Die erste Eisstation

Kurz vor dem antarktischen Kontinent +++ 68° 39’ S, 00° 03’ O +++ -5.4°C, bewölkt, 90% Eisbedeckung +++
23. Dezember 2014
(von Julia Ehrlich und Marcel Nicolaus)

„Morgen ist Eisstation", das war das Motto seit Mitte letzter Woche. Aber zunächst war das Meereis doch noch nicht stabil genug, um sicheres Arbeiten auf dem Eis zu ermöglichen; dann war es sehr nebelig, wir hatten nahezu „white out" Bedingungen; zwischendurch passte es nicht in den Stationsplan, denn solch große Stationen sollten zu „normalen" Tageszeiten stattfinden, aber dann passte am letzten Freitag Nachmittag alles. Unter den Blicken vieler gespannter Kollegen haben wir das Zodiac betreten, um einige hundert Meter entfernt auf einer Meereisscholle die erste Eisstation dieser Reise durchführen zu können. Bei dieser ersten kleinen Eisstation konnten wir in einer kleinen Gruppe von Meereisphysikern einige Daten über die Dicke des Meereises und des Schnees gewinnen. Ein guter Anfang und das Wetter hat sich gebessert, so dass am nächsten Morgen die erste große Eisstation folgen konnte.

Punkt um 11 Uhr am nächsten Tag setze auch ich (Julia) meinen Fuß das erste Mal auf antarktisches Eis. Die ausgewählte Eisscholle für unsere Station ist 1.20 m dick und viele Quadratkilometer groß. Neun Wissenschaftler werden nun über 10 Stunden lang auf dem Eis damit beschäftigt sein ihre Proben und Daten zu nehmen. Wir (Andre Meijboom, Giulia Castellani und Julia Ehrlich) sind drei davon und vor allem daran interessiert Eiskerne aus dem Eis zu bohren, die wir dann an Bord aufschmelzen, um physikalische und biologische Untersuchungen durchzuführen. Außerdem nehmen wir durch ein Eisloch hindurch Wasserproben und messen mit Strahlungssensoren wie viel Sonnenlicht durch das Meereis in den Ozean dringt. Für mich als Biologin ist vor allem die Mikrofauna interessant, die in den schmalen Eiskanälen des Eiskernes lebt.

Mit der Hilfe von Andre und Marcel, bohre ich meinen ersten Eiskern. Zusammen mit dem Kern hole ich einen einzelnen Krill aus dem Wasser, der wahrscheinlich nichtsahnend unter dem Eis gefressen hat. Typisch Biologen, freuen wir uns über den zufälligen Fang und nehmen ihn sogar mit in den Helikopter, der uns am Abend zurück auf die Polarstern fliegt. JAG (der Krill) ist nun unser Arbeitsgruppenglücksbringer und beschert uns hoffentlich noch viele erfolgreiche Tage. Erschöpft und glücklich landen wir wieder auf unserer 2. Heimat für die nächsten Wochen - so kann es weitergehen.

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