Auf der Scholle

+++ Position 68° 01’ S, 00° 19’ W +++ Seit zwei Tagen driften wir mit einer Scholle +++ Schneefall +++ 30 bis 40 Knoten Wind +++ Kein Sonnenaufgang +++ Polarnacht
26. Juni 2013

Entspannte Stimmung an Bord. Wir driften mit etwa 0,8 Knoten nach Südwesten. Dick und kompakt ist das Eis um uns herum. Viele Presseisrücken versperren den Weg. Stürmischer Wind aus Nordost erhöht den Eisdruck. „Jetzt gewaltsam hier durchzubrechen, würde nur unnötig viel Treibstoff kosten“, sagt Kapitän Uwe Pahl. So üben wir uns in Geduld und warten auf günstige Winde, die das Eisfeld ein wenig auflockern.

Zu tun haben wir ohnehin genug. Proben und Daten von zwei Eisstationen müssen in den verschiedenen Laboren analysiert und weiter verarbeitet werden. Scholle Nr. 1 lag im Dunkeln und bis Mitternacht liefen die Forschungsarbeiten bei eisigen Windchill-Temperaturen von - 45°C. Scholle Nr. 2 konnten wir dagegen bereits kurz nach dem Frühstück betreten. So gab es, trotz Polarnacht, mittags noch ein wenig Dämmerlicht. Die Temperaturen waren mit -5°C für unser Empfinden geradezu mild, doch gegen Abend zog stürmischer Wind auf, was die Arbeiten auf dem Eis doch sehr erschwerte.

Für jede Scholle gibt es einen ausgefeilten Plan, denn einfach anhalten, aussteigen und Proben einsammeln, wäre viel zu riskant. Mit Fahnen werden Wege und Arbeitsfelder abgesteckt, es gibt eine Art „Straße“, die alle Punkte miteinander verbindet und tatsächlich auch einen „Parkplatz“ für die Skidoos und Schlitten. Die Unterstützung bei der umfangreichen Logistik für so eine Eisstation durch die Schiffscrew ist bewundernswert.

Auf der Scholle ermitteln die Meereisphysiker dann die Eis- und Schneedicke. Sie messen elektromagnetisch, bohren aber auch nach einem festgelegten System mit einem Metallbohrgestänge Löcher ins Eis. Es ist stellenweise bis zu 90 Zentimeter dick, ein sehr beruhigendes Ergebnis. Weiter hinten auf der Scholle hat sich die Spurenmetall-Gruppe ein geschütztes Arbeitsfeld gesichert, denn die Biogeochemiker wollen möglichst weit vom Schiff entfernt sehr reine Eiskerne ziehen, die sie später auf ihre Zusammensetzung im Labor untersuchen.

Für einen noch tieferen Einblick in die Entwicklung des Meereises lassen wir auf jeder Arbeitsscholle eine Boje zurück. Sie misst Eis- und Schneedicke über einen langen Zeitraum, so dass wir beobachten können, wie sich das Meereis im Laufe eines Jahres verändert. Die Boje sendet die Daten direkt aus dem Südpolarmeer in ein weltweites Datennetz – und somit auch auf unsere heimischen Rechner an Land. „Unsere Schollen“ werden wir also noch verfolgen, wenn wir schon längst wieder zu Hause sind.

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