Auf dem Greenwich Meridian

Antarktischer Zirkumpolarstrom +++ 54° 30’ S, 0° 0’ O +++ -1,1°C, teils sonnig, teils bewölkt und Windstärke 8 +++
11. Dezember 2014
(von Peter Lemke)

Seit gestern fahren wir begleitet von stürmischem Wind entlang des Greenwich Meridians nach Süden. Auf den nächsten knapp 800 Seemeilen werden wir das Weddellmeer zum antarktischen Kontinent hin durchqueren und unter anderem ein ozeanografisches Messprogramm durchführen, in dem wir mit dem Kranzwasserschöpfer das Temperatur- und Salzgehaltsprofil bis zum Ozeanboden messen und Wasserproben in verschiedenen Tiefen nehmen. Das Weddellmeer gehört zu den wichtigsten Gebieten, in denen ozeanisches Tiefen- und Bodenwasser erzeugt wird. Klimaforscher und Ozeanographen interessiert vor allem, wie sich diese Wassermassen im Verlaufe der Zeit verändern. Dafür wurde der hydrographische Schnitt entlang des Nullmeridians seit 1992 mehrmals wiederholt. In diesem Jahr wird er zum zehnten Mal durchmessen, und wir sind gespannt, ob sich die Änderungen, die wir in den vergangenen Jahren gesehen haben, fortsetzen werden.


Wichtigstes Hilfsmittel für unsere Untersuchungen ist die so genannte CTD/Rosette, ein Kranzwasserschöpfer, der aus einem zylinderförmigen Gestell besteht, in dessen Mitte sich Sensoren für Temperatur, Salzgehalt und Druck befinden. Zusätzlich angebracht sind ein Trübungsmesser, eine Sauerstoffsonde und ein so genanntes LADCP (Lowered Acoustic Doppler Current Profiler), mit dem die Strömung des Meerwassers über die gesamte Wassersäule gemessen werden kann. Außen am Gestell hängt ein Kranz von 24 Wasserschöpfern: etwa 1m lange und 20 cm dicke Kunststoffröhren. Mit einem Seekabel (maximal 8000 m lang) wird die CTD/Rosette bis auf den Meeresboden abgesenkt (gefiert), wobei vertikale Profile der ozeanischen Messgrößen erfasst werden. Auf dem Weg nach oben, dem Hieven, werden die Wasserschöpfer in verschiedenen Tiefen geschlossen, so dass Proben der einzelnen übereinander liegenden Wassermassen an Bord kommen und mit verschiedenen Methoden auf ihren Gehalt an Spurenstoffen und biologischen Komponenten untersucht werden können.

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