Reparieren und "Tricksen"

Quelle: blogs.helmholtz.de/polarstern/

19. Juni 2015
Shannon MacPhee, Meri Korhonen, Kirstin Werner

Gestern haben wir unserer letzten Eisstation zum Abschied zugewunken, die achte die wir während unserer Fahrt besuchten. Während wir auf dem Eis oder an Bord der Polarstern ar-beiteten, mussten wir immer wieder kreative Lösungen finden, die uns halfen, die Ziele unserer Messungen zu erreichen. Nicht nur für die Instrumente an sich, die als solche natürlich ziemlich innovativ sind, sondern vor allem für das Reparieren und "Tricksen", damit die Dinge und Routinen auf dem Eis und auf dem Schiff funktionierten. Oder einfach Sachen ausbessern, die kaputt gehen oder ausfallen. Wenn Ersatzteile nicht funktionieren, ist es wahrscheinlich eine ausgewogene Mischung aus Können, Ideenreichtum und Zusammenarbeit, die den Tag retten kann und ein „Unglück“ in Erfolg verwandelt.

Bis jetzt sind wir glücklich, dass wir kein Instrument vollständig verloren haben, auch wenn es schon eine Anzahl an kleineren oder größeren Prüfungen gegeben hat.

Das SUIT (Surface and Under Ice Trawl) hat beispielweise einige Abenteuer überstanden. Das Schleppnetz wird zum Fischen direkt unter dem Eis genutzt, was alles andere als reibungslos funktioniert. Der Eisenrahmen des Netzes ist stark, aber nicht immer so stark wie es das Eis sein kann, sodass es nicht unüblich ist, dass der Rahmen während des Fischens beschädigt wird. Zum Glück gehört Michiel zum Team, der als Metallarbeiter von etwas verbogenem Eisen nicht eingeschüchtert wird und immer in der Lage ist, mit Hilfe der Schiffscrew, den Rahmen zu reparieren. Etwas Schneiden, Biegen und Schweißen lassen das SUIT wie neu aussehen. Beim letzten Fang gab es für das Team eine andere Überraschung. Ein enormer Eisblock wurde durch das SUIT eingefangen und beim Einziehen mit an Bord gebracht.. Es war nicht einfach, den schweren, großen Block loszuwerden, aber mit Hilfe von fließendem Wasser und einigen Hämmern wurde der Block schließlich in bearbeitbare Stücke zerkleinert.

Unsere Sedimentfalle hat auch eine Anzahl von Prüfungen überstanden, während wir die beste Arbeitsmethode für uns entwickelt haben. Die Falle hängt während unseren 24-Stunden-Eisstationen im Wasser, um Material, dass von der Oberfläche zum Boden sinkt, wie beispielsweise tote Algenzellen oder winzige Kotteilchen von kleinen Tieren, zu sammeln. Es mag seltsam wirken, dass diese Dinge gesammelt werden, aber tatsächlich stellen sie eine wichtige Nahrungsquelle für viele Organismen dar, die in der Tiefe des Ozeans leben. Als der ursprüngliche Plan, die Falle an Rand des Eis anzubringen aufgrund der Strömung als zu riskant angesehen wurde, mussten wir ein Loch ins Eis bohren, damit die Falle von dort aus arbeiten konnte.  Um sie abzusichern, wurde ein hölzernes Stativ gebaut, und für jede Eisstation kamen Leute mit Ideen, die die Arbeit leichter machten, wie beispielsweise das Hinzufügen eines Blocks, was das Stativ mit jedem Male  komplexer macht.

Als das FerryBox System des Schiffs zusammengebrochen ist, sprangen wir alle mit zusätzlichen Sensoren ein, um das Sammeln der Daten weiterfortführen zu können, bis die Pumpe wieder repariert war. Die FerryBox ist ein Apparat für die kontinuierlichen Messungen von Eigenschaften des Oberflächenmeerwassers wie beispielsweise Temperatur, Salinität und Chlorophyll-a. Chlorophyll-a ist ein Pigment, das Algen für die Photosynthese benutzen; das gleiche, dass auch Bäume haben und das ihren Blättern die grüne Farbe gibt. Die Menge von diesem Pigment, die im Wasser vorhanden ist, gibt einen Hinweis über die vorhandene Menge Algen. Als die Messapparatur des Schiffs kaputt ging, wurde das Wasser vom Oberflächenzulauf durch den Schiffskörper direkt in einen Eimer gepumpt, der mit den verfügbaren Instrumenten unserer vielen Gruppen verbunden war und die Messungen konnten so fortgesetzt werden. Ein Eimer klingt nun nicht besonders ausgeklügelt, aber das heißt ja nicht, dass er nicht funktionieren kann. Üblicherweise wird ein Problem an Bord des Schiffs schnell von der Crew, bestehend aus Technikern, Elektrikern und Ingenieuren, repariert. Sie sorgen immer dafür, dass nicht nur die Schiffsmaschinen und die Ausrüstung einwandfrei funktionieren, sondern arbeiten auch hart damit unsere kleinen „Unglücke“ in Erfolge verwandelt werden.

Impressionen