Auf Station

+++ Position 61° 07’ S, 00° 00’ O +++ Erster Eisberg mit großer Pinguin-Kolonie gesichtet +++ 2 Buckelwale ziehen an uns vorüber +++ Der Südostwind bringt eisige Luft +++ Für Dienstag sind Temperaturen von unter -25°C vorhergesagt +++ Sonnenuntergang: 14:46 Uhr (UTC) +++
17. Juni 2013

Ein Mausklick und die Probenflasche Nr. 24 ist geschlossen. Aus verschiedenen Tiefen bringt der Kranzwasserschöpfer pro Flasche 12 Liter Wasser aus dem Südpolarmeer an Bord. Zusätzlich misst die CTD-Sonde unter anderem Temperatur und Salzgehalt des Wassers – die Daten bauen sich in verschieden farbigen Linien auf einem Computerbildschirm im Windenleitstand auf.

Matthias Krüger verfolgt die feinen Linien und freut sich: „Perfekt, die neuen Sensoren arbeiten hervorragend.“ Der junge Wissenschaftler vom Kieler GEOMAR, am sechsten Tag unserer Expedition 24 Jahre alt geworden, studiert Ozeanographie und obwohl er gerade erst seinen Bachelor gemacht hat, leitet er das CTD-Team. Gemeinsam mit Johannes Sutter, Doktorand am AWI, und Friedrich Richter, Masterstudent der Meteorologie an der Universität Hamburg, ist er zuständig für den Einsatz des Kranzwasserschöpfers mit der CTD-Sonde.

Eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn das Weddellmeer gehört zu den wichtigsten Gebieten, in denen ozeanisches Tiefen- und Bodenwasser erzeugt wird. Die Daten sind begehrt. Seit über 20 Jahren wird hier im Sommer gemessen, nun können auf dieser Fahrt erstmals seit 1992 wieder Daten während der Wintermonate gewonnen werden. Die Meeresforscher wollen anhand der Temperatur- und Salzgehaltsprofile überprüfen, ob sich der Ozean auch in großen Tiefen weiter erwärmt.

„Noch spannender wird es, wenn wir zum Ende der Fahrt an der Spitze der Antarktischen Halbinsel die CTD fahren, denn in dieser Region bildet sich tiefes Bodenwasser und wir werden dort zum ersten Mal im Winter messen, sofern wir durch das dichte Packeis kommen “, sagt Fahrtleiter Peter Lemke. Er ist zufrieden mit seinem CTD-Team: „Die Jungs machen ihre Sache hervorragend und der Stationsbetrieb läuft reibungslos.“

Im Abstand von 60 Meilen stoppt das Schiff für eine Station und das bedeutet für Matthias Krüger und sein Team, dass der Wecker auch schon mal nachts um 3 Uhr klingelt. Gemeinsam mit der Crew auf dem Arbeitsdeck und im ständigen Kontakt mit dem wachhabenden Offizier auf der Brücke wird der Kranzwasserschöpfer routiniert ausgebracht. Bei einer Wassertiefe von über 4.000 Metern dauert die „Reise“ zum Meeresboden und zurück gut 3 Stunden. Auf jeder zweiten Station kommen zusätzlich das große Multinetz und ein Bongo-Netz zum Einsatz. Was die Biologen damit fangen, berichten wir, wenn die Eisgrenze erreicht ist.


Bongo- und Multinetz
Das Bongonetz ist eine Standardmethode zur Erfassung von Zooplankton und man kann sie sich als lange Trichtertüten aus feinster Netzgaze vorstellen. Mit ihnen werden schonend Tiere gefangen. Mit einem Multinetz können Planktonproben aus verschiedenen Tiefen des Ozeans gewonnen werden.

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