Ruhige Meereisentwicklung in der Arktis

19. August 2021

Die Geschwindigkeit des arktischen Meereisverlustes war über weite Teile des Monats Juli eher langsam, was die Aussichten auf die Erreichung eines neuen Rekordtiefs der Mindestausdehnung im September dieses Jahres aktuell senkt. Der saisonale Rückgang der arktischen Meereisausdehnung war in der ersten Juliwoche recht schnell, verlangsamte sich aber im weiteren Verlauf des Monats (siehe Abb. 1). Die durchschnittliche monatliche Ausdehnung für Juli 2021 betrug 7,72 Millionen km2. Damit lag sie circa 454.000 km2 über dem Rekordtief des Jahres 2020 und 1,68 Millionen km2 unter dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Die durchschnittliche Ausdehnung für diesen Monat ist die sechsniedrigste in der hier ausgewerteten Zeitreihe. Bis 2021 beträgt der lineare Rückgang der Meereisausdehnung im Juli circa 8 % pro Jahrzehnt. Dies entspricht 76.500 km2 pro Jahr. Der kumulative Juli-Eisverlust während der 43-jährigen Satellitenaufzeichnung beträgt 2,6 Millionen km2, errechnet aus der Differenz der Werte für 2021 und 1979. Der Eisverlust im Juli seit 1979 entspricht etwa der Größe von Algerien.
Der rasche Eisverlust in der Laptev-See zu Beginn der Schmelzsaison hat sich verlangsamt, aber die Ausdehnung in der Laptev-See wie auch der Ostsibirischensee bleibt deutlich unter dem Durchschnitt (siehe Abb. 3).

Tiefdruckgebiete dominierten im Juli weiterhin die Region des Arktischen Ozeans. Der mittlere monatliche Luftdruck lag über dem größten Teil des Arktischen Ozeans unter dem langjährigen Mittelwert (siehe Abb. 4 links). Dies brachte allgemein stark bewölkte Bedingungen mit sich. Die Lufttemperaturen auf dem 925-Millibar-Niveau lagen über fast dem gesamten Arktischen Ozean innerhalb von etwa 2ºC über dem langjährigen Durchschnitt (Abb. 4 rechts).

Routen durch die Arktis

In den letzten Jahren war die Nordostpassage entlang der russischen Küste im Sommer eisfrei oder fast eisfrei, so dass es zu einem signifikanten, kommerziellen Schiffsverkehr (im Allgemeinen unter der Begleitung von Eisbrechern) kam. In diesem Jahr sieht es anders aus. Während sich das Meereis in der Laptewsee vor einigen Wochen von der Küste zurückzog, ist die Küste der Karasee noch immer vom Eis eingeschlossen. In der Ostsibirischen See bleibt das Eis ebenfalls in Küstennähe bestehen. Ob diese Gebiete bis zum Ende des Sommers eisfrei sein werden, bleibt abzuwarten (Quelle: NSIDC).


Die südliche Route der Nordwestpassage durch das kanadische Archipel (Abb. 5) ist immer noch vom Eis eingeschlossen und wird sich in diesem Jahr wahrscheinlich nicht nennenswert öffnen. Laut einer kürzlich in Nature Climate Change veröffentlichten Studie (siehe hier) ist es jedoch wahrscheinlich, dass sich die Passage im Sommer zunehmend öffnen wird, wenn die Temperaturen weiter steigen. Die veröffentlichte Studie untersucht die Eisverhältnisse unter zukünftiger Erwärmungsszenarien. Auf der Grundlage von Klimamodellprojektionen kamen die Autoren zu dem Ergebnis, dass bei einer globalen Erwärmung von 2ºC, dem Ziel des Pariser Abkommens, die Nordwestpassage mit 100%iger Wahrscheinlichkeit bis zu Ende des Sommers, zumindest für einen gewissen Zeitraum, schiffbar sein wird. Ein Vorbehalt ist, dass die aktuellen Klimamodelle nicht unbedingt die Prozesse erfassen, die dazu führen, dass sich dickes Eis aufgrund von Winden und Strömungen auftürmt, die das Eis aus dem Arktischen Ozean in die Wasserstraßen des Archipels drücken.

Kontakt:
Dr. Klaus Grosfeld
Dr. Renate Treffeisen


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