1 Meereisbewohner

Das Meereis der Arktis und Antarktis erscheint auf den ersten Blick unwirtlich und lebensfeindlich. Tatsächlich aber ist es ein einzigartiger Lebensraum, in dem sehr viele Organismen beheimatet sind. Die Meereis-Lebensgemeinschaft bildet ein vollständiges Nahrungsnetz, in dem es viele Wechselwirkungen gibt, die die Organismen zum Teil stark voneinander abhängig machen. Basis des Meereis-Nahrungsnetzes sind die Primärproduzenten, insbesondere Mikroalgen und andere Mikroorganismen, die Photosynthese betreiben können. Auf diese folgen weitere drei bis vier Trophiestufen, die vom Pflanzenfresser bis zum Räuber reichen – also z. B. bis zu den Robben oder Eisbären.

Im Lebensraum Meereis herrschen extreme Umweltbedingungen, v. a. hinsichtlich Nährstoffverfügbarkeit, Temperatur, Salzgehalt und Licht. Im Winter häuft sich auf dem Eis Schnee an, der den Lichteinfall im Frühjahr abschwächt. Im Sommer sind große Gebiete eisfrei, im Winter eisbedeckt. Mit ihrem Lebenszyklus haben sich die Tiere an diesen Wechsel von Hell und Dunkel, der Nährstoffverfügbarkeit und von Eisbedeckung und freien Wasserflächen angepasst. Die Bildung und das Schmelzen des Meereises beeinflussen die Lebensbedingungen, denen die Tiere ausgesetzt sind, stark. Während sich das Eis bildet, hat das Meerwasser unter dem Eis einen sehr hohen Salzgehalt. Während der Schmelzphase herrschen hingegen eher brackige Bedingungen vor, da sich das Süßwasser unter dem Meereis ansammelt. Das Schmelzen und Gefrieren des Eises im Verlauf des Jahres führt zu schwankenden und zum Teil extremen Temperaturen- und Salzgehaltverhältnissen, an die die hier lebenden Organismen angepasst sind. Durch alle diese Bedingungen schwanken die Populationsgrößen während des Jahreszyklus.