Region zeichnet sich dadurch aus, dass sie fast ausschließlich aus jungem Meereis besteht, das sich innerhalb des letzten Jahres gebildet hat. Das Schiff wurde an der Scholle verankert und hat dann fast vier Tage dort festgemacht. „Es hat mich sehr gefreut als wir die erste Scholle erreicht hatten und endlich mit den Arbeiten auf dem Eis beginnen konnten. Es ist immer wieder faszinierend hier in der Arktis zu arbeiten, das Meereis zu vermessen, Proben zu nehmen und zugleich die Atmosphäre darüber und den Ozean darunter zu beobachten“ erinnert sich Marcel Nicolaus. Die gewählte Eisscholle war circa 8 x 6 km groß und zu großen Teilen mit Schmelztümpeln überzogen und sehr nass an der Oberfläche. Auf der Scholle wurde zügig ein Stations- und Wegenetz etabliert (Abbildung 3). Die einzelnen „Orte“ beschreiben die Art der Arbeiten, die dort ausgeführt werden (z. B. Mess-, Arbeits- oder Probenahmepunkte auf dem Eis). Zugleich darf nur auf ausgewiesenen Wegen gelaufen und mit Skidoos gefahren werden. Das stellt sicher, dass auch bei den geplanten zwei weiteren Besuchen an der Scholle möglichst viel der Oberfläche unberührt ist und dann weiter vermessen werden kann. Nur der „Logistikbereich“ direkt an der Gangway kann ohne Bedingungen von allen genutzt werden. Während des ersten Besuchs wurden alle Messungen einmal durchgeführt. So kann der Zustand des Eises zu Beginn der Beobachtungen genau beschrieben werden. Es bleibt nun spannend, wie sich die Scholle in den kommenden sechs Wochen verändern wird. In der Zwischenzeit stehen verschiedene autonome Stationen auf dem Eis und berichten live in Daten und Bildern (von über und unter dem Meereis).

Abbildung 3: Karte der ersten Eisstation der CONTRASTS Expedition. Im Hintergrund zeigt das Fotomosaik einen Teil der Scholle. Darauf sind die einzelnen Messtationen und Wege gezeichnet. Diese Karte wurde für die tägliche Orientierung und Planung genutzt. (Abbildung: AWI)

Kontraste in der Region 2

Der Transit zur zweiten Station in Region 2 ging schneller als gedacht. „In diesem Teil der Fahrt hatten wir mit deutlich schwierigeren Eisbedingungen gerechnet, vor allem da wir tagelang Wind aus südlichen Richtungen hatten, der das Eis eher zusammenschiebt“, kommentiert Marcel Nicolaus. Damit gab es nur einen Tag Pause zwischen dem Ende der ersten und dem Beginn der zweiten Station. Thomas Krumpen hat viel Arbeit in die Analyse der Meereisbedingungen gesteckt und war wesentlich an der Planung der Expeditionsroute beteiligt. Er freut sich: „Wir haben es tatsächlich geschafft nun zwei sehr unterschiedliche Eisregime zu finden. Unsere Schollenauswahl basiert auf Satellitenbildern und der Verfolgung der Drift des Meereises seit April dieses Jahrs. Diese Arbeit hat sich sehr gelohnt.“ In der Tat ist das Eis in Region 2 deutlich dicker, älter, deformierter, hat weniger Schmelztümpel und mehr Schnee. Der genaue Ursprung des Eises wird noch geklärt, unterscheidet sich jedoch definitiv von dem der ersten Station. An dieser Station werden die gleichen Messungen wie auf der ersten Scholle wiederholt (Abbildung 4). Auch hier bleiben autonome Geräte zurück und verfolgen die Eisschmelze bis zur Rückkehr des Teams in circa zwei Wochen.

Abbildung 4: Blick von der Brücke von RV Polarstern auf die Arbeiten auf der zweiten Eisstation während der CONTRASTS Expedition. Die tiefe Bewölkung ist (leider) typisch für diese Jahreszeit. (Foto: Marcel Nicolaus, AWI)