Premiere: Schneeboje neuen Typs erfolgreich ausgesetzt

+++ Position: 63° 32’ S, 51° 23’ W +++ Temperaturen um -20°C gefühlt wie -45°C +++ Sonnenaufgang: 10:19 (UTC) +++ Sonnenuntergang: 16:34 (UTC)
25. Juli 2013

Erstmals konnte eine neu entwickelte Schneeboje auf antarktischem Meereis ausgesetzt werden. In den nächsten Jahren misst sie selbständig die Schneedicke und sendet die Daten aus dem Südpolarmeer direkt auf die heimischen Rechner. Dr. Sandra Schwegmann, Leiterin der Meereisgruppe, berichtet, was die Boje kann und wie sie ausgesetzt wurde.

Mehrere Tage war unklar, ob wir die Boje ausfliegen können, denn die Wetterbedingungen ließen keine Helikopterflüge zu. Bei der Flugwetterbesprechung in der Bordwetterwarte von Polarstern kam dann aber doch das OK: Wir können fliegen. Eilig verstauten wir unser Equipment im Helikopter und teilten den Piloten den Wegpunkt mit, an dem wir aus der Luft nach einer geeigneten Scholle suchen wollten.

Nach der Landung auf der Scholle haben wir in nur einer Stunde das Gestell der Boje zusammengeschraubt, das Loch im Eis für den Sockel gebohrt und die Boje mit Eisschrauben befestigt. Die Sensoren an der Boje messen eine relative Höhenänderung der Oberfläche, deshalb notieren wir die aktuelle Schneedicke als Referenzwert. Die Schneeboje wird nun über die nächsten Monate, vielleicht Jahre messen, wie sich die Schneeauflage unter ihren vier Sensoren in der Höhe ändert. Die Ausstattung der Boje mit vier Schneedickensensoren erlaubt uns auch sehr kleinräumige Veränderungen der Schneedecke, bedingt durch den Einfluss des Windes, zu beobachten. Die gemessenen Schneedicken werden zusammen mit Messungen der Luft- und Bodentemperaturen und des Luftdrucks via Satellit (Iridium) nach Hause gesendet.

Besonders wertvoll ist unsere bei der Position 67° 44' S 8° 28' W ausgebrachte Boje auch, weil sie Teil eines größeren Netzwerks von Bojen ist, die in einem großen Gitter südlich von Polarstern ausgebracht wurden. Diese Bojen messen sehr unterschiedliche Eigenschaften von Schnee und Meereis. Aus ihren aktuellen Positionen und ihren relativen Bewegungen zueinander können wir auch Driftgeschwindigkeiten und Deformation des Packeises ableiten.

Vor gerademal zwei Jahren begann der Prozess, eine Schneeboje zu entwickeln. Die Meereisphysiker vom Alfred-Wegener-Institut entwickelten gemeinsam mit MetOcean in Kanada einen neuen Bojentyp zur Schneedickenmessung. Es sollte eine möglichst kostengünstige Boje sein, die in größeren Stückzahlen als bisher möglich ausgebracht werden kann. Die Sensoren sind an einem Mast aus Aluminium befestigt, robust genug, um den rauen Bedingungen polarer Regionen zu trotzen. Sie sind die ersten ihrer Art, die auf antarktischem Meereis Daten sammeln. Zusammen mit weiteren Bojen, die auf kommenden Expeditionen ausgesetzt werden, tragen die Bojen über die nächsten Jahre zu einem Netzwerk bei, um über längere Zeiträume die Schneedicke und deren Veränderungen in unterschiedlichen Jahreszeiten zu erfassen. Durch die Kombination der Schneedickendaten mit Messungen anderer Bojen und mit Satellitenbeobachtungen wollen wir aus diesen Bojenmessungen auch analysieren, wie sich die Schneedicke auf das Eiswachstum auswirkt. Dabei wollen wir herausfinden, wie stark der Schnee durch seine Isolationswirkung die Eisbildung reduziert und wie stark er auf der anderen Seite zum Eiswachstum beiträgt. Denn wenn das Gewicht des Schnees das Meereis unter die Wasseroberfläche drückt, gelangt Meerwasser auf das Meereis, vermischt sich mit Schnee und gefriert dort zu neuen sogenannten Schneeeis.

Schnell werfe ich noch einen Blick zurück: Dort, wo zuvor nichts als Eis und Schnee war, steht nun unsere Schneeboje. Dann steige ich zu meinen Kollegen in den Helikopter und wir lassen unsere Boje mitten im Antarktischen Eismeer zurück. Sie sammelt jetzt für uns Daten über die Schneedicke, auch dann noch, wenn wir längst wieder zu Hause sind.

Zurück auf Polarstern prüfen wir noch über einen Internetzugang, ob die Datenübermittlung der Boje funktioniert: Wir sind erleichtert, die Daten werden einwandfrei gesendet. Die Positionen können jetzt auch über das Meereisportal nachverfolgt werden. So wissen wir immer, wo sich unsere Schneeboje befindet und was sie aktuell misst.

Bildergalerie