Polarsternexpedition ANT-XXIX/6

Mitten im antarktischen Winter quer durchs Weddellmeer: Am 8. Juni 2013 startete ein internationales Forscherteam unter der Fahrtleitung von Prof. Dr. Peter Lemke zu einer der seltenen Winterexpeditionen. Ein interdisziplinäres Forschungsprogramm in Atmosphäre, Meereis, Ozean und Ökosystem steht im Mittelpunkt der Fahrt, um die physikalischen und biogeochemischen Eigenschaften und Prozesse während der Meereiswachstumsphase besser zu verstehen. Es ist die erste antarktische Winterexpedition seit 2006. Eisige Temperaturen von bis zu minus 40 Grad, Schneestürme und schwere Eisbedingungen sowie die wochenlange Dunkelheit der Polarnacht erwarten die Forscher.

Berichte und Fotos

Polarstern – Dank an den Käpt’n und seine Crew
08. August 2013

65 Tage und Nächte auf See – Staunen und Freude. Schwere Eisfahrt, tagelanges Driften, hoher Eisdruck, dann wieder günstige Winde, die dichte Eisfelder auflockerten und den Weg zwischen den Schollen freigaben – Dank an Kapitän Uwe Pahl und seine Offiziere auf der Brücke, die rund um die Uhr in wechselnden Schichten für uns einen Weg durchs Eis gefunden haben. (weiterlesen...)

Hören und Sehen
+++ Position 61° 49’ S, 55° 30’ W +++ Die Temperaturen steigen auf -1°C +++ Wir nähern uns der Eisgrenze
07. August 2013

Das Meereis stand im Mittelpunkt unserer Expedition. Wie entfaltet sich im antarktischen Winter das Leben im Eis und wie leben einige Tiere mit dem Eis? Der Ozean-Akustiker Dr. Lars Kindermann berichtet heute über seine Arbeit und die größten Bewohner des Weddellmeeres. (weiterlesen...)

Theorie und Praxis
+++ Position 62° 52’ S, 53° 07’ W +++ Milde -6°C +++ Sonnenaufgang: 8:51 (UTC) +++ Sonnenuntergang: 16:34 +++ Nur noch eine Woche bis Punta Arenas
05. August 2013

Das letzte Mal haben wir gestern den Kranzwasserschöpfer mit der CTD-Sonde in das Weddellmeer ausgebracht. Insgesamt 38 CTD-Stationen können wir auf dieser Fahrt verzeichnen. Friedrich Richter, 24 Jahre alt, gehört zum CTD-Team. Vor einem Jahr hat er seine Bachelorarbeit abgegeben und ist seitdem Masterstudent im Fachbereich Meteorologie an der Universität Hamburg. Seine Eindrücke von Bord – heute im Meereisportal. (weiterlesen...)

Überwinterungsstrategien
+++ Position 63° 23’ S, 51° 06’ W +++ Seit über 7 Wochen unterwegs +++ Polarstern liegt an einer Scholle +++ Die letzte 4-Tage-Eisstation hat begonnen +++ Temperaturen unter -25°C
31. Juli 2013

„Keiner weiß, was sie aufweckt“, sagt Sabine Schründer. Die Meeresbiologin sitzt in einem der Laborcontainer an Bord der Polarstern, nimmt einen kleinen Copepoden mit der Pinzette aus dem Glas und legt ihn unter das Mikroskop. Copepoden sind Ruderfußkrebse, wenige Millimeter groß. Sie sind durchsichtig, nur ihre beiden Antennen, mit denen sie durchs Meer rudern, blinken wie zwei Lichtschnüre manchmal rot und grün. (weiterlesen....)

Premiere: Schneeboje neuen Typs erfolgreich ausgesetzt
+++ Position: 63° 32’ S, 51° 23’ W +++ Temperaturen um -20°C gefühlt wie -45°C +++ Sonnenaufgang: 10:19 (UTC) +++ Sonnenuntergang: 16:34 (UTC)
25. Juli 2013

Mehrere Tage war unklar, ob wir die Boje ausfliegen können, denn die Wetterbedingungen ließen keine Helikopterflüge zu. Bei der Flugwetterbesprechung in der Bordwetterwarte von Polarstern kam dann aber doch das OK: Wir können fliegen. Eilig verstauten wir unser Equipment im Helikopter und teilten den Piloten den Wegpunkt mit, an dem wir aus der Luft nach einer geeigneten Scholle suchen wollten. (weiterlesen ...)

Eisbrechen im Zeitraffer
+++ Position 62° 55’ S, 54° 34’ W +++ Dank Nordwestwind sehr mild +++ nur -1°C +++ mehrjähriges Eis +++ Sonnenaufgang: 10:33 (UTC) +++ Sonnenuntergang: 16:54 (UTC)
24. Juli 2013

Nach stürmischen Tagen im offenen Wasser fahren wir zurück ins Eis. Unsere Patientin konnte sicher von King Georg Island mit einer chilenischen Militärmaschine ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei chilenische Ärzte und eine Krankenschwester betreuten sie auf dem 2stündigen Flug nach Punta Arenas. (weiterlesen ...)

Kursänderung
22. Juli 2013

Wegen eines medizinischen Notfalls haben wir unsere Forschungsarbeiten unterbrochen und sind auf dem Weg nach King George Island an der Spitze der Antarktischen Halbinsel. Dort hoffen wir auf eine zügige Flugverbindung für unsere Patientin nach Punta Arenas, damit sie in einem Krankenhaus an Land medizinisch weiter behandelt werden kann.

Die perfekte Scholle
+++ Position 67° 20’ S, 23° 17’ W +++ Sonnenschein +++ Schneedrift +++ 4 Tage Eisstation +++ Temperaturen von -27°C auf milde –2°C gestiegen
15. Juli 2013

„Die perfekte Scholle gibt es nicht“, sagte ein Wissenschaftler letzte Woche kurz nach dem Frühstück. Intensive Planungen, Diskussionen, Wünsche – bei sieben Arbeitsgruppen und 49 Expeditionsteilnehmern kann es die perfekte Scholle wahrscheinlich auch nicht geben. (weiterlesen...)

Halbzeit
+++ Position 67° 11’ S, 19° 59’ W +++ Es ist wärmer geworden: -12° C +++ Nebel +++ Sonnenaufgang: 11:52 (UTC) +++ Sonnenuntergang: 14:46 (UTC)
10. Juli 2013

Nach den schweren Eisverhältnissen der letzten Tage, kommen wir nun gut voran und nähern uns dem Zentrum des Weddellmeeres. Tag 33 auf See – zur Mitte unserer Expedition heute ein Beitrag von Fahrtleiter Prof. Dr. Peter Lemke.

Winterexpeditionen in der Antarktis sind immer eine besondere Herausforderung. Die doppelte Querung des Weddellmeeres von Nord nach Süd zum Kontinent und von dort nach Nordwest zur Spitze der Antarktischen Halbinsel ist bisher nur zweimal erfolgreich gelungen: 1992 ebenfalls in der Polarnacht im Juni und Juli sowie 1989 später im antarktischen Winter, in den Monaten September und Oktober. Beide Expeditionen wurden von Polarstern unternommen. Kein anderes Schiff hat bis heute solch eine Expedition durchgeführt.(weiterlesen....)

Sonne in der Polarnacht
+++ Position 67° 12’ S, 13° 03’ W +++ Die Suche nach einer Scholle für die nächste Eisstation beginnt +++ Temperaturen unter -18°C +++
08. Juni 2013

Vor ein paar Tagen waren wir noch bei 68° Süd und haben die Sonne nicht mehr am Himmel gesehen. Tiefschwarze Nacht, nur in den Mittagsstunden ein wenig Dämmerlicht.

Offiziell sprechen unsere Meteorologen hier von der „bürgerlichen Dämmerung“. Bürgerlich, weil ein Bürger in diesem Licht noch die Zeitung lesen könnte, so die Definition. Im Zeitalter beleuchteter Computerdisplays und des „digital citizenship“ könnte uns die „bürgerliche Dämmerung“ eigentlich schnuppe sein, und doch würden wir hier durchaus gerne einmal eine Zeitung im Dämmerlicht lesen, wenn wir denn eine hätten. (weiterlesen...)

Wenn die Moleküle radikal werden
+++ Position 67° 57’ S, 6° 39’ W +++ Ab heute sind wir für 5 Tage auf der Scholle +++ Das Thermometer zeigt -27,7° C an +++ Immer noch kein Sonnenaufgang
03. Juli 2013

Wir blicken nicht nur auf, in und unter das Eis. Nein, wir schauen natürlich auch nach oben. Denn was sich in der Atmosphäre abspielt, ist nicht nur spannend, sondern wichtig, um das Wechselspiel zwischen Ozean, Eis und Atmosphäre zu verstehen. Die promovierte Physikerin Joelle Buxmann ist das erste Mal auf einer Polarstern-Expedition, das erste Mal in der Antarktis und das erste Mal Hubschrauber geflogen. Manchmal steht sie an Deck, lehnt sich über die Reling, so als wolle sie dem Eis noch ein wenig näher sein und vor Freude die ganze Welt umarmen. (weiterlesen....)

Auf der Scholle
+++ Position 68° 01’ S, 00° 19’ W +++ Seit zwei Tagen driften wir mit einer Scholle +++ Schneefall +++ 30 bis 40 Knoten Wind +++ Kein Sonnenaufgang +++ Polarnacht
26. Juni 2013

Entspannte Stimmung an Bord. Wir driften mit etwa 0,8 Knoten nach Südwesten. Dick und kompakt ist das Eis um uns herum. Viele Presseisrücken versperren den Weg. Stürmischer Wind aus Nordost erhöht den Eisdruck. „Jetzt gewaltsam hier durchzubrechen, würde nur unnötig viel Treibstoff kosten“, sagt Kapitän Uwe Pahl. So üben wir uns in Geduld und warten auf günstige Winde, die das Eisfeld ein wenig auflockern. (weiterlesen....)

Mittwinter
+++ Position 66° 29’ S, 00° 01’ O +++ überwiegend saisonales Eis, in diesem Winter neu gebildet +++ weitere Frostverschärfung +++ Temperaturen unter -30° C angekündigt +++ Sonnenaufgang: 10:55 (UTC) Sonnenuntergang: 13:09 (UTC)
21. Juni 2013

Gegen Abend werden wir den Polarkreis überqueren. Die Sonne wird dann für uns nicht mehr aufgehen, sie bleibt unter dem Horizont. „Das werden lange Nächte“, sagt Fahrtleiter Peter Lemke in der morgendlichen Besprechung. Etwa 14 Tage fahren wir durch die Polarnacht Richtung Süden. Wir kommen gut voran, aber Ostwind mit 9 – 10 Beaufort erwartet uns bei 70° Süd kurz vor dem antarktischen Kontinent. (weiterlesen ...)

Pfannkucheneis so weit das Auge reicht
+++ Position 62° 58’ S, 00°00’ O +++ Endlich im Eis +++ Temperaturen von -20°C bis -25° C +++ trockene Luft, aber ein Windchill von bis zu -50°C +++ Sonnenuntergang: 14:23 +++
18. Juni 2013

Die Meereisgrenze sollten wir eigentlich erst bei etwa 62° Süd erreichen, doch dann überraschte sie uns früher. Bei schönstem Sonnenschein gegen 10 Uhr am Montagvormittag ziehen die ersten Eispfannkuchen am Schiff vorbei.  (weiterlesen ...)

Auf Station
+++ Position 61° 07’ S, 00° 00’ O +++ Erster Eisberg mit großer Pinguin-Kolonie gesichtet +++ 2 Buckelwale ziehen an uns vorüber +++ Der Südostwind bringt eisige Luft +++ Für Dienstag sind Temperaturen von unter -25°C vorhergesagt +++ Sonnenuntergang: 14:46 Uhr (UTC) +++
17. Juni 2013

Ein Mausklick und die Probenflasche Nr. 24 ist geschlossen. Aus verschiedenen Tiefen bringt der Kranzwasserschöpfer pro Flasche 12 Liter Wasser aus dem Südpolarmeer an Bord. Zusätzlich misst die CTD-Sonde unter anderem Temperatur und Salzgehalt des Wassers – die Daten bauen sich in verschieden farbigen Linien auf einem Computerbildschirm im Windenleitstand auf. (weiterlesen ...)

Noch etwa 3 Tage bis zur Eisgrenze
+++ Position 54° 13’ S, 00° 48’ O +++ Wir haben die Polarfront überquert +++ Die Ozean-Temperaturen sind unter 1° C gefallen +++ Sonnenuntergang: 15:36 Uhr (UTC) +++ Schnee und Nachtfrost sind für morgen vorausgesagt +++
15. Juni 2013

Sandra Schwegmann sitzt während des Transits in unser Arbeitsgebiet auf dem Heli-Deck und blinzelt in die Sonne. „Solange die Sonne noch da ist, muss man das ausnutzen. In der Polarnacht werden wir sie für einige Wochen überhaupt nicht sehen“, sagt die Meereisphysikerin. Vor zwei Jahren war Sandra Schwegmann das erste Mal mit „Polarstern“ auf Expedition im Südpolarmeer – damals war Sommer. Ausdehnung, Dicke, Drift und Volumen des Meereises kann sie nun erstmals im antarktischen Winter untersuchen. Die promovierte Physikerin leitet die Meereisgruppe während dieser Expedition. Welche Arbeiten sie mit ihrem Team im Eis plant, berichtet sie heute im Meereisportal. (weiterlesen....)

Auf See
+++ Position 40° 13’ S, 13° 26’ O  +++ 15° C Lufttemperatur +++ wolkig, nur leichter Seegang +++
08. Juni 2013

Das Postschiff nach St. Helena zieht im Hafen noch an uns vorbei, dann können wir auslaufen. Der Lotse, bei unserem Manöver eine junge, resolute und sehr freundliche Südafrikanerin, geht um 18:24 Uhr von Bord. In Kapstadt ist die Sonne bereits untergegangen. Den Tafelberg sehen wir nur noch als dunkle Silhouette während „Polarstern“ Fahrt aufnimmt. Die Küstenlinie Südafrikas funkelt in tausenden von Lichtern durch die Nacht. (weiterlesen ...)

„Polarstern“ im Hafen
04. Juni 2013

Kapstadt, Südafrika, schönster Sonnenschein, zwei Tage bis Expeditionsstart. Noch liegt der Forschungseisbrecher „Polarstern“ im Hafen. Die Vorbereitungen für die Fahrt in den antarktischen Winter laufen auf Hochtouren. Die ersten Wissenschaftler treffen ein, Fahrtleiter Peter Lemke schaut kurz bei Kapitän Uwe Pahl vorbei. Alles in bester Ordnung, gute Stimmung an Bord. Die Auslaufzeit ist für Samstagabend festgesetzt. Wir melden uns, wenn wir auf See sind.