Zwischen den Fronten

45° 45‘ S, 6° 5‘ O +++ 6,9°C, sonnig, ruhige See +++
07. Dezember 2014
(von Sacha Viquerat)

Die Polarstern rückt stetig ihrem natürlichem Habitat entgegen und spürt bereits die ersten Boten aus den eisigen Gefilden jenseits von 60°S. Die Lage zwischen zwei Tiefs über Gough und Bouvet Island beschert uns an diesem Tag wunderbar klares Wetter mit vergleichsweise niedriger Dünung und guten Sichtbedingungen. Optimale Voraussetzungen also, erste systematische Walbeobachtungen zu machen. Eine den verwunderten Blicken der Besatzung trotzende Gruppe hochmotivierter marine-mammal-observer des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (ITAW) steigt daher um 6 Uhr morgens in dicken Jacken die anspruchsvolle Leiter in das Krähennest zur ersten Schicht des Tages hinauf. Hier oben, aus etwa 26 Metern Höhe, haben die Beobachter eine nahezu ungehinderte Sicht auf den Bereich um das Schiff. Am Ende des Tages haben wir die ersten Sichtungen von Finnwalen (Balaenoptera physalus) und Stundenglasdelphinen (Lagenorhynchus cruciger) in unserer Datenbank. Wir sind müde, aber auch zufrieden und spekulieren schon jetzt mit Vorfreude über die zukünftigen Ergebnisse.

Durch unser Rotationsprinzip wechselt das Team auf dem Krähennest nach einer 1,5 stündigen Schicht komplett und wirft sich dann möglichst elegant in die von Heliservice auf der Polarstern bereitgestellten Überlebensanzüge und besteigt den bereit stehenden Helikopter. Durch das gute Wetter konnte so unser Equipment und Setup während insgesamt drei Testflügen auf Herz und Nieren geprüft werden und jeder Beobachter konnte eine für ihn angenehme Sitzposition finden, was bei etwa zweistündigen Zählflügen über dem antarktischen Ozean ein nicht unwesentliches Detail darstellt. Schon bei den Testflügen wurde uns durch eine Sichtung eines Schwertwals (Orcinus orca) ein Eindruck gegeben, was uns in den kommenden Wochen vor allem in den eisreichen Gebieten erwarten wird.

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