Der Übergang vom Frühjahr zum Sommer in der Arktis zeigt durchschnittliche Entwicklungen

22. Juni 2021

Das Meereis in der Arktis entwickelte sich im Monat Mai auf durchschnittlichem Niveau der letzten Jahre. Erst zum Ende des Monats hin hat die Eisausdehnung in der Arktis stärker abgenommen und unterschritt den Wert der zweifachen Standardabweichung der Periode 1981 – 2010. In diesen Tagen wurde die Sommersonnenwende auf der Nordhalbkugel erreicht und der Sommer zeigt auch in der Arktis seine größte Wirkung. Die kommenden Monate werden dann entscheidend dafür sein, wie das Schmelzen in der Arktis voranschreitet und sich das Meereis zurückzieht.

Die durchschnittliche Meereisausdehnung in der Arktis erreichte im Mai mit 12,53 Millionen km² den neunten Platz in der Reihe der monatlichen Mittelwerte und liegt damit oberhalb des abnehmenden Langzeittrends (Abb. 1). Die Eisausdehnung am Ende des Monats betrug jedoch bereits 11,73 Millionen km², was den Fortschritt der Eisschmelze aufzeigt. Weniger Meereis als im langjährigen Mittel der Jahre 1981 – 2010 fand sich in der nördlichen Barentssee, die zum Monatsende zu großen Teilen eisfrei war sowie in der nordwestlichen Labradorsee am Ausgang der Hudsonstraße (siehe Abb. 2). Auf der pazifischen Seite der Tschuktschen See sowie in der östlichen Grönlandsee war die Eisdecke im Vergleich zum langjährigen Mittel etwas weiter ausgedehnt. Im Vergleich zum langjährigen Mittel ist die Eisausdehnung insgesamt um circa 772.000 km² geringer, was in etwa der Landfläche der Türkei entspricht. Zum Ende des Monats haben sich östlich der Insel Sewernaja Semlja in der Laptewsee sowie nördlich der Neusibirischen Inseln offene Wasserflächen, sogenannte Polynjas gebildet. Auch im Bereich der Küste Alaskas in der südlichen Beaufort See und der östlichen Tschuktschen See beginnt sich das Meereis zu öffnen (Abb. 3)

Die klimatologische Entwicklung im Monat Mai war geprägt von ausgeprägt niedrigem Luftdruck auf Meeresspiegelniveau über der zentralen Arktis und dem südlichen Skandinavien verbunden mit hohem Luftdruck über Ostgrönland und der Grönlandsee, was zusammen für einen Ausstrom kalter Luftmassen in den Nordatlantik mit Auswirkungen auf Nordwest-Europa sorgte (Abb. 4). Mai 2021 war der kälteste Mai in Deutschland seit 2010. Im Gegenzug gelangten warme Luftmassen über Russland in die südliche Arktis, die zu Lufttemperaturen von 3° – 5°C oberhalb des langjährigen Mittels entlang der gesamten Küste der Laptev- und Ostsibirischen See führten. Insgesamt bleibt die Meereisentwicklung in der Arktis auch zu Beginn des Monats Juni noch auf durchschnittlichem Niveau der letzten Jahre und bewegt sich entlang der unteren Grenze von zwei Standardabweichungen des Langzeitmittels. Erst zum Ende des Monats wird zu erkennen sein, wie sich die Entwicklung des arktischen Meereises einstellen wird. Dann wird auch die erste Vorhersage des internationalen Meereisvorhersage Netzwerkes (SIPN2) für das Septemberminimum veröffentlicht werden. 

Meereisentwicklung in der Antarktis

In der Antarktis beobachten wir eine ähnlich durchschnittliche Meereisentwicklung, jedoch für die Gefrierphase des Meereises (Abb. 5). Im Mai betrug die Meereisausdehnung im Mittel 10,52 Millionen km² und war damit die 31-niedrigste Eisausdehnung seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1979 (Abb. 6). Die tägliche durchschnittliche Wachstumsrate der Eisausdehnung beträgt ca. 100.000 km², was in etwa der Fläche von Island entspricht. Die Eisausdehnung in diesem Jahr liegt erstmals seit 2015 wieder oberhalb des leichtzunehmenden Langzeittrends, der bei 1,13% pro Dekade liegt. Während im nördlichen Weddellmeer und im Ross Meer die Eiskante im Vergleich zum Langzeitmittel noch nicht so weit nach Norden vorgedrungen ist, sind alle anderen Bereiche rund um die Antarktis durch eine leicht größere Eisausdehnung geprägt (Abb. 7). Leider ist derzeit noch keine flächenhafte Beurteilung der Eisdicke in der Antarktis möglich, sodass nichts darüber ausgesagt werden kann, ob das Eisvolumen auch zugenommen hat oder ein durch Wind verursachtes stärkeres Auseinandertreiben der Eisschollen eine stärkere Divergenz und damit eine größere Eisausdehnung hervorgerufen hat. Hinweise hierfür sind durch den Southern Annular Mode (kurz SAM) gegeben. Der SAM ist ein ringförmiges Zirkulationssystem der Klimavariabilität, das mit Änderungen der Stärke und Position des Polarjets um die Antarktis verbunden ist und sich bis in die mittleren Breiten der Südhemisphäre (z. B. bis Neuseeland) erstreckt. Damit umfasst der SAM abwechselnde Wind- und Sturmaktivität zwischen den mittleren und höheren Breiten über dem Südpolarmeer und der Antarktis. In seiner positiven Phase ist der SAM mit höherem als normalem Luftdruck in mittleren Breiten verbunden. Dies bringt in der Regel relativ leichte Winde und ruhige Wetterbedingungen mit sich. Im Gegensatz dazu herrscht niedriger Luftdruck als im Durchschnitt über der Antarktis und dem Südpolarmeer, was dort erhöhte Wind- und Sturmaktivität hervorruft. Der SAM ist seit Herbst 2020 in einer positiven Phase, erst in der zweiten Hälfte Mai ist er in eine negative Phase übergegangen, wobei das Mai-Mittel dennoch bei +0,3 liegt (Abb. 8).

Kontakt:
Dr. Klaus Grosfeld
Dr. Renate Treffeisen
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