Facetten eines Presseisrückens
+++ Position 59° 58’ S, 33° 37’ W +++ Lufttemperatur bei -17,2°C +++ Wind 3,4 m/s +++ Die erste große Eisstation
10. September 2013

Die erste große Eisstation ist zu Ende gegangen. Für acht Tage hatte Polarstern an der letzten Eisscholle festgemacht. Am Sonntag zeigten sich dann jedoch erste Risse und wir mussten uns wieder auf den Weg machen. Wir haben während der acht Tage sehr viel Zeit auf dem Eis verbracht und viele Daten gesammelt. Unter anderem haben wir mit unserem Eisdickensensor, der auf einem Schlitten befestigt ist, viele Meter durch tiefen Schnee zurückgelegt und Eisdicken erfasst.

Um die Genauigkeit unseres Eisdickensensors über deformiertem Eis zu verbessern, haben wir uns eine Stelle gesucht, an der zwei Eisschollen aneinander gedrückt wurden (Presseisrücken). Dort haben wir Löcher in einem Abstand von einem Meter in drei parallelen Linien quer über solch einen Presseisrücken gebohrt, den wir vorher mit dem Sensor bemessen haben. Wir haben die Eisdicke gemessen, aber auch Zwischenschichten mit Wassereinschlüssen. Außerdem haben wir dazu die Schneedicke und das Freibord (Höhe der Eisoberfläche über dem Meeresspiegel) bestimmt. Um die Bohrungen durchzuführen mussten teilweise bis zu 1,8 m Schnee geschaufelt werden. Am Ende glich unser Messgebiet einer Ausgrabungsstätte.

Nebenstehende Abbildung zeigt erste Ergebnisse unseres Bohrprogramms. Man erkennt, dass an einigen Stellen die Eisoberfläche (Freibord) unter dem Meeresspiegel liegt, was dazu geführt hat, dass wir teilweise bis zu 60 cm mit den Stiefeln im Wasser standen. Der Grund dafür ist die hohe Schneeauflage, deren Gewicht das Meereis nach unten drückt. Ebenfalls erkennbar sind die vielen Wassereinschlüsse. Dies zeigt, dass ein Presseisrücken keineswegs ein homogener Eisblock ist, sondern sehr komplexe Strukturen aufweist, mit mehreren Schichtungen und Wassereinschlüssen. Die gesammelten Daten können nun mit den Messungen des Eisdickensensors verglichen werden.

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