Wieder auf dem Eis: Meereisbojen messen physikalische Parameter
+++ Position 77°34’ S, 38°55’ W +++ -7.3 °C Lufttemperatur +++ heiter bis wolkig, mäßige Brise +++
2. Februar 2014

Ein paar Sonnenstrahlen scheinen durch die Wolke, eine unbeschreibliche Stille macht sich breit. Wir stehen auf einer Meereischolle mitten im Südlichen Ozean und schauen dem Helikopter hinterher. Er fliegt zurück zu Polarstern, um weiteres Material zu holen. Denn wir sind dabei, Meereisbojen auf dem Eis zu installieren.

Auf unserer Scholle werden wir eine Kombination aus Schneeboje und Eismassenbilanzboje ausbringen. Die Sensoren der Schneeboje messen ihren Abstand zur Schneeoberfläche. Durch die Veränderung dieses Abstandes erhalten wir die Veränderungen der Schneedicke. Deshalb notieren wir nach dem Aufbau die aktuelle Schneedicke, um einen Referenzwert zu erhalten. Die Eismassenbilanzboje besteht dagegen aus einer Kette von Thermistoren, welche die Temperatur und die Wärmeleitfähigkeit messen. Diese Kette lassen wir durch ein Loch im Eis, das in Kürze wieder zufrieren wird, bis in den Ozean hängen. Aus den Daten können wir dann daheim analysieren, ob das Umgebungsmaterial Luft, Schnee, Eis oder Wasser ist. Mit dieser Information können wir die Eisdicke ermitteln. Unsere Bojen werden so in den nächsten Monaten Veränderungen in der Eisdicke und Schneeauflage messen. Und das in einer Region, in der es bislang nahezu keine derartigen Daten gibt: Im Ausflusssystem des Filchner-Schelfeises, im südlichen Teil des Weddellmeeres. Zurzeit können die Eisdicke und die Schneebedeckung nur begrenzt genau aus Satellitendaten bestimmt werden, und somit sind diese Meereiseigenschaften weitestgehend unbekannt in dieser nur sehr selten befahrenen  Region.

Unsere zwei Bojen sind Teil eines Netzwerks, das sowohl auf dieser Expedition als auch in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden soll. Bereits vor einem halben Jahr wurden die ersten Bojen zur Messung der Schnee- und Eisbedingungen im nördlichen Weddellmeer ausgebracht. Die Bojen der jetzigen Fahrt ergänzen die Daten in weiteren Regionen zu anderen Jahreszeiten. So wollen wir analysieren, wie sich die Eis- und Schneeeigenschaften regional und saisonal verändern. Das ist wichtig um den aktuellen Zustand des Meereises zu beschreiben und um zu untersuchen wie sich die Meereidicke und auch die Schneeauflage im Zusammenspiel mit dem Ozean und der Atmosphäre verhalten. Nur so können wir mögliche Veränderungen der Meereis- und Schneeeigenschaften und deren Folgen für das hiesige Ökosystem realistisch abschätzen.

Der Helikopter kommt zurück, wir beenden unsere Arbeiten und machen noch ein letztes Foto von unserem Messfeld. Dann fliegen wir zurück zum Schiff und lassen unsere Boje im südlichen Eismeer zurück, in der Hoffnung, dass die Scholle den Sommer übersteht, damit wir möglichst lange Datenzeitreihen erhalten.

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