Halbzeit

+++ Position 67° 11’ S, 19° 59’ W +++ Es ist wärmer geworden: -12° C +++ Nebel +++ Sonnenaufgang: 11:52 (UTC) +++ Sonnenuntergang: 14:46 (UTC)
10. Juli 2013

Nach den schweren Eisverhältnissen der letzten Tage, kommen wir nun gut voran und nähern uns dem Zentrum des Weddellmeeres. Tag 33 auf See – zur Mitte unserer Expedition heute ein Beitrag von Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Lemke.

Winterexpeditionen in der Antarktis sind immer eine besondere Herausforderung. Die doppelte Querung des Weddellmeeres von Nord nach Süd zum Kontinent und von dort nach Nordwest zur Spitze der Antarktischen Halbinsel ist bisher nur zweimal erfolgreich gelungen: 1992 ebenfalls in der Polarnacht im Juni und Juli sowie 1989 später im antarktischen Winter, in den Monaten September und Oktober. Beide Expeditionen wurden von Polarstern unternommen. Kein anderes Schiff hat bis heute solch eine Expedition durchgeführt.

In diesem antarktischen Winter stehen zwei wesentliche Fragen auf unserem Forschungsplan: Warum nimmt die Ausdehnung des Meereises in der Antarktis zu, während die Meereisbedeckung in der Arktis abnimmt? Und: Dehnt sich das Eis nur aus oder wird es auch dicker? Zudem untersuchen wir, wie das hochspezialisierte Ökosystem im Meereis die Polarnacht mit dem sehr geringen Lichtangebot durchlebt.

Nach der Halbzeit der Expedition lässt sich sagen, dass das Eis in der Nähe des Kontinents deutlich dicker und dichter gepackt ist, als 1992. Der südlichste Punkt, den wir mit vernünftiger Fahrweise erreichen konnten, war 68°16‘ Süd. Sechzig Meilen fehlten uns noch bis zu unserem geplanten südlichsten Messpunkt. Vor 21 Jahren sind wir ohne Schwierigkeiten bis zur Küste und dann in die Atka-Bucht bei der Neumayer-Station gekommen.

Die ersten Untersuchungen auf den Eisstationen dieser Fahrt zeigen, dass das Ökosystem nicht einfach in einen passiven Zustand übergeht, sondern weiterhin aktiv reagiert. Offensichtlich kommen die Organismen mit dem geringen Lichtangebot gut zurecht, sind also an ein Schattendasein angepasst.

Die wärmsten Temperaturen im Eis lagen bei -1°C und die kältesten bei -28°C. Einen schweren Sturm mit orkanartigen Böen mussten wir im Eis abwettern. Dagegen gab es viele sehr kalte Sonnentage mit wunderschönen Farben und einem Sonnenaufgang, der gleichzeitig auch ein Sonnenuntergang war. Allerdings gab es auch viele graue Tage, in denen die Sonne unter dem Horizont versteckt blieb.

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