Sonne in der Polarnacht

+++ Position 67° 12’ S; 13° 03’ W +++ Die Suche nach einer Scholle für die nächste Eisstation beginnt +++ Temperaturen unter -18°C +++
8. Juni 2013

Vor ein paar Tagen waren wir noch bei 68° Süd und haben die Sonne nicht mehr am Himmel gesehen. Tiefschwarze Nacht, nur in den Mittagsstunden ein wenig Dämmerlicht.

Offiziell sprechen unsere Meteorologen hier von der „bürgerlichen Dämmerung“. Bürgerlich, weil ein Bürger in diesem Licht noch die Zeitung lesen könnte, so die Definition. Im Zeitalter beleuchteter Computerdisplays und des „digital citizenship“ könnte uns die „bürgerliche Dämmerung“ eigentlich schnuppe sein, und doch würden wir hier durchaus gerne einmal eine Zeitung im Dämmerlicht lesen, wenn wir denn eine hätten.

Mittlerweile sind wir aufgrund der dichten Eisfelder wieder etwas weiter nördlich, aber immer noch südlich des Polarkreises. Dennoch überraschte uns tatsächlich die Sonne, die gerade so eben über den Horizont lugte. Nach den Tagen der Dunkelheit eine Wohltat. Ähnlich einer Fata Morgana, bei der die heißen Luftschichten etwas sichtbar machen, was eigentlich gar nicht da ist, hat in unserem Fall die „atmosphärische Refraktion“ die Sonne rotgelb an den Himmel „gezaubert“. Die Sonnenscheibe, rein geometrisch betrachtet, stand natürlich unter dem Horizont. Durch die mit der Höhe abnehmende Luftdichte werden die Sonnenstrahlen aber durch die Atmosphäre bogenförmig gekrümmt, so dass die Sonne um etwas mehr als einen Sonnendurchmesser angehoben wird und wir sie am Himmel sehen können.

Warm ist die Sonne trotzdem nicht, eisige Temperaturen bestimmen weiterhin unser Leben an Bord. Die ersten kurzen Sonnentage im Eis haben wir aber alle sehr genossen.

Unsere letzte Scholle mussten wir übrigens bereits nach drei Tagen aufgeben, sie war zu brüchig. Dennoch sind die Wissenschaftler mit ihren Ergebnissen zufrieden und bereiten gerade mit Eifer alles für die nächste 4-Tage-Eisstation vor, für die wir hoffentlich eine etwas stabilere Scholle finden.

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