Eine Fahrradtour ins Eis

Südatlantik +++ 43° 59’ S, 7° 39’ O +++ 8°C, Sonnig und Windstärke 5 +++
07. Dezember 2014
(von Hauke Flores)

Langsam, ganz langsam streckt die Antarktis ihre eisigen Finger nach uns aus. Bis vorgestern war unsere Reise von frühlingshaftem Wetter gekennzeichnet. Wir hatten zwar einen Sturm, als wir Kapstadt verließen, aber bei 20°C Lufttemperatur nimmt man dem Sturm seine wilde Garstigheit nur schwer ab. Das Schiff macht etwa 2-mal pro Tag Station, um Tiefenprofile der physikalischen Eigenschaften des Meerwassers zu messen, und um Verankerungen aufzunehmen. Dies dauert jeweils mehrere Stunden, so dass unsere Reisegeschwindigkeit in die Antarktis am ehesten zu vergleichen ist mit einer Fahradtour zum Nordkap.

Die langsame Annäherung an das Zielgebiet kommt unserer Gruppe sehr zupass. Wir haben viel vor, wenn wir das Meereis erreicht haben und sind vollauf mit den Vorbereitungen beschäftigt. So sind 4 Labore einzurichten und 2 große Fischnetze aufzubauen und zu testen. Das dauert seine Zeit, schließlich ist alles in Einzelteilen in Kisten verstaut.

Im Gegensatz zur Fahrradtour zum Nordkap ist das Landschaftsbild auf dieser Reise eher monoton. Das Betrachten des Ozeans lohnt sich jedoch immer. Die Vogelliebhaber an Bord kommen voll auf ihre Kosten; die Anwesenheit großer Albatrosse kündigt die Nähe antarktischer Gewässer unmissverständlich an. Daneben werden dann und wann Wale gesichtet. In nördlicheren Gewässern trafen wir sogar auf eine große Meeresschildkröte. Die Anwesenheit großer charismatischer Wirbeltiere zeugt von noch ganz anderen, bizarren Lebensformen in der unergründlichen Tiefe. Aber davon ein andermal.

Nun sind unsere Vorbereitungen beinah abgeschlossen. Doch zwischen uns und dem heiß ersehnten Meereis liegt noch ein Hindernis: Ein gewaltiges Sturmtief, dass sich südlich von uns auf unseren Kurs zubewegt. Lufttemperatur: Kalt. Wirklich garstig. Wind kann wirklich lässtig sein beim Fahrradfahren.

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