Aus einer anderen Welt

+++ 65° 04.4’ S, 0° 0.4’ W +++ Lufttemperatur -3°C +++ Zwischen dicht gepacktem Meereis und eisfreiem Wasser +++
18. Dezember 2014
(von Stefanie Klebe)

Lockere Eisbedeckung wechselt mit dicht gepackten Schollen. Wir haben einen Kurs durch eisfreiere Gebiete gewählt, um möglichst schnell zur nächsten Station zu gelangen. Doch ausgerechnet dort, wo es gilt, eine Verankerung, gespickt mit diversen Messinstrumenten, Sensoren und Auftriebskörpern, nach zwei Jahren Dienst zu bergen, finden wir eine weiße Fläche: Dicht an dicht drängen sich die anderthalb Meter dicken Meereisschollen und machen die Bergung der Verankerung zu einer unfreiwilligen Herausforderung. Das Hieven des mehre Kilometer langen Seils, an dem die zu bergenden Geräte befestigt sind, zieht sich bis in den Abend. Sich gegeneinander verschiebende Schollen, die Drift des Meereises und von Polarstern, Schneetreiben und eisiger Wind erschweren die Arbeit, sorgen aber für das gemeinschaftliche Gefühlt: Wir geben nicht auf, wir schaffen das. Am Ende des Tages haben wir trotz unangenehmer Bedingungen und einiger Schlaufen im Verankerungsseil den Großteil der Geräte und damit der einzigartigen Daten geborgen.

Bei unseren Bemühungen beobachten uns mehrere Krabbenfresserrobben, die sichtlich unbeeindruckt auf ihren Schollen ruhen. Sturmvögel nutzen das zum Teil eisfreie Wasser rund um das Schiff zum Fischen und schauen sich die bunten Schwimmkörper an, als könnten diese einen guten Fang für sie bedeuten.

In der Weite des Ozeans erscheint das Leben auf unserem Schiff wie ein ganz eigener Mikrokosmos. Nachrichten von außen bekommen wir regelmäßig, aber sie fühlen sich ein wenig so an als wären sie durch Watte gehört oder durch einen feinen Schleier gelesen. Die räumliche Distanz verschiebt die Wahrnehmung und das Empfinden von Dringlichkeiten. Die besonderen Gepflogenheiten an Bord tragen ebenfalls dazu bei, dass Arbeit und Alltag auf dem Schiff zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden.

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