Unterwasserwelten

100% Eisbedeckung +++ 70° 15’ S, 9° 30’ W +++ -3°C, Sonnenschein +++
15. Januar 2015
(von Stefanie Arndt und Marcel Nicolaus)

Türkis-blaue Unterwasserwelten, kleine Höhlen an der Unterseite des Meereises, Krill-Schwärme, die vorbeiziehen. In diese faszinierende Welt können wir dank der Videokameras an Siri eintauchen.

Wir haben Siri, unser kleines ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug (Remotely Operated Vehicle, ROV) mitgenommen, da sie uns Tauchfahrten mit Strahlungssensoren erlaubt. Damit messen wir, wieviel Sonnenlicht durch das Meereis in den oberen Ozean gelangt. Dieses Licht trägt als Energiequelle zur Erwärmung des Meereises und des Ozeans bei und ermöglicht Photosynthese. Nicht nur die Organismen an der Oberfläche benötigen Licht zum Leben, auch die, die im und unter dem Meereis leben.

Aber spulen wir noch einmal zwei Stunden zurück: Jede Eisstation beginnt damit, dass der ROV-Leitstand, ausgestattet mit vier Computern und fünf Monitoren, mit dem Kran oder mit dem Helikopter auf die Scholle gehoben wird. Dann geht es an die Vorbereitung auf dem Meereis: Auf einem definierten Gitter hängen wir Markerstangen durch Bohrlöcher unter das Eis. An diesen orientieren wir uns bei den folgenden Tauchfahrten. Zusätzlich wird die Schollenkante von Schnee befreit und befestigt, damit wir Siris Gewicht von immerhin 80 kg sicher ins und aus dem Wasser bekommen. Dann folgen noch Instrumententests auf dem Meereis und wenn alles funktioniert: Wunderbar, bereit zum Aussetzen!

Während der Fahrt herrscht im ROV-Kontrollstand volle Konzentration, besonders bei Chef-Piloten Martin Schiller. Sowohl die oberflächennahe Ozeanströmung als auch die unebene Eisunterfläche macht die Steuerung der jungen Dame nicht immer einfach. Aber eine ruhige Lage im Wasser ist vor allem für unsere Messungen wichtig. Schnell zeigt sich eine starke Abhängigkeit der Licht-  und Sichtbedingungen von den Schnee- und Eiseigenschaften über uns.

Die Spektren weisen auf jede Menge Leben im Meereis hin. Algen absorbieren einen Großteil des Lichts. Um genauer auf den Einfluss des Schnees auf dem Eis schauen zu können, schaufeln wir zusätzlich auf einem kleinen Feld den Schnee weg und messen dann nochmals. Am Ende des Tages haben wir viele Stunden Videomaterial und tausende von Lichtmessungen aufgezeichnet. Diese werden uns in den nächsten Wochen und Monaten gut beschäftigen.

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