Die Arktis startet mit moderaten Eisbedingungen in das Frühjahr

21. April 2020

Die Ausdehnung des Meereises in der Arktis erreichte am 04. März 2020 ihr winterliches Maximum mit 14,98 Mio. km² und nimmt seither kontinuierlich ab. Sie bewegt sich dabei am unteren Rand der zweifachen Standardabweichung und liegt leicht über den Werten von 2019 (siehe Abbildung 1). Der Monatsmittelwert für März betrug 14,51 Mio. km² (siehe Abbildung 2) und liegt damit nur circa 200.000 km² über dem Wert des letzten Jahres (siehe Abbildung 3). Die durchschnittliche Meereisabnahme im März betrug täglich ungefähr 23.000 km², das ist vergleichbar mit der Fläche von Mecklenburg-Vorpommern. In den letzten 42 Jahren, seitdem die Daten über Satellitenaufzeichnungen gemessen werden, hat die Arktis eine Meereisfläche von 1,64 Millionen km² in den Märzmonaten verloren (Abbildung 3). Das entspricht in etwa der Flächengröße von Alaska. Dies entspricht einer Abnahme von ungefähr 385.000 km² pro Dekade und ungefähr 2,5 Prozent zum langjährigen Mittelwert. Geringere Meereiskonzentrationen gegenüber dem langjährigen Mittelwert fanden sich in der Bering-, Grönland- und Barentssee (Abbildung 4).

Die Lufttemperatur über dem arktischen Ozean lag im März 2020 im 925 hPa Druckniveau (siehe Abbildung 5) in weiten Teilen des arktischen Ozean bei 2 bis 3 C° unter dem langjährlichen Niveau und bis zu 5,4 C° unter den durchschnittlichen Werten in der Region um Spitzbergen (siehe Abbildung 6). Einzig im Ochotskischem Meer und in der Beringsee lagen die Temperaturwerte bis zu 6 °C über dem langjährigen Mittelwert. Der Druck auf Meeresspiegelniveau war sehr niedrig am arktischen Ozean, was mit der starken positiven Ausprägung der arktischen Oszillation (AO) zusammenhängt, welche während des letzten Winters weitgehend anhielt (siehe Abbildung 7).

Für die Eisverhältnisse im MOSAiC Camp haben diese Entwicklungen jedoch keine grundlegende Bedeutung. Obwohl der Monat März in der zentralen Arktis kälter als das langjährige Mittel war und die Eiskonzentrationskarte für die zentrale Arktis nahezu 100 % Eisbedeckung aufweist, sind die Eisverhältnisse im kleinskaligen Bereich sehr dynamisch. Seit Mitte März ist das Eis kontinuierlich in Bewegung und es haben sich im Camp-Bereich ausgedehnte Rinnen- und Spaltensysteme entwickelt. Hier haben sich sowohl breite Rinnen und Seen gebildet, aber auch durch zusammengeschobene Schollen große Eisrücken, die das Arbeiten vor Ort erheblich erschweren und die Forschungsstationen teilweise von der Stromversorgung abkoppeln oder sogar unzugänglich machen. So muss täglich nach neuen Lösungen gesucht werden, um die Arbeiten in den Observatorien aufrecht zu halten. Eine Herausforderung für Wissenschaft, Logistik und Geräte.

Meereisentwicklung nach dem sommerlichen Minimum in der Antarktis

In der Antarktis wuchs die Ausdehnung des Meereises seit dem Überschreiten des dies-jährigen Minimums am 19.02.2020 mit 2,68 Mio. km² schnell an und bewegt sich seither nahezu auf der Kurve des langjährigen Mittelwerts. Damit endet eine Phase mit unter-durchschnittlicher Meereisausdehnung (siehe Abbildung 9). Im Monatsmittel mit 4,0 Mio. km² lag der diesjährige März circa 267.000 km² unter dem langjährigen Trend, setzte aber den Verlauf einer leichten Zunahme seit dem Minimumrekord im Jahr 2017 weiter fort (Abbildung 10). Das Wachstum des Meereises ist entlang der gesamten antarktischen Küste aufgetreten, aber vor allem in den Regionen des Rossmeeres und des östlichen Weddellmeeres. Jedoch ist die Eisausdehnung hier geringer als im langjährigen Durchschnitt (siehe Abbildung 11). Die Lufttemperaturen über den meisten Küstengebieten der Antarktis lagen im März im Bereich von ungefähr 1°C innerhalb des langjährigen Durchschnitts von 1981 bis 2010, und in der Nähe der südlichen Antarktischen-Halbinsel mit 1°C bis 3°C leicht über dem Durchschnitt. Deutlich unterdurchschnittlich Werte zeigten sich im Wilkes Land-Gebiet mit 4°C bis 6°C kälteren Temperaturen (siehe Abbildung 12). Die atmosphärischen Zirkulationsmuster waren etwas ungewöhnlich, dominiert von starkem Tiefdruck in der Amundsensee und dem Rossmeer sowie einem weiteren Tiefdruckgebiet nördlich von Königin-Maud-Land. Ablandige Winde, die von diesen Tiefdruckgebieten geleitet werden, korrelieren in den beiden Gebieten mit schnellerem Eiswachstum. In Übereinstimmung mit dem starken Tiefdruckgebiet im Rossmeer und in der Amundsensee war der Southern Annular Mode-Index für den Monat März positiv.

Kontakt:
Dr. Renate Treffeisen (AWI)
Dr. Klaus Grosfeld (AWI)


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