Mittwinter am Polarkreis

+++ Position 66° 29’ S, 00° 01’ O +++ überwiegend saisonales Eis, in diesem Winter neu gebildet +++ weitere Frostverschärfung +++ Temperaturen unter -30° C angekündigt +++ Sonnenaufgang: 10:55 (UTC) Sonnenuntergang: 13:09 (UTC)
21. Juni 2013

Gegen Abend werden wir den Polarkreis überqueren. Die Sonne wird dann für uns nicht mehr aufgehen, sie bleibt unter dem Horizont. „Das werden lange Nächte“, sagt Fahrtleiter Peter Lemke in der morgendlichen Besprechung. Etwa 14 Tage fahren wir durch die Polarnacht Richtung Süden. Wir kommen gut voran, aber Ostwind mit 9 – 10 Beaufort erwartet uns bei 70° Süd kurz vor dem antarktischen Kontinent.

Von dort sendet uns das Team der Neumayer-Station III Mittwinter-Grüße via Email. Stationsleiterin Barbara Fiedel schreibt: Liebe Besatzung der Polarstern, es ist mal wieder soweit, hier bei uns auf der Neumayer-Station III und auch in den Breiten, in denen sich Polarstern gerade aufhält, nähert sich das Mittwinterfest, zu Hause das Mittsommerfest. Dort werden die Tage wieder kürzer, bei uns länger! Das heißt, wir erleben den Wendepunkt der Polarnacht. Zu diesem „hohen“ antarktischen Feiertag wollen wir unsere besten Mittwintergrüße übermitteln.“

Wir freuen uns sehr und senden natürlich einen Gruß zurück, denn nach Plan sollten wir am 26. Juni bei 70° S, 7° 30’ W im Zentrum unseres auszulegenden Bojen-Arrays sein. Die Lichtverhältnisse werden es aber leider nicht erlauben, dem Team auf Neumayer  einen Besuch abzustatten.

Bei immerhin noch drei bis vier Stunden Sonnenlicht am Tag konnten die Wissenschaftler diese Woche zu ersten Eisdicken-Messflügen von jeweils 90 Meilen starten. Alle Geräte funktionieren perfekt und auch der Blick von oben ist für die Meereisphysiker immer wieder atemberaubend.

Direkt neben dem Schiff ist das Eis mittlerweile über 50 Zentimeter dick und gestern konnten zwei Arbeitsgruppen gut gesichert mit Seilen aus dem „Mummy Chair“ aussteigen, um direkt auf dem Eis ihre Messungen durchzuführen und ihr kleines Eisdickenmessgerät „GEM-2“ zu eichen.

Wie das Gerät genau arbeitet und warum die Meereisphysikerin  Priska Hunkeler gemeinsam mit dem Schiffszimmermann einen Schlitten für „GEM-2“ an Bord gebaut hat, berichten wir, wenn wir von der Scholle zurück sind. Jetzt müssen wir uns erst einmal richtig warm anziehen, denn wir sind auf der Suche nach einer geeigneten Eisscholle, an der „Polarstern“ ankern und die Eisgangway ausfahren kann. Skidoos, Flaggen, Funkgeräte, Schneemasten und alle anderen Messgeräte stehen bereit und wir freuen uns auf den ersten Eisgang während dieser Expedition.

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