Wir lassen die Arktis hinter uns – Von Polardorschen und Heimkehr

Quelle: blogs.helmholtz.de/polarstern/

26. Juni 2015
Shannon MacPhee, Meri Korhonen, and Kirstin Werner

Nur noch ein paar Tage, wir nähern uns dem Ende der Expedition. Letzten Mittwoch haben wir bereits den offenen Ozean erreicht und somit die Eiskante hinter uns gelassen. Auf unserem Weg nach Süden haben wir eine Region mit ziemlich vielen Robben durchquert und einige von uns hatten auch das Glück, Wale zu sehen. Dienstag hatten wir unsere letzte Station: Seitdem sind alle mit Packen und dem Reinigen der Labore beschäftigt. Die leeren Labore sehen irgendwie merkwürdig aus.

Viele von uns müssen ihre Proben und Daten in den Heimatinstituten analysieren. Wir haben uns trotzdem umgehört, was die Leute in den letzten Wochen Spannende entdeckt haben. Viele hatten sich vorgestellt, dass wir mitten in die Schmelzsaison fahren und waren daher erstaunt, wie hart die Eisbedingungen waren. Beispielsweise haben wir in unserem Untersuchungsgebiet keine Schmelztümpel vorgefunden. Außerdem haben wir bis zum 19. Juni noch neugebildetes, sogenanntes graues Eis angetroffen. Andererseits war die durchschnittliche Dicke des Eises in der Framstraße mit 1,4 Metern im Frühjahr so gering, wie sonst am Ende des Sommers. Eine weitere Info aus der Meereisphysik: Mit dem Unterwasserroboter hat das Team „Breiszapfen“ an gefilmt, das sind Eiszapfen die unter dem Meereis in die Tiefe ragen. Namensgebend ist der englische Begriff brines, also Sole, die entsteht, wenn beim Gefrierprozess extrem salziges Wasser aus den Eisschollen austritt und im geringer salinen Wasser darunter gefriert. Ebenfalls extrem spannend: Mit dem bordeigenen Fächerecholot konnten wir Kratzspuren von Eisbergen am Meeresgrund finden.

Viele von uns müssen ihre Proben und Daten in den Heimatinstituten analysieren. Wir haben uns trotzdem umgehört, was die Leute in den letzten Wochen Spannende entdeckt haben. Viele hatten sich vorgestellt, dass wir mitten in die Schmelzsaison fahren und waren daher erstaunt, wie hart die Eisbedingungen waren. Beispielsweise haben wir in unserem Untersuchungsgebiet keine Schmelztümpel vorgefunden. Außerdem haben wir bis zum 19. Juni noch neugebildetes, sogenanntes graues Eis angetroffen. Andererseits war die durchschnittliche Dicke des Eises in der Framstraße mit 1,4 Metern im Frühjahr so gering, wie sonst am Ende des Sommers. Eine weitere Info aus der Meereisphysik: Mit dem Unterwasserroboter hat das Team „Breiszapfen“ an gefilmt, das sind Eiszapfen die unter dem Meereis in die Tiefe ragen. Namensgebend ist der englische Begriff brines, also Sole, die entsteht, wenn beim Gefrierprozess extrem salziges Wasser aus den Eisschollen austritt und im geringer salinen Wasser darunter gefriert. Ebenfalls extrem spannend: Mit dem bordeigenen Fächerecholot konnten wir Kratzspuren von Eisbergen am Meeresgrund finden.

Auf der letzten Eisstation haben wir dann noch einen Schmelztümpel beproben können, in dem wir auch die Alge Melosira acrtica gefunden haben. Das Spurengas-Team war überrascht, dass diese Alge scheinbar kaum Dimethylsulfide (DMS) emittiert hat, welche für die Wolkenbildung und somit auch für Wetter und Klima. Andere Algen der Gattung Phaeocystis haben im Gegensatz dazu viel DMS freigesetzt. Das Spurengas-Team hat, ebenso wie andere Gruppen, jede Menge Eis geschmolzen und das Wasser filtriert, um mehr darüber zu erfahren, wie der Schnee im arktischen Meereis genau zusammengesetzt ist. Sie erwarten bei den heimatlichen Analyse große Mengen an Ruß („black carbon“)zu finden, denn die Filter sind dunkel. Black Carbon entsteht bei natürlichen oder anthropogenen Verbrennungsprozessen. Sein Nachweis im arktischen Schnee könnte darauf hinweisen, dass es weit über die Atmosphäre transportiert wurde und aus Gegenden mit natürlichen Waldbränden aber auch durch industrielle Verschmutzung in den hohen Norden gelangt.

Die Nahrungsnetz-Ökologen waren begeistert, dass sie einen Laternenfisch in einer Tiefenwasserprobe gefunden haben. Außerdem in ihren Fängen mit dem SUIT und dem RMT: wunderschöne „Meeresengel“ (sea angel, die im Deutschen leider nur Ruderschnecken heißen), geisterhafte Meeresschnecken und Seeschmetterlinge (Pteropoden). Außerdem war das Team total glücklich darüber, dass mehrere Polardorsche ins Netz gingen. Einer von ihnen wurde lebend im Aquarium gehalten. Viele Expeditionsteilnehmer haben ihn besucht – und schnell eine persönliche Beziehung zu ihm aufgebaut. So wurde der Fisch namens Cindy bald zum neuen Passagier auf Polarstern. „Der Polardorsch ist eine von zwei Fischarten, die sehr gut an den Leben unter dem Meereis angepasst sind,“ erklärt AWI-Biologe Hauke Flores. Cindy wurde mit Copepoden gefüttert. Zum Entsetzen einiger besonders mitfühlender Expeditionsteilnehmer endete Cindy als Probennummer im Gefriergut für spätere Analysen.

Mit solch gemischten Gefühlen verlassen wir nun den Arktischen Ozean. Obwohl es zeitweise stressig war, sind wir mit der Zeit in eine gute Arbeitsroutine entwickelt und uns sogar an Bord zu Hause gefühlt. Sechs Wochen auf einem Forschungseisbrecher im arktischen Meereis zu verbringen war großartig – und für einige von uns vielleicht eine im wörtlichen Sinne einmalige Gelegenheit. Neben den wissenschaftlichen Ergebnissen nehmen wir jede Menge Erinnerungen mit. Die wunderschönen Farben des Eises lassen wir jetzt hinter uns und freuen uns auf Familien und Freunde sowie darauf, auf Sommer-Modus in mittleren Breiten umzuschalten mit grünem Gras, Flipflops und vielleicht auch Erdbeeren!

Impressionen