- Der Weg durch das Eis verlief besser und schneller als erwartet. Dabei profitierte die Expedition von der ungewöhnlich geringen Meereiskonzentration in der Region.
- Nach Ankunft an der ausgewählten Scholle hat die Kartierung der Umgebung begonnen, um den Aufbau des Eiscamps zu planen.
- Ziel der kommenden Wochen ist es dabei, die ersten vollständigen Datensätze noch vor Beginn der Polarnacht zu erhalten.
Die Fahrt durchs Meereis
Nachdem die Tara Polar Station die russische Inselgruppe Sewernaja Semlja nördlich umfahren hatte, erreichte sie am 1. September die ersten Eisschollen. Sie traf auf die Eiskante und folgte dieser zunächst weiter nach Osten bis etwa 150° Ost, bevor sie weiter nach Norden vordrang. Entlang von Rinnen und offenen Wasserflächen bewältigte sie diesen ersten Teil der Fahrt durch das Meereis aus eigener Kraft. Dabei profitierte die Expedition – wie bei der Planung erhofft – von den spätsommerlichen Eisbedingungen (Abbildung 1). Das diesjährige Minimum der Meereisausdehnung wurde am 11. September mit 4,66 Millionen km² erreicht. Hinzu kam eine besonders geringe Meereiskonzentration in dieser Region der Arktis, sodass die Fahrt durch das Eis deutlich leichter verlief als erwartet und große Bereiche offenen Wassers genutzt werden konnten. Dadurch konnte die Tara Polar Station aus eigener Kraft weiter nach Norden vorstoßen als ursprünglich erwartet.
Während der Fahrt durch das Meereis wurden mithilfe von Satellitendaten bereits mögliche Schollen in der Zielregion identifiziert. Die schließlich ausgewählte Scholle befindet sich bei etwa 82,5° Nord und 155° Ost und damit weiter östlich und südlich als der Startpunkt der MOSAiC-Drift im Jahr 2019 bei 85,1° Nord und 134,9° Ost. Die Hoffnung für die Polaris 1 Expedition ist, dass diese Ausgangsposition eine längere Drift ermöglicht und die Tara Polar Station dadurch auch im kommenden Sommer möglichst lange im Meereis verbleiben kann.
Abbildung 1: Fahrt- und Driftroute der Tara Polar Station. Die Farben der Route unterscheiden den alleinigen Transit (gelb), die Fahrt gemeinsam mit Xue Long 2 (orange) und die Drift (rot). Im Hintergrund ist die Meereiskonzentration des Minimums am 11. September 2026 gezeigt (Abbildung: M. Nicolaus/AWI, Daten: meereisportal.de)
Abbildung 2: Fahrt- und Driftroute der Tara Polar Station. Die Farben der Route unterscheiden den alleinigen Transit (gelb), die Fahrt gemeinsam mit Xue Long 2 (orange) und die Drift (rot). Im Hintergrund ist die Meereiskonzentration am 19. September 2026 gezeigt (Abbildung: M. Nicolaus/AWI, Daten: meereisportal.de)
Den letzten Abschnitt bis zur Startposition der Drift legte die Tara Polar Station mit Unterstützung des chinesischen Forschungseisbrechers Xue Long 2 zurück (Abbildung 2). Beide Schiffe trafen sich am 8. September und fuhren anschließend gemeinsam zur ausgewählten Zielscholle. Dabei folgte die Tara Polar Station dem chinesischen Eisbrecher in sicherem Abstand in dessen Fahrwasser. Bevor die Xue Long 2 die Region wieder für ihre eigenen Forschungsarbeiten verließ, brach sie einen kleinen Kanal in die Scholle (Abbildung 3). Dieser soll eine Art Hafen bilden, in dem die Tara Polar Station möglichst geschützt liegt (Abbildung 4). Im weiteren Verlauf wird die Besatzung der Xue Long 2 einige autonome Stationen in der Region ausbringen, deren Beobachtungen später die Messungen von Polaris 1 ergänzen können.
Ankunft an der Scholle
Am 9. September um 10:00 Uhr erreichte die Tara Polar Station bei 82,4° N, 155,05° E die Scholle, mit der sie in den kommenden Monaten durch die zentrale Arktis driften soll. Die Scholle misst etwa 23,0 × 25,2 Kilometer und hat eine Fläche von rund 431 km² und entspricht damit ungefähr der Größe von Usedom (Abbildung 5). Aus dem All erinnert ihre Form vielleicht an einen Fisch, in dessen „Maul“ die Station angelegt hat (siehe Abbildung 5). Erste Analysen der Eisdrift weisen darauf hin, dass die Scholle bereits mindestens ein Jahr durch die Laptewsee gedriftet ist, vielleicht sogar schon zwei Jahre alt ist. Weitere Analysen zur Historie und Herkunft des Eises werden folgen, um die Messungen vor Ort auch in ihren historischen Kontext einordnen zu können.
Zunächst fanden einige logistische Arbeiten und eine grobe Planung des Eiscamps statt, bevor die Tara Polar Station am 13. September ihre finale Parkposition an der Scholle einnahm und dort festmachte. Damit begann die Drift dann endgültig. Ab sofort wird das Schiff mehr und mehr im Eis einfrieren. Direkt nach der Ankunft begann die Erkundung der neuen Heimat: zu Fuß auf dem Eis, mit der Drohne aus der Luft und mit einem ROV von unten. Auf Grundlage dieser ersten Vermessungen entsteht nun das Konzept, das festlegt, an welchen Stellen auf der Eisschollen die Messstellen und -anlagen errichtet werden sollen, und somit auch der Lageplan für das Eiscamp.
Das Luftbild des ersten Drohnenflugs am 14. September zeigt vor allem die Lage des Schiffes und die Eisstrukturen in seiner unmittelbaren Umgebung (Abbildung 6). „Ich freue mich, dass das Wetter mitgespielt hat und es dadurch gelungen ist, ein so gutes Fotomosaik von der Umgebung des Schiffes zu bekommen“, sagt Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut. „Das wird die weiteren Planungen des Eiscamps wesentlich unterstützen. Unser Eiscamp wird sowohl altes Meereis als auch Bereiche umfassen, in denen sich im Laufe des Winters neues Eis bildet. So können wir beide Eisarten untersuchen.“ „Wir freuen uns, dass wir nun das Eiscamp einrichten und endlich mit den lange vorbereiteten Messprogrammen starten können. Damit beginnt jetzt die eigentliche wissenschaftliche Arbeit der Expedition“, ergänzt Julia Regnery (AWI) von Bord der Tara Polaris 1 Mission.
Übergang zur Polarnacht
Mit der Ankunft an der Scholle begann nahezu gleichzeitig der Übergang von Schmelz- zu Gefrierbedingungen. Der Vergleich der beiden Karten der Meereiskonzentration vom 11. und 19. September (Abbildung 1 und 2) zeigt, wie die Meereiskonzentration innerhalb weniger Tage stark angestiegen ist, da zunehmend offene Wasserflächen zugefroren sind. Während das Eiscamp entsteht, werden die Tage in der Arktis immer kürzer. Am 23. September ist Tagundnachtgleiche, und schon Mitte Oktober beginnt in der Region die Polarnacht. Auf 82,5 Grad nördlicher Breite geht die Sonne ab dem 15. Oktober nicht mehr auf.
Ziel ist es deshalb, die wissenschaftlichen Messgeräte und Aufbauten zügig auf, im und unter dem Meereis zu installieren und auch mit den regelmäßigen Messprogrammen zu beginnen. So sollen möglichst noch vor Beginn der Polarnacht erste vollständige Datensätze gewonnen werden. Danach werden die Dunkelheit und die zunehmend winterlichen Bedingungen die Arbeiten auf dem Eis erschweren und prägen.
Graphiken