Meereis in der Arktis auf moderatem Rückzugskurs

4. August 2021

Nachdem im Monat Juni ein eher moderater Eisrückgang in der Arktis zu verzeichnen war, begann der Monat Juli mit einer kurzzeitigen verstärkten Schmelzphase. Die Eisausdehnung ging in wenigen Tagen um ca. 490.000 km² zurück (das entspricht in etwa der Fläche Spaniens) und geriet kurzzeitig unter das Rekordtief des Jahres 2012 und nahe an den letztjährigen Wert heran. Ab dem 8. Juli schwenkten die Schmelzraten jedoch wieder auf mittlere Werte ein und die Eisausdehnung verlief entlang der unteren Grenze der zweifachen Standardabweichung der Jahre 1981 – 2010 (Abb. 1).

Im Monat Juni betrug die mittlere Eisausdehnung in der Arktis 10,53 Millionen km² und erreichte damit den acht-niedrigsten Wert seit Beginn der kontinuierlichen Satellitenbeobachtungen im Jahr 1979 (Abb. 2). Bei einer mittleren Schmelzrate von etwa 79.900 km² pro Tag herrschte ein moderater Eisrückgang. Die mittlere Eisausdehnung im Juni lag 1,22 Millionen km² unterhalb des Langzeitmittels für diesen Monat und verzeichnet eine Abnahme von 4,9 % pro Dekade. Im Vergleich zum Vorjahr war in der nördlichen Barentssee sowie in der Laptewsee weniger Eis vorhanden, es liegt jedoch überwiegend noch eine weitestgehend geschlossene Meereisfläche vor (Abb. 3). Nur in der südlichen Dänemarkstraße sowie in der Hudson Bucht und am Ausgang der Hudsonstraße zur Labradorsee ist deutlich weniger Meereis vorhanden als im Vorjahr.

Das bereits im Monat Mai vorherrschende Tiefdruckgebiet über der zentralen Arktis hat sich im Juni weiter über den gesamten Arktischen Ozean ausgebreitet und erreichte mit mehr als 10 hPa unter dem langjährigen Mittel einen besonders niedrigen Wert (Abb. 4). Verbunden mit der großräumigen Tiefdruckanomalie war eine ausgedehnte Hochdruckzelle über Westeuropa, die bis 90° Ost reichte und warme Winde über die norwegische See in die Barents- und Karasee trieb, was auch den starken Eisrückgang in der Barentssee erklärt. Der Monat Juni war im Norden Finnlands der wärmste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 144 Jahren. Temperaturen von über 30°C wurden im Norden Finnlands jenseits des Polarkreises gemessen. Eine zweite Warmluftzelle breitete sich über dem nordöstlichen Sibirien entlang der Küste der Laptewsee sowie in der ostsibirischen See mit Temperaturen von bis zu 6° C oberhalb des langjährigen Mittels aus. Im Gegensatz dazu lag der größte Teil des Arktischen Ozeans nur 1 bis 2° C über dem Durchschnitt während einige Regionen im Westen Alaskas und Osten Kanadas eher kühle Bedingungen aufwiesen (Quelle: NSIDC).

Ausgeprägter niedriger Luftdruck über der Arktis steht in Verbindung mit der positiven Phase der Arktischen Zirkulation und hat damit weiträumige Auswirkungen auf die atmosphärischen Zirkulationsmuster und damit auf die Klimavariabilität. Die Arktische Oszillation (kurz AO) ist ein großräumiges Zirkulationsmuster, das durch die Temperaturgegensätze zwischen den kalten polaren Breiten und den gemäßigten mittleren Breiten der Nordhemisphäre angetrieben ist. Über dem Pol bildet sich so der Polarwirbel aus, der sich als Höhentief gegen den Uhrzeigersinn dreht und durch den polaren Jetstream als Starkwindband von Luftmassen der mittleren Breiten getrennt wird. Nimmt der Temperaturkontrast zwischen mittleren Breiten und der Polregion ab, wird der Jetstream schwächer und beginnt zu mäandrieren. So können Tief- oder Hochdruckgebiete sich besser ortsfest etablieren und langanhaltende Wettersituationen begünstigen (Abb. 5). Diese Wettersituation war ausschlaggebend für die Hitzewellen und Waldbrände in Nordamerika und die Unwetter und Starkregenereignisse in Westdeutschland und den Nachbarländern, die die verheerenden Überschwemmungen und Zerstörungen verursacht haben. Eine ausführliche Analyse dieser Ereignisse ist hier gegeben.


Kontakt:

Dr. Klaus Grosfeld
Dr. Monica Ionita-Scholz
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