Dem Filchner-Ausfluss-System auf der Spur
+++ Position 66° 00’ S, 02° 00’ W +++ -1.4° C Lufttemperatur +++ wolkig, nur leichter Seegang +++
28. Dezember 2013

Seit mehr als einer Woche sind wir nun auf See. In dieser Zeit haben wir Labore aufgebaut, Gerätschaften vorbereitet und Weihnachten gefeiert. Doch bis wir unser Hauptuntersuchungsgebiet erreichen, wird noch ein wenig Zeit vergehen, denn wir wollen das südlichste Gebiet im Weddellmeer erreichen: Das Ausflussgebiet des Filchner Eisschelfs.

Dieses Gebiet gilt als eines der wichtigsten Regionen für Boden- und Tiefenwasserbildung und weist trotz seiner Entfernung zur Meereiskante eine verhältnismäßig große biologische Aktivität auf. Deshalb haben sich 52 Wissenschaftler an Bord Polarstern zusammengefunden, um im Filchner-Ausfluss-Gebiet die Hydrography, Biologie, Meeresbodentopographie und Meereismassenbilanz zu untersuchen.

Mit einem umfangreichen Stationsplan werden wir im Hauptuntersuchungsgebiet die chemischen und physikalischen Eigenschaften des Meereswassers von der Oberfläche bis hin zum Meeresboden untersuchen. Dazu nehmen wir mit einem Kranzwasserschöpfer Wasserproben in mehreren Tiefen und analysieren sie anschließend in Laboren an Bord oder nach der Fahrt. Die Daten können wir dann mit früheren Messungen vergleichen  und somit Unterschiede ermitteln, die uns zu verstehen helfen, welchen Einfluss eine Klimaänderung auf die Hydrographie im Filchner-Ausfluss-Gebiet haben könnte.

Da das Meereis sowohl Einfluss auf die Bildung von Tiefen- und Bodenwasser hat, als auch ein wichtiger Faktor für biologische Aktivität und Vorkommen darstellt, werden wir mit Hilfe von autonomen Bojen untersuchen, wie sich die Meereisdicke, die Bewegung und die Schneeauflage saisonal verhält und verändert. Außerdem werden wir optische Messungen durchführen um herauszufinden, wie viel Licht durch das Meereis dringt und somit für biologische Aktivität unter dem Eis zur Verfügung steht.

Die Lichtmenge die durch das Eis dringt ist nämlich einer der wichtigsten Faktoren für die Bildung von Phytoplankton, also Algen unter dem Eis, die am untersten Ende der Nahrungskette stehen. Diese sogenannte Primarproduktion und die Fortführung der Nahrungskette über Zooplankton, pelagische Fische bis hin zu den Robben als Topprädatoren in dieser Region, werden wir im Filchner-Ausfluss-System ebenfalls untersuchen. Dazu werden wir das Vorkommen und die Verteilung von zum Beispiel Phytoplankton und Fischen wie dem Silberfisch, der für Säugetiere eine wichtige Nahrungsquelle darstellt, studieren. Aber auch dem Migrations- und Ernährungsverhalten von den Topprädatoren dieser Region, den Seeelefanten, wollen wir auf den Grund gehen.

Unser interdisziplinär angelegtes Forschungsvorhaben dient schlussendlich dazu zu verstehen, wie sich die hydrologischen Eigenschaften in dieser Region bei Klimaänderungen in der Antarktis verhalten werden und welchen Einfluss das auf das Schelfeis-, Meereis- und Ökosystem haben wird.