- Ostsee: Im Zuge einer langanhaltenden Frostperiode gefrieren die Boddengewässer an der deutschen Ostseeküste. In der Bottenwiek, dem nördlichsten Teil der Ostsee, erreicht das Festeis in den Schären eine Dicke von bis zu 65 cm.
- Arktis: Im Januar bildet sich zu wenig neues Meereis, um die Rückstände aus dem bisherigen Winter aufzuholen. Eine Ursache dafür könnte die enorme Wärmeaufnahme der Weltmeere im Jahr 2025 sein.
- Antarktis: Die sommerliche Meereisschmelze auf dem Südlichen Ozean hat sich im Januar deutlich verlangsamt. Ausgerechnet im nordwestlichen Weddellmeer, dem Zielgebiet der bevorstehenden Polarstern-Expedition, gibt es aktuell mehr Packeis als von den Forschenden erwartet.
Eisige Winterkälte lässt Boddengewässer der Ostsee gefrieren
Eisschollen in der südlichen Ostsee und damit auch an der deutschen Küste sind ein selten gewordenes Naturphänomen. Umso größer war die Überraschung, als am Anfang des neuen Jahres frostiges Winter-Hochdruck-Wetter über der Ostsee Einzug hielt und blieb. “Im Bereich von Usedom und Rügen gab es im Januar an fast der Hälfte der Tage Dauerfrost, sodass der Greifswalder Bodden das erste Mal seit fünf Jahren wieder zugefroren ist”, berichtet Wiebke Aldenhoff vom Eisdienst des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in Rostock (Abbildung 1).
Das Team des Eisdienstes sammelt alle zur Verfügung stehenden Daten zu den Eisverhältnissen entlang der deutschen Küste und wertet diese täglich aus – Satellitendaten ebenso wie Augenzeugenberichte von Hafenämtern, Seeleuten und Eisbeobachter:innen. Diese Auswertung teilen die Mitarbeitenden anschließend mit Reedereien, der Wasserstraßen-Schifffahrtsverwaltung sowie mit anderen Interessenten aus der Schifffahrt. “Die meisten unserer Kunden wollen wissen, wo das Eis ist. Wie weit kann ich mit meinem Schiff fahren? Ist mein Zielhafen noch eisfrei oder gibt es auf meiner geplanten Ostsee-Fahrtroute bereits Einschränkungen wie zum Beispiel ein Nachtfahrverbot, weil eine Eisfahrt auf Sicht bei Dunkelheit nicht mehr gefahrlos möglich ist“, erklärt Wiebke Aldenhoff.
Einmal pro Woche erstellt das Team eine sehr detaillierte Eiskarte für die gesamte Ostsee, welche die täglichen Eiskarten ihrer Kolleg:innen vom schwedischen und finnischen Eisdienst komplettiert (Abbildung 2 & 3). “Wir kartieren auch die kleinen Eisflächen abseits der Schifffahrtsstraßen, weil diese Informationen eines Tages für die Meeres- und Klimaforschung relevant sein könnten”, erzählt die Physikerin.
Abbildung 2: Diese Karte des BSH-Eisdienstes zeigt die Meereiskonzentration auf der Ostsee am 30. Januar 2026. Anhand der Farbgebung ist eindeutig zu erkennen, dass der Bottenwiek (nördlichster Teil) und der Finnische Meerbusen (östlichster Teil) bereits großflächig von einer geschlossenen Meereisdecke bedeckt sind. Karte: Eisdienst des BSH
Abbildung 3: Diese Karte des BSH-Eisdienstes stellt die Dicke des Meereises in den unterschiedlichen Regionen der Ostsee dar. Im nördlichsten Teil des Bottnischen Meerbusens, der Bottenwiek, ist das an der Küste haftende Festeis bis zu 65 Zentimeter dick (hellgrün). In den Boddengewässern entlang der deutschen Ostseeküste misst das Meereis maximal 15 Zentimeter (violett). Karte: Eisdienst des BSH
In kalten Wintermonaten wie dem Januar 2026 macht ihr die Arbeit besonders viel Spaß:
Auf Webcams aus der Pommerschen Bucht sehen wir zum Beispiel viel zusammengeschobenen Eisbrei an den Küsten, denn aufgrund des kalten Ostwindes bilden sich auf der Ostsee dort derzeit keine Schollen. Der Eisbrei treibt dann an die Küste und an die Eiskante im Greifswalder Bodden, wo er zu einer kompakten Meereisschicht gefriert. Auch das Stettiner Haff war am letzten Januartag von einer festen Eisschicht bedeckt
Die Haff- und Boddengewässer im östlichen Teil der deutschen Ostseeküste frieren in der Regel zuerst zu. Gründe dafür sind ihr hoher Süßwassereinstrom, die geringe Wassertiefe sowie ihre oftmals geschützte Lage. Schnell von Eis bedeckt ist in der Regel auch die Meerenge zwischen Rügen und der Insel Hiddensee sowie die Schlei, ein 42 Kilometer langer Meeresarm an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste. “In einigen geschützten Küstenabschnitten haben wir aktuell Eisdicken von bis zu 30 Zentimetern. Und solange wir nachts weiterhin durchgängig Frost haben, kann das Eis weiterwachsen”, erläutert die Expertin des Eisdienstes.
Noch größer ist die Eis-Wahrscheinlichkeit im nördlichsten und östlichsten Teil der Ostsee – dem Bottenwiek sowie dem Finnischen Meerbusen. Im Erstgenannten war das Meereis an der Küstenlinie am 30. Januar 2026 bereits bis zu 65 Zentimeter dick. Im Finnischen Meerbusen hingegen verzeichnete der Eisdienst zur gleichen Zeit Festeis mit Dicken von 20 bis 40 Zentimetern. Für die Mitarbeitenden des Eisdienstes und alle Ostseeliebhaber war der Januar demzufolge ein richtig spannender Jahresauftakt (Abbildung 2 & 3).
Abbildung 5: Optisches Satellitenbild der deutschen Ostseeküste bei Rügen vom 20. Januar 2026. Der Greifswalder Bodden in seinem nördlichen Bereich sowie geschützte Meeresgebiete rund um Rügen sind mit bis zu 15 Zentimeter dickem Eis bedeckt. Das zeigt sich an der grau-blauen Färbung des Eises, das von vielen kleinen weißen Strukturen durchzogen ist. Im südlichen Teil des Greifswalder Boddens bildet sich Neueis, das viel dunkler ist und eher die Farbe des Wassers hat. Ein paar kaum sichtbare weißliche Strukturen gibt es aber auch in diesem Gebiet. Aufnahme: Copernicus Sentinel-2 imagery [Contains modified Copernicus Sentinel Data 2026]
Arktis: Zu wenig neues Meereis, um Rückstände aufzuholen
In der Arktis brachte der Januar 2026 keine Trendwende bei der Meereisentwicklung. Sowohl in den arktischen Randregionen des Pazifischen als auch des Atlantischen Ozeans gab es zu wenig Packeis, um die verzögerte Neueisbildung aus den zurückliegenden Monaten auszugleichen. Deutlich weniger Meereis als im Vergleich zum Langzeitmittel verzeichneten die nördliche Barentssee, das Gebiet der Labradorsee und der Davisstraße, das Ochotskische Meer sowie der westliche Teil des Beringmeeres. Etwas mehr Packeis detektieren die Satelliten hingegen im östlichen Teil des Beringmeeres sowie in der Framstraße (Abbildungen 7 & 9).
Die Meereisausdehnung belief sich im Monatsmittel auf 13,23 Millionen Quadratkilometer. Das entspricht dem viertkleinsten bislang gemessenen Mittelwert für den Monat Januar und reiht sich in der Januar-Statistik bezüglich der geringsten Ausdehnung knapp hinter den Januar-Mittelwerten aus den Jahren 2025 und 2017 ein (Januar 2025 und Januar 2017: jeweils circa 13,19 Millionen Quadratkilometer, Abbildung 8).
Im Vergleich zum Januar 2025 fällt die fast vollständig geschlossene Meereisdecke in der Hudsonbucht auf. Sie deutet darauf hin, dass sich die dortige außergewöhnliche “Meereshitzewelle" aus dem Winter 2024/25 nicht wiederholt hat.
Abbildung 7: Differenz der mittleren Eiskantenposition im Januar 2026 im Vergleich zum Langzeitmittel 2003-2014. Blau gekennzeichnet sind Meeresgebiete, in denen im ersten Monat des Jahres 2026 mehr arktisches Meereis existierte als im Vergleichszeitraum. Rot markierte Regionen hingegen wiesen weniger Meereis auf.
Abbildung 9: Am 14. Januar 2026 waren die arktischen Gewässer nordöstlich Spitzbergens weitgehend eisfrei, wie diese Aufnahme des Copernicus-Satelliten Sentinel-1 zeigt. Erst in der vierten Januarwoche schob sich das Packeis aus Osten kommend in dieses Gebiet. Satellitenaufnahme: European Union, Copernicus Sentinel-1 imagery
In den eisfreien Regionen des Arktischen Ozeans waren die Meeresoberflächentemperaturen im Januar 2026 dennoch hoch. In der Labradorsee verzeichneten die Temperatursensoren im Monatsmittel Abweichungen von mehr als 4 Grad Celsius (Abbildung 10).
Der gigantische Wärmeüberschuss dürfte sowohl auf die außergewöhnlich hohen Lufttemperaturen in dieser Region zurückzuführen sein (Abbildung 11) als auch auf die zunehmende Meereserwärmung im Zuge des menschengemachten Klimawandels.
Abbildung 11: Darstellung der gemittelten Lufttemperaturabweichungen in der Arktis im Januar 2026. Die Temperaturentwicklung war von starken Gegensätzen geprägt. Während die Luftmassen über Grönland und den angrenzenden Meeresregionen deutlich wärmer waren als im Langzeitmittel, sanken die Temperaturen über Osteuropa und Sibirien deutlich unter den Vergleichswert.
Weltozean nimmt eine neue Rekordmenge an Wärme auf
Einer neuen Studie zufolge nahm der Weltozean allein im Jahr 2025 rund 23 Zettajoule Wärmeenergie aus der Atmosphäre auf und speicherte sie in den oberen 2.000 Metern der Wassersäule. Das ist das größte Wärmeplus des Ozeans innerhalb eines Jahres seit Beginn der Messungen.
Für alle, die mit der Größeneinheit Zettajoule wenig anfangen können, ziehen die Autor:innen der Studie Vergleiche heran. Demnach haben die Weltmeere im Jahr 2025 rund 210-mal so viel Energie aufgenommen, wie die Menschheit pro Jahr an Strom erzeugt. Oder anders gesagt: Das Wärmeplus des Ozeans im Jahr 2025 ist vergleichbar mit der Wärmeenergie von zwölf Hiroshima-Atombomben, die pro Sekunde an jedem Tag des Jahres explodieren würden. Sprich: eine unvorstellbar große Menge an Energie.
Für die regelmäßig erscheinende Studie zum Wärmegehalt des Weltozeans werten die beteiligten Wissenschaftlerteams aus acht Ländern vor allem die Temperaturdaten der sogenannten Argo-Gleiter aus. Die zylindrisch geformten Messgeräte treiben zu Tausenden in den Weltmeeren und messen eigenständig insbesondere die Wassertemperatur und den Salzgehalt bis in eine Wassertiefe von 2.000 Metern (Abbildungen 12 & 13).
Antarktis: Die sommerliche Meereisschmelze verlangsamt sich spürbar
In der Antarktis hat sich die sommerliche Meereisschmelze im Januar 2026 deutlich verlangsamt. Die Meereisausdehnung schrumpfte um etwas weniger als die Hälfte – von rund 6 Millionen Quadratkilometern am ersten Januartag auf 3,62 Millionen Quadratkilometer zum Monatsende. Das Monatsmittel betrug 4,46 Millionen Quadratkilometer. Der Januar 2026 belegt somit Platz 14 in der Langzeitserie.
Große eisfreie Flächen wiesen die antarktischen Gewässer im Januar vor allem vor der Küste des Marie-Byrd-Landes, in der Bellinghausensee sowie vor der Küste des Wilkeslandes auf. Mehr Packeis gab es hingegen in Teilen des Weddellmeeres, vor der Küste des Adélielandes sowie im westlichen Rossmeer. “Die spannende Frage lautet jetzt, ob die Meereisschmelze im Februar noch einmal Fahrt aufnehmen wird. In den zwei zurückliegenden Sommern haben wir das jeweils gesehen”, erläutert Dr. Klaus Grosfeld, Klimaforscher am Alfred-Wegener-Institut und Mitinitiator des Meereisportals (Abbildungen 14 & 15).
Mit großem Interesse verfolgen er und Kolleg:innen die Entwicklung der Meeresoberflächentemperaturen in den eisfreien Küstengebieten. “Wir sehen zum Beispiel an der Westküste der Antarktischen Halbinsel sowie im Rossmeer ungewöhnlich warmes Oberflächenwasser. Hier stellt sich die Frage, woher die Wärme stammt. Kommt sie aus der Atmosphäre oder steigt in diesen Küstenregionen warmes Wasser aus der Tiefe des Ozeans auf?“, fragt Klaus Grosfeld (Abbildung 16).
Abbildung 15: Differenz der mittleren Eiskantenposition im Januar 2026 im Vergleich zum Langzeitmittel 2003-2014. Blau gekennzeichnet sind Meeresgebiete, in denen im ersten Monat des Jahres 2026 mehr antarktisches Meereis existierte als im Vergleichszeitraum. Rot markierte Regionen hingegen wiesen weniger Meereis auf.
Polarstern-Expedition untersucht die Meereisveränderungen im nordwestlichen Weddellmeer
Wärmer werdendes Oberflächenwasser und dessen Auswirkungen auf das antarktische Meereis und alle Organismen, die darauf, darin oder darunter leben, stehen auch im Fokus der nächsten Expedition des deutschen Forschungseisbrechers Polarstern. Diese startet in wenigen Tagen in der chilenischen Hafenstadt Punta Arenas und führt ein internationales Team von Wissenschaftler:innen in den nordwestlichen Teil des Weddellmeeres (Abbildung 17).
Die Region gehört zu den am wenigsten erforschten Meeresgebieten der Welt, weil ihre ganzjährige Meereisbedeckung den Zugang für Forschende erschwert. Seit dem Jahr 2017 aber passiert es immer wieder, dass die Meereisausdehnung in diesem Gebiet stark zurückgeht – vermutlich, weil wärmeres Wasser an die Meeresoberfläche gelangt oder sich das Oberflächenwasser aus anderen Gründen erwärmt.
“Diese Veränderungen könnten die Vorboten bedeutender Veränderungen im nordwestlichen Weddellmeer sein, die sich auf das gesamte physikalische und biologische Eis-Ozean-System in der Region auswirken, einschließlich des Larsen-C-Schelfeises”, schreiben die Fahrtleitenden Prof. Christian Haas und Dr. Ilka Peeken vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung im Expeditionsprogramm.
Aktuell gibt es im Zielgebiet der Expedition mehr und dickeres Packeis als erwartet. Es ist daher fraglich, ob der Forschungseisbrecher bis zum Larsen-C-Schelfeis vordringen kann. Die vielen geplanten Messungen der Eisdicke, der Schneeeigenschaften, der Wasserparameter sowie zum Leben im nordwestlichen Weddellmeer und zu seinen biologischen Kohlenstoffflüssen werden die Forschenden dennoch durchführen.
Wer ihre wissenschaftlichen Arbeiten verfolgen möchte, hat gleich mehrere Möglichkeiten. Im Polarstern-Blog werden die beiden Fahrtleitenden regelmäßig Einblick in das Expeditionsgeschehen geben. AWI-Meereisphysikerin Prof. Stefanie Arndt berichtet auf ihrer Projektwebseite zusammen mit der Ozeanografin Dr. Sandra Tippenhauer über ihre wissenschaftlichen Arbeiten zu Meereis und Schnee sowie zu den Wassermassen und Strömungen unter dem Packeis. Und selbstverständlich werden auch wir die Antarktis-Forschenden in unseren nächsten Meereis-Updates regelmäßig zu Wort kommen lassen (Abbildung 18).
Abbildung 18: Die Expeditionsleiter Christian Haas und Ilka Peeken (obere Reihe) sowie die beiden Wissenschaftlerinnen Stefanie Arndt und Sandra Tippenhauer (untere Reihe) berichten in zwei verschiedenen Wissenschafts-Blogs über die Polarstern-Expedition in das nordwestliche Weddellmeer. Fotos: Alfred-Wegener-Institut & privat
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Autorin
Sina Löschke (Science Writer)
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