Das erste Eis: Eisberge und Meereis

Im Meereis +++ 60° 30’ S, 0° 7’ O +++ -1,7°C, nebelig, Treibeisfelder mit circa 30 % Meereisbedeckung +++

14. Dezember 2014 (3. Advent)
(von Marcel Nicolaus)

„Endlich haben wir das Meereis erreicht" freuen sich viele an Bord, ganz besonders aber zwei Gruppen: Diejenigen, deren Forschung sich rund um das Meereis dreht, und diejenigen, die zum ersten Mal in die Antarktis reisen und höchst gespannt auf diese atemberaubende Kulisse gewartet haben. Seit vorgestern ist das Gefühl aufgekommen „wir sind in der Antarktis angekommen".

Am Freitagmorgen wurden wir bei strahlendem Sonnenschein mit einem großen Tafeleisberg quer ab wach. Die See war ruhig bei schwachem Wind und um das Schiff schwammen und tauchten Zügelpinguine. Seit gestern nun ist der Ozean zumindest teilweise gefroren und eine lose Decke weißen Meereises bedeckt den dunkelblauen Ozean. Wir durchfahren immer wieder Treibeisfelder aus Meereis während Satellitenbilder zeigen, dass die Meereisbedeckung in den nächsten Tagen noch deutlich zunehmen wird je näher wir der Schelfeiskante kommen (siehe auch aktuelle Meereiskarten). Zugleich haben wir auch den 60. südlichen Breitengrad überschritten. Ab hier gilt der antarktische Schutzvertrag, dem auch Deutschland im Jahre 1981 beigetreten ist. Es gelten besondere Umweltschutzrichtlinien, die auch unsere Forschungsarbeiten genehmigungspflichtig machen.

Mit dem Erreichen der Meereiskante beginnen heute auch verschiedene Mess- und Beobachtungsprogramme rund um das Meereis. Die ersten Daten werden durch stündliche Eisbeobachtungen von der Brücke erhoben. Hierbei werden Eigenschaften der Meereisbedeckung wie Eistypen, Eis- und Schneedicke und andere Charakteristika systematisch erfasst. Zugleich ist aber auch klar, dass das Meereis ein wesentliches Hindernis für unser Vorankommen mit Polarstern darstellen kann. Polarstern wird sich im wahrsten Sinne des Wortes den Weg durch das Eis brechen müssen. Davon wird niemand an Bord seekrank, aber Vorsicht vor unerwarteten Bewegungen des Schiffs ist geboten. Es wird einiges an Geschick, Erfahrung und Planung bedürfen, um einerseits die geplanten Stationen und Wegpunkte zu erreichen, andererseits aber auch alle geplanten Forschungsarbeiten durchführen zu können. Außerdem hat uns in der letzten Nacht die Agullhas II (siehe Blogeintrag aus Kapstadt) auf Ihrem Weg Richtung Neumayer III passiert also wir auf Station lagen. Die Vorbeifahrt haben nur die Wenigsten an Bord wahrgenommen, obwohl es eigentlich schon etwas Besonderes ist, da man in diesen Breiten nur andere Schiffe sieht.

Bildergalerie