Winter 2019/2020: Geringes Meereisvolumen in der Arktis

03.04.2020

Aus der Kombination von Satellitendaten von der arktischen Meereisfläche sowie dessen Dicke lässt sich die Meereis-Gesamtmenge berechnen. Das sogenannte Meereisvolumen wird in Einheiten von 1.000 Kubikkilometern angegeben und beschreibt den Zustand des Meereises genauer als die Ausdehnung, da es die Meereisdicke mit einbezieht. Die typische Änderung des Meereisvolumens über einen Winter lag in den vergangenen Jahren zwischen 5.000 Kubikmetern für das Minimum im Oktober und 20.000 Kubikkilometern für das Maximum der Meereisausdehnung im April. 

Um das Meereisvolumen berechnen zu können ist allerdings lückenlose Eisdickeninformation notwendig. Diese kann durch die Kombination aus Daten der ESA Satelliten CryoSat-2 und SMOS erreicht werden, die Methode kann aber nur im arktischen Winter zwischen den Monaten Oktober und April angewendet werden. In dem Projekt „SMOS & CryoSat-2 Sea Ice Data Product Processing and Dissemination Service (CS2SMOS-PDS)” werden seit Oktober 2019 lückenlose Eisdickeninformationen in der nördlichen Hemisphäre nun auch täglich aktualisiert bereitgestellt (Video1). Die Daten von CryoSat-2 und SMOS sind seit November 2010, so dass in Kürze die Zeitserie eine Länge von zehn Jahren erreichen wird.

Auswertungen dieser Daten haben ergeben, dass das aus den CryoSat-2/SMOS abgeleitete Meereisvolumen im Januar 2020 der zweit-niedrigste gemessene Wert seit Beginn der Zeitserie (Abbildung 1) war. Am 31. Januar betrug der Wert 15.040 Kubikkilometern: Dies ist mehr als 1.000 (1.084) Kubikkilometer weniger als der Mittelwert für diesen Tag. Aufgrund des gut dokumentierten Rückgangs der Eisausdehnung und Eisdicke durch den Verlust von älterem Meereis ist aber auch davon auszugehen, dass es sich derzeit um das zweit-niedrigstes Januar-Eisvolumen in den letzten Jahrzehnten handelt und nicht nur in der CryoSat-2/SMOS Zeitserie.

Der geringe Eisvolumenwert ergibt sich aus moderaten Werten der Meereisausdehnung in der Arktis  und aus verbreitet unterdurchschnittlich dünnem Meereis im arktischen Ozean (Abbildung 2). Lediglich in der Beaufort-, Barents- und Kara See finden sich leicht überdurchschnittliche Eisdicken verglichen mit Messungen in den letzten neun Wintersaisons. Die regionalen Muster der Abweichung der Eisdicke vom Mittelwert ändert sich nur wenig zwischen den Monaten und ist auch bereits im Wesentlichen im Oktober 2019 erkennbar. Das heißt, dass diese Muster bereits in der Eisschmelze im vergangenen Sommer entstanden sind und in die Eisdicke eingeprägt wurden.

Der typische Verlauf für den Rest der Gefriersaison lässt erwarten, dass das Eisvolumen in der Arktis noch um etwa 5.000 Kubikkilometer zunehmen wird. Eine Gesamteinschätzung der Wintersaison ist im Juni zu erwarten, wenn alle CryoSat-2 und SMOS Daten vorliegen.


Kontakt: Dr. Stefan Hendricks

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