Die Neumayer-Station
Antarktis +++ 70° 40’ S, 8° 16’ W +++ -6°C, bewölkt, leichte Brise aus Südwest +++
4. Jan. 2015
(von Peter Lemke)

Neben der Unterstützung von Forschungsprojekten hat Polarstern auf dieser Fahrt zusätzlich die Aufgabe, die 17 Kilometer von Schelfeisrand entfernte Neumayer-Station mit Nahrungsmitteln, Ersatzteilen und Treibstoffen für die kommende Überwinterung zu versorgen. Da wir wegen des dicken Festeises nicht an die normale Anlegeposition am Schelfeis herankommen, entladen wir die Container mit Nahrungsmitteln und Ersatzteilen auf das Meereis, das hier als Festeis, d.h. nicht driftendes Meereis, drei bis fünf Meter dick ist und daher die Gespanne aus Pistenbully und Schlitten mit 20-Fuß-Container ohne Probleme tragen kann. Nach einer halben Stunde erreichen die Gespanne die Rampe, die vom Meereis auf das Schelfeis hinaufführt. Dann dauert es noch eine weitere Stunde, bis sie die Neumayer-Station erreichen.

Im Gegensatz zu den beiden Vorgänger-Stationen, die im Schnee eingegraben waren und jedes Jahr eine weitere Schneelast von einem Meter tragen mussten, steht die Station Neumayer III auf einer Plattform auf Stelzen oberhalb der Schneeoberfläche. Die Stelzen werden je nach Schneefall regelmäßig hydraulisch angehoben. Unterhalb der Station liegt die Garage, die in den Schnee eingegraben ist. Dort befinden sich Werkstätten, Vorrats-, Abfall- und Tankcontainer und Stellplätze für Pistenbullys und Motorschlitten. Die Station selbst besteht aus 100 Containern für Wohnräume, Küche, Messe, Hospital, Labore, Funkraum, Sanitärräume, Energiezentrale und eine Schneeschmelze.

Neun Personen überwintern in der Station: ein Arzt, der auch der Stationsleiter ist, ein Meteorologe, ein Luftchemiker, zwei Geophysiker, ein Ingenieur, ein Elektriker, ein Funker und ein Koch. Die Überwinterer betreiben vier Observatorien:

  1. das meteorologische Observatorium, in dem regelmäßig synoptische Beobachtungen, Radio- und Ozon-Sondierungen und bodennahe Strahlungsmessungen durchgeführt werden;
  2. das Spurenstoff-Observatorium, in dem die Konzentrationen von Spurengasen und Staubpartikeln in der Luft gemessen werden.
  3. das geophysikalische Observatorium, in dem Erdbeben, Schwankungen des Magnetfeldes und die tidenabhängigen Bewegungen des Schelfeises beobachtet werden;
  4. das Ozeanakustik-Observatorium PALAOA (Perennial Acoustic Observatory in the Antarctic Ocean), das kontinuierlich die Unterwassergeräusche aufzeichnet, um das Verhalten von Walen und Robben zu untersuchen.

Viele der atmosphärischen Parameter werden seit 1981 registriert und archiviert und tragen zu dem WMO-Netzwerk Global Atmospheric Watch bei.
Im Winter 1989 habe ich bei einem Kurzbesuch von Polarstern aus die erste Neumayer-Station kennengelernt. Sie war damals schon acht Jahre in Betrieb und daher entsprechende Meter unter der Schneeoberfläche versunken.

Verglichen mit dieser kleinen Höhle bietet Neumayer III sehr viel mehr Möglichkeiten für die Wissenschaft, sie ist geräumiger und erlaubt auch eine große Zahl von zusätzlichen Forschungsprogrammen während der Sommermonate. Obwohl ich nie überwintert habe, so nehme ich doch an, dass das nun während eines halben Jahres üppig vorhandene Tageslicht in der Station eine positive Wirkung auf die Überwinterer hat.

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