Noch etwa 3 Tage bis zur Eisgrenze

+++ Position 54° 13’ S, 00° 48’ O +++ Wir haben die Polarfront überquert +++ Die Ozean-Temperaturen sind unter 1° C gefallen +++ Sonnenuntergang: 15:36 Uhr (UTC) +++ Schnee und Nachtfrost sind für morgen vorausgesagt +++
15. Juni 2013

Sandra Schwegmann sitzt während des Transits in unser Arbeitsgebiet auf dem Heli-Deck und blinzelt in die Sonne. „Solange die Sonne noch da ist, muss man das ausnutzen. In der Polarnacht werden wir sie für einige Wochen überhaupt nicht sehen“, sagt die Meereisphysikerin.

Vor zwei Jahren war Sandra Schwegmann das erste Mal mit „Polarstern“ auf Expedition im Südpolarmeer – damals war Sommer. Ausdehnung, Dicke, Drift und Volumen des Meereises kann sie nun erstmals im antarktischen Winter untersuchen. Die promovierte Physikerin leitet die Meereisgruppe während dieser Expedition. Welche Arbeiten sie mit ihrem Team im Eis plant, berichtet sie heute im Meereisportal.

Warum die Meereisbedeckung in der Antarktis in den letzten Jahren stetig leicht zunimmt, während sie in der Arktis im Sommer dramatisch schwindet, ist eine unserer zentralen Fragen auf dieser Expedition.

Im Moment heißt es aber noch Warten, Geräte testen, Arbeitsabläufe und Einsätze planen. Sobald wir das Meereis erreicht haben, kommt als erstes MAiSIE zum Einsatz. Die Abkürzung steht für „Multi-Sensor Airborne Sea Ice Explorer“, ein so genannter EM-Bird. Auf den ersten Blick sieht unsere MAiSIE eher aus wie ein Torpedo, aber tatsächlich ist sie ein Gerät zur Vermessung von Meereisdicken. Das Gerät wird vom Helikopter „geschleppt“, so dass wir während der Messflüge über längere Strecken von bis zu 60 Meilen Daten über die Dicke des Eises gewinnen.

Viele unserer Arbeiten werden wir aber auch direkt auf den Eisschollen durchführen. Die erste Eisstation dieser Art werden wir voraussichtlich erst kurz vor dem Kontinent erreichen, denn natürlich müssen die Schollen dick und kompakt sein, wenn wir mit all unseren Geräten und Arbeitsgruppen das Schiff verlassen, um auf dem Eis zu arbeiten  – unter uns der 4.000 Meter tiefe Ozean.

Die Herausforderung wird dabei sein, dass wir kaum Tageslicht haben werden und die Temperaturen mit etwa -30°C sehr niedrig sind, denn wir fahren für drei bis vier Wochen durch die Polarnacht. Den ganzen Tag keine Sonne, aber weder Dunkelheit noch Kälte können uns aufhalten. Denn mit dieser Expedition bekommen wir die einmalige Gelegenheit, das Meereis, seine Schneedecke und die physikalischen Eigenschaften wie zum Beispiel Dichte und Salzgehalte unter Winterbedingungen zu untersuchen.

Während der Eisstationen ermitteln wir die Meereisdicke mit einem Messgerät, das mit der 80 Kilo schweren MAiSIE verwandt, aber viel kleiner und handlicher ist und somit in einem Schlitten gezogen werden kann. So bekommen wir Informationen über die Eis- und Schneebedingungen der Scholle, auf der wir arbeiten wollen, da wir zeitgleich auch die Schneedicken vermessen werden.

Auf der Scholle werden wir auch Löcher durch das Eis bohren – allerdings ist das eine sehr aufwendige Messmethode. Warum sie aber wichtig ist und wie wir diese Arbeiten genau durchführen, berichten wir dann, wenn wir die erste Scholle erreicht haben. Noch ist kein Eis in Sicht und auch unsere Bojen, mit denen wir die Entwicklung des Meereises erfassen können, müssen noch auf ihren Einsatz warten.

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