Meereisausdehnung in der Arktis und Antarktis auf durchschnittlichem Niveau

14. Februar 2020

Nachdem das Meereis im Oktober noch ein Rekordminimum in seiner mittleren monatlichen Ausdehnung aufwies, hat das Eiswachstum im arktischen Ozean im November und Dezember deutlich zugenommen und eine Ausdehnung erreicht, die für den Monat Dezember als durchschnittlich anzusehen ist. Im Januar 2020 betrug die mittlere Eisausdehnung 13,42 Mio. km² und lag circa 0,97 Mio. km² unter dem langjährigen Mittel für diesen Monat (siehe Abbildung 1 und 2). Im Januar entwickelte sich die Eisbedeckung in der Arktis vergleichbar zu den letzten Jahren und verläuft mit 14,40 Mio. km² am 12. Februar  am unteren Rand der zweifachen Standardabweichung der Jahre 1981 – 2010 (siehe Abbildung 3). Da die Ausdehnung der Eisfläche in der Arktis durch die Küstenlinie der angrenzenden Landflächen limitiert ist, kann sich das Eis nur in den Atlantischen Sektor, die Grönlandsee und Barentssee, in das Beringmeer und das Ochotskische Meer, sowie westlich von Grönland in der Davisstraße ausdehnen. Gegenüber 2018 ist in diesem Jahr die Eisausdehnung im Beringmeer, in der Barents- und Grönlandsee größer, während in der Davisstraße und im Ochotskischen Meer eine geringere Eisausdehnung vorherrscht (siehe Abbildung 4).

Die Lufttemperatur über dem Arktischen Ozean war im 925 hPa Druckniveau (circa 762 m) durchschnittlich zwischen 1 bis 3 °C höher als im langjährigen Durchschnitt. Auch weite Teile in Sibirien sind deutlich wärmer als sonst um diese Jahreszeit. In der nördlichen Barentssee und im Süden Alaskas hingegen war die Lufttemperatur 5 bis 6 °C niedriger als im Durchschnitt. Außerdem waren über dem größten Teil des östlichen, kanadisch-arktischen Archipels, sowie Grönlands die Temperaturen geringer als im langjährigen Mittel (siehe Abbildung 5). Der Druck auf Meeresspiegelniveau war ungewöhnlich: Es zog sich ein Tiefdruckgebiet über dem Nordatlantik bis über die Karasee. Dem steht ein Hochdruckgebiet von Eurasien bis Alaska und Nordkanada gegenüber. Der Druck in der Karasee lag über 9 hPa unter dem langjährigen Durchschnitt in der Periode 1981 bis 2010. Dies wird mit einer stark positiven arktischen Oszillation in Verbindung gebracht, die die meiste Zeit des Monats andauerte. Ende Januar nahm der Index der Arktischen Oszillation wieder einen fast neutralen Wert an.

Eisausdehnung in der Antarktis geht auf Minimum zu

Auch in der Antarktis scheint sich die Eisausdehnung auf einen mittleren Verlauf der langjährigen Entwicklung zuzubewegen. Aktuell erreicht die Meereisausdehnung einen Wert von 2,91 Mio. km² (Abbildung 6). Der Monatsmittelwert für Januar betrug 4,27 Mio. km² und lag damit etwa 688.850 km² unterhalb des langjährigen Mittels von 1981-2010 (Abbildung 7 und 8). Während der Dezember noch die drittniedrigste Eisausdehnung seit Beginn der kontinuierlichen Satellitenbeobachtung im Jahr 1979 aufwies, setzt sich dieser Trend im Januar nicht weiter fort (Abbildung 8). Insbesondere im zentralen und östlichen Rossmeer sind im Vergleich zu den letzten Jahren größere Flächen von Meereis zu finden. Aber auch der gesamte Packeisgürtel rund um die Antarktis ist etwas ausgeprägter in diesem Jahr. Im Laufe des Januars hat sich der Meereirückgangs insgesamt zunehmend verlangsamt, was vermutlich auf relativ kühle Atmosphärentemperaturen im zirkum-antarktischen Küstensektor zurückzuführen ist. Setzt sich dieser Trend fort, so ist für die sommerliche minimale Eisausdehnung in der Antarktis ein Wert im Bereich des langjährigen Trends zu erwarten, der die Entwicklung der letzten drei bzw. vier Jahre mit durchschnittlich geringsten monatlichen Eisausdehnungen während des gesamten Jahres unterbricht. Eine endgültige Analyse ist hier jedoch erst Ende Februar möglich, wenn das sommerliche Meereisminimum in der Antarktis durchschritten ist. 

Rückkehrer vom ersten MOSAiC-Fahrtabschnitt berichten über die Arbeiten

Mit der Ankunft der Kapityn Dranitsyn am 13. Dezember 2019 am MOSAiC-Camp wurde das erste Team der MOSAiC-Expedition ausgetauscht, und am 18. Dezember hat dann das neue Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Arbeiten auf und rund um die MOSAiC-Scholle übernommen. Dr. Marcel Nicolaus, Co-Fahrtleiter des ersten Fahrtabschnitts, fasst diesen spannenden ersten Teil der MOSAiC-Expedition wie folgt zusammen: „Die Auswahl ‚DER‘ MOSAiC Scholle war sicherlich ein Meilenstein für das gesamte Projekt und all die Messungen und Probenahmen für das ganze Jahr. Wir sind froh, eine sehr geeignete Scholle gefunden zu haben, die sowohl die typischen Eisbedingungen der Arktis in diesen Jahren repräsentiert als auch die komplexen logistischen Anforderungen erfüllt. Wir gehen davon aus, dass wir mit dieser Scholle gut durch das Jahr driften und viele einmalige und spannende Datensätze erhalten werden. Es war eine besondere Erfahrung, die Arktis mitten im Winter zu erleben und vor allem zu erfahren, wie dynamisch das gesamte System ist. Es hat sehr viel Einsatz und Improvisation aller Teilnehmenden erfordert, das Camp so aufzubauen, dass wir damit und darin nun ein Jahr forschen können. Insgesamt sind wir sehr froh, dass all unsere Pläne, die wir über 5 Jahre geschmiedet haben, sich so gut in die Realität umsetzen ließen. Mit dem Ende unseres Teils der Expedition beginnt nun eigentlich erst dieses spannende und einmalige Jahr für die Meereis- und Klimaforschung.“