Stets in Aktion: Im Wasser und auf dem Meereis

Antarktischer Ozean +++ 70° 32’ S, 8° 5’ +++ -2,8°C, Sonnig bis bewölkt +++ viel Arbeit +++ bezaubernde Eislandschaft

29. Dezember 2014
(von Jan Andries van Franeker)

Morgen sind wir schon vier Wochen unterwegs auf unserer Antarktisexpedition. Wochen, die so vollgepackt waren, dass ich nicht eher zum Schreiben gekommen bin. Von Kapstadt aus ist die Polarstern zunächst richtung Südwesten gefahren, bis zum Greenwich-Meridian (0°). Von diesem Punkt aus folgen wir dem Nullmeridian geradewegs nach Süden, bis wir beinah auf den antarktischen Kontinent auflaufen. Inzwischen sind wir schon sehr weit gekommen.

In der ersten Zeit waren wir vollauf damit beschäftigt, die vielen Geräte und Materialien auszupacken, aufzubauen und zu testen, die wir mit an Bord gebracht haben. Dazu gehört natürlich unser Untereisnetz, das SUIT (engl.: Surface and Under-Ice Trawl: Oberflächen- und Untereis-Schleppnetz). Allerdings hat Projektleiter Hauke Flores im Rahmen unseres gemeinsamen Projektes Iceflux (AWI-IMARES) das Arbeitsgebiet stark erweitert. Wir fischen nun auch mit dem Multiple closing Rectangular Midwater Trawl (MRMT; engl.: mehrfach schließendes rechteckiges Schleppnetz für mittlere Wassertiefen). Das ist ein großes Netz, das bis auf 1.000 m Tiefe herabgelassen wird und auf drei verschiedenen Tiefen separate Netze öffnen kann. Als wäre das nicht genug, betreibt unsere Gruppe detaillierte Studien auf dem Meereis, bohrt dort Eiskerne, führt durch die Bohrlöcher Messungen durch und nimmt Wasserproben.

An Bord läuft fast ununterbrochen das Sonar, um Krillschärme und Fische in tieferen Wasserschichten zu erfassen. Von unseren ‚Vogelkisten‘ auf dem Peildeck aus, und manchmal auch vom Hubschrauber, werden die Dichten von Meeresvöglen und –Säugetieren erfasst. Kurzum, eine Vielzahl von Aktivitäten, die unsere 10-köpfige Gruppe Tag und Nacht unter Strom hält. Alle zusammen verszuchen wir mit Iceflux mehr Kenntnis über die Bedeutung des Meereises für die Nahrungsnetze der Polarmeere zu erlangen.

Das erste Meereis erreichten wir bereits bei 56°30’S, wir sind also schon 1.300 km im antarktischen Meereis unterwegs. Die meisten Tiefdruckgebiete ziehen nun nördlich an uns vorbei, in den sturmumtosten 40er und 50er Breitengraden. Die Eislandschaft verzaubert uns nach wie vor, genauso wie die Tiere, die über und unter der Wasseroberfläche leben. Das bleibt auch erstmal so. Denn wir werden in den kommenden Tagen die Neumayer-Station anlaufen, um danach quer über das Weddellmeer zur Antarktischen Halbinsel zu fahren. Erst dann, in etwa einem Monat, kommen wir wieder ins offene Wasser.

Bildergalerie