Wieder nordwärts

Südozean +++ 66°’46’ S, 00°11’ E +++ -1 °C, starke Winde, offenes Wasser +++
21. Januar 2015
(von Jan Andries van Franeker; Übersetzung: Ina Lefering)

Nun sind wir wieder auf dem Weg zurück nach Kapstadt. Unser beschädigter Backbord-Propeller wurde auf Vorwärtsfahrt festgestellt und wird hinzugeschaltet, sobald alle Forschungsaktivitäten abgeschlossen sind. Wir haben die Polynya nahe der Neumayer Station am 13. Januar verlassen. Ein 30 bis 40 Meilen breiter Gürtel aus sehr dichtem Meereis versperrte uns den Weg nach Norden. Normalerweise sind solche Eisbedingungen kein Problem für Polarstern, aber mit nur einem Propeller ist das Schiff deutlich eingeschränkt. Es war ein schweres Stück Arbeit und es hat zwei Tage gedauert, bis wir unseren Weg in dünneres Eis geschafft haben. Dazu mussten wir uns Stückchen für Stückchen nach vorne arbeiten, immer wieder ausholen, um dann mit neuem Schwung ein paar Meter zu gewinnen. Zwischenzeitlich sind wir schneller von der Drift nach Südwesten getrieben worden, als wir Strecke nach Norden gut gemacht haben.

Am 15. Januar haben wir dann aber dünneres Meereis erreicht, in dem Polarstern auch mit nur einem Propeller gut vorankommt. Das Zählen von Walen, Vögeln und Robben ist jetzt wieder Vollzeitbeschäftigung für Jan und Bram, die sich die Arbeit in Schichten aufteilen und kaum mehr Schlaf bekommen. Doch die Fahrt durchs Eis war wieder atemberaubend, besonders nachts, wenn die Sonne so tief steht, dass der Schatten der Polarstern bis zum Horizont reicht. Bram war im siebten Himmel, weil er endlich seinen ersten Blauwal gesehen hat. Seit dem ist er nicht mehr aus seiner Beobachtungsbox zu bekommen, denn „man weiß ja nie was noch kommen mag“. Blauwale, die Riesen unter den Walen, sind im Südozean fast ausgerottet worden. Von den ehemals 200.000 – 300.000 Tieren sind nur noch knapp 1.000 Tiere übrig geblieben.

Schweren Herzens haben wir gestern Abend dem Meereis Leb‘wohl gesagt, nur um direkt in einen Sturm der Windstärke 9 zu fahren. Das ist normal für diese Breiten, aber nach einem guten Monat Ruhe im Eis, muss man sich erst einmal wieder an das Stampfen des Schiffes gewöhnen. Wir hoffen, noch ein paar mal unsere Netze fahren zu können und natürlich auf gutes Wetter, damit wir auf der gesamten Rückreise Vögel und Meeressäuger zählen können.

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