Ein spezieller Ballon – Meteorologische Beobachtungen an Bord Polarstern

Quelle: blogs.helmholtz.de/polarstern/

15. Juni 2015
Fokje Schaafsma, Hauke Flores and Anna Nikolopoulos

Die heftigen Winde der letzten Tage haben die Arbeiten auf dem Schiff und auf dem Eis verkompliziert. Man muss nicht nur permanent ein Auge auf das Equipment werfen, um es vor dem Abflug zu bewahren, der Wind senkt auch die gefühlte Temperatur gewaltig. Die Leute, die zum Arbeiten aufs Eis gehen, ziehen sich eine Extralage Klamotten an und bedecken so viele freiliegende Körperstellen wie irgend möglich. Auch einige vom Schiff aus einzusetzende Geräte sind entweder zu schwer oder zu leicht, um sie bei starkem Wind einzusetzen. Dementsprechend spielt neben den Eisbedingungen auch das lokale Wetter eine entscheidende Rolle, denn es bestimmt, ob wir unsere Arbeiten wie geplant durchführen können.

Starke Winde sind im Frühsommer in der Arktis nicht sehr verbreitet: „Die Arktis ist ein Grab für Tiefdruckgebiete“, erklärt Wettermann Max Miller, „die Tiefdruckgebiete sterben in diesen hohe Breiten ab.“ Weil das Wetter ein so wichtiger Faktor ist, gibt es zwei Meteorologen an Bord der Polarstern. Sie versorgen Kapitän und Nautiker, Helikoptercrew und Fahrtleitung permanent mit aktuellen Informationen. In den abendlichen Meetings bekommen alle die Wettervorhersage, um sich auf den kommenden Tag vorbereiten zu können.

Heute hat Hartmut Sonnabend Geburtstag, der zweite Wettermann, der bereits seit dem Jahr 1987 auf der Polarstern arbeitet. Täglich um zwölf Uhr mittags lässt er einen Wetterballon aufsteigen. Dieser trägt Sensoren, die Luftdruck, Temperatur sowie Luftfeuchtigkeit, Windrichtung und –geschwindigkeit bei seinem etwa zweistündigen Aufstieg in den Himmel messen und zu uns senden. Wenn er ungefähr 35 Kilometer Höhe erreicht hat, platzt der Ballon und das tägliche Profil der Atmosphäre endet. Die Messgeräte selber sind dann abgeschrieben. „Einmal landeten die Überbleibsel des Wetterballons tatsächlich wieder direkt auf dem Deck, nachdem sie aus 28 Kilometern Höhe heruntergefallen waren“, erinnert sich Hartmut. Die Daten des Ballons werden in Echtzeit zum Schiff gesendet und an Bord dafür genutzt, das lokale Wetter und die Entwicklung der Meereisbedingungen rund ums Schiff abzuschätzen. Das Wichtigste ist jedoch, dass diese Messdaten in globale meteorologische Modelle eingespeist werden, die entscheidend für die weltweiten Wettervorhersagen sind.

Wir hatten auf unserer Fahrt bisher sehr wechselndes Wetter: Manchmal lassen tief hängende Wolken kombiniert mit Schneefall und dem Eis die Welt komplett weiß erscheinen. An anderen Tagen scheint die Sonne durch die Wolken und zeigt uns spektakuläre Wolkenbilder. Glücklicherweise hat der Wind seit gestern abgenommen, so dass die Arbeitsbedingungen wieder besser sind. Wir sind uns alle einig, dass das Wetter zwar vorhergesagt werden kann, wir aber nichts dagegen unternehmen können.

Impressionen