Die Vermessung der Atkabucht

Atkabucht+++ 70° 32’ S, 08° 04’ W +++ -1,9°C, Sonnenschein und leichter Schneefall +++
01. Januar 2015
(von Sandra Schwegmann)

Seit sechs Tagen befinden wir uns, nur wenige Kilometer vor der Neumayer III Station, in der Atkabucht. Oder besser gesagt, kurz davor. Wie jedes Jahr um diese Zeit, versorgt Polarstern die Neumayer III Station mit Lebensmittel, wissenschaftlicher und technischer Ausrüstung sowie Treibstoff. Doch dieses Jahr ist der Weg dorthin nicht gerade leicht. Eine dicke Meereisdecke von 5 km Breite versperrt uns den Weg zum Schelfeisanleger, wo die Entladung von Polarstern normalerweise abgehandelt wird. Dieses sogenannte Festeis ist direkt am Schelfeis angefroren und verfügt auch über keine Risse und Spalten, die das Eisbrechen erleichtern würden.

Wir haben die Zeit genutzt um den dicken Meereisgürtel der Atkabucht zu vermessen, diese Messungen tragen auch zum Meereisprogramm bei, das von den Überwinterern der Neumayer Station ausgeführt wird (AFIN). Während einer Eisstation haben wir die Unterseite des Meereises und seine kleine Besonderheit, nämlich dem Plättcheneis, mit unserem ROV Siri untersucht. Plättcheneis entsteht wenn das Schelfeis an der Unterseite schmilzt und leichteres, weil süßes Schmelzwasser aufsteigt. Dabei kommt es zur Unterkühlung des Wassers und neue Eisplättchen können sich bilden. Diese lagern sich schließlich unter dem Meereis in Küstennähe an. Hier, unter dem Eis der Atkabucht, haben wir eine Plättcheneisschicht mit einer Dicke von 1 bis 3 m gemessen. Diese kommt zur „normalen" Meereisdicke von 3 bis 5 m hinzu. Obendrauf liegt dann nochmals bis zu 1 m Schnee. Alles in allem eine sehr dicke Eisschicht.

Wir haben auch die Gelegenheit genutzt, die Dicke des Meereises auf mehreren Skalen zu vermessen. Zum einen auf die herkömmliche Art, durch Bohrungen, aber auch mit einem elektromagnetischen Gerät (GEM), das wir auf einer Pulka, einem Schlitten, über das Meereis ziehen. Gezogen haben wir das GEM sowohl von Hand während unserer Stationsarbeiten als auch mit dem Skidoo. Insgesamt haben wir über 45 Profilkilometer über die Atkabucht zurückgelegt. Diese GEM-Transsekte folgen einem Gitter, das wir kurz zuvor mit unserer MAiSIE per Helikopter abgeflogen sind. Mit diesem Datensatz können wir vergleichen, welche Unterschiede bei beiden Messmethoden auftreten. Beide Instrumente erfassen die Dicke über einen unterschiedlichen Bereich, in dem die Messwerte gemittelt werden. Weitere Informationen auch hier.

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