Dem Meereis auf der Spur

+++ Position -74° 00 'S , -35° 43 'W +++ -12° C Lufttemperatur +++ heiter +++
3. März 2014

Angestrengt schauen wir auf das Meereis unter uns. Irgendwo hier muss die Scholle sein, auf der wir vor etwa einer Woche ein ganzes Set an Bojen als Teile eines großen Bojenarrays ausgebracht haben. Ein großangelegtes Projekt, bei dem wir an einem Tag auf der zentralen Station eine Schneeboje, eine Eismassenbilanzboje, eine CTD-Boje (CTD= Conductivity, Temperature, Depth) und einen Strömungsmesser aufs Meereis gesetzt haben. Diese Zentralstation ist  in einem Umkreis von 30 km umgeben von einem Array aus sechs weiteren Bojen, die Positionsänderungen der Meereischollen messen.

Mit diesem Array werden wir verschiedene Eigenschaften untersuchen: Die Bojen der Zentralstation liefern Informationen zum thermodynamischen Wachstum der Scholle und zur Veränderung der Schneedecke. Außerdem messen unsere Bojen physikalische Eigenschaften des Ozeans, wie den Salzgehalt, die Temperatur und die Meeresströmung unter dem Eis, und übertragen den Zustand der Atmosphäre. Damit hilft die Zentralstation die Interaktionen zwischen Atmosphäre, Meereis und Ozean besser zu verstehen.

Der äußere Kreis, bestehend aus den sechs Positionsbojen, nutzen wir um die Dynamik des Meereises, also die Bewegung einzelner Schollen, sowie die Deformationsprozesse innerhalb des Arrays zu untersuchen. Diese Daten dienen aber noch einen weiteren Zweck: Aus dem All verfolgen wir das Bojenarray mit Hilfe von Satellitenaufnahmen. Zwar können wir die Bojen auf den Aufnahmen trotz der hohen Auflösung von nur wenigen Metern nicht sehen, aber da sie regelmäßig ihre Position übermitteln wissen wir immer genau wo sie sind, und können somit das Eisfeld um das Bojenarray herum mit Satelliten verfolgen. Aus Veränderungen bestimmter Strukturen im Eis zwischen zwei aufeinanderfolgenden Satellitenbildern können wir die Driftgeschwindigkeiten des Eisfeldes um die Bojen herum bestimmen. Dieses Driftfeld wird dann mit den Bojendaten verglichen. Zum einen Gewinnen wir so Informationen über die Genauigkeit der aus Satellitendaten ermittelten Drift des Eises.  Zum anderen dient der Vergleich dazu herauszufinden, in wie weit Prozesse wie Gezeiten, die in den zeitlich hochaufgelösten Bojendaten ersichtlich sind, herausgefiltert werden, wenn der Zeitabstand zwischen zwei Satellitenbildern zu groß wird. Am Ende erhalten wir so die Möglichkeit Informationen zur Driftgeschwindigkeit über weitaus größere Gebiete zu erlangen, als es mit Bojen möglich wäre. Doch diese Arbeiten werden von zu Hause aus erledigt. Zunächst müssen wir vor Ort eine kleine Reparatur an eine der ausgebrachten Bojen vornehmen. Da taucht die Station vor uns auf als fast schon unscheinbarer Punkt in der ansonsten weißen Landschaft. Wir landen und stellen fest, dass unser Messfeld nach nur sechs Tagen schon fast wieder unberührt aussieht. Schnell nehmen wir die geplante Reparatur vor, ohne die anderen Messungen zu stören, dann geht es wieder zurück zum Schiff. Aber wir werden das Array nicht aus den Augen lassen, mit den Satellitenaufnahmen werden wir es noch eine ganze Weile weiter verfolgen.

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