Arktische Meereissituation im Februar 2019

12. März 2019

Die Meereisbedeckung in der Arktis lag auch im Februar weiterhin unter der zweifachen Standardabweichung des langjährigen Mittelwerts (siehe Abbildung 1) und folgte einem ähnlichen verlauf wie in den Jahren 2007 und 2018. Das Eis erstreckte sich im Februar 2019 durchschnittlich über eine Fläche von 14,18 Millionen Quadratkilometer (siehe Abbildung 2). Dieser Wert liegt ungefähr 0,24 Millionen Quadratkilometer über dem bisher niedrigsten Wert im Jahr 2018 (siehe Abbildung 3). „Die aktuelle Meereissituation war eine durchaus zu erwartende Entwicklung, nachdem sich das Meereis von seinen Extrema im frühen Winter „erholt“ hatte“, so Dr. Marcel Nicolaus der Meereisgruppe am AWI.

Das Eiswachstum fand vorwiegend in der Barentssee, im Ochotskisches Meer sowie in der Labradorsee statt. In den vergangenen Jahren wurde eine verringerte Eisbedeckung in der nördlichen Barentssee beobachtet, die auf die sogenannte „Atlantifikation“, einem verstärkten Einstrom von warmen Wassermassen, die vom Atlantik eingebracht werden, zurückzuführen ist. In großen Kontrast dazu steht die Meereisentwicklung im Beringmeer.

Das Beringmeer zeigt die markanteste Eisentwicklung in diesen Monat. Normalerweise nimmt das Meereis im Beringmeer bis Ende April / Anfang Mai zu, ist unbeständig und reagiert auf Wind und Wellen. Die Ausdehnung variiert oft über den Winter, wenn das dünne Eis an den Rändern nord- oder südwärts treibt und schmilzt oder wächst. In diesem Jahr sind die Veränderungen recht drastisch: zwischen dem 28. Januar und dem 5. März ist ein Großteil der Eisfläche verloren gegangen (siehe Abbildung 4 und Abbildung 5).

Eine Ursache für diesen starken Eisverlust ist ein Tiefdruckgebiet im über dem Beringmeer und ein Hochdruckgebiet über dem Nordwesten Kanadas. Die starken Winde zwischen diesen beiden Druckgebieten bringen warme Luft von Süden in diese Region und verhindern damit das Eiswachstum und drücken gleichzeitig das Eis nach Norden (siehe Abbildung 6).

Mit dem Zustrom (Advektion) warmer Luftmassen vom Nordpazifik in die Beringstraße ist auch der Transport von Feuchte verbunden. In Abbildung 8 ist der für den Zeitraum 25.02.2019 bis 05.03. 2019 in Zeitabständen von sechs Stunden integrierte Wasserdampftransport der Atmosphäre dargestellt. Deutliche, pulsartige Einströme am 25.02., 28.02. sowie am 03.03. demonstrieren eindrücklich die besondere Wetterlage. Verbunden mit diesen Wasserdampftransporten, die in dieser konzentrierten Form auch als „atmosphärische Flüsse“ bezeichnet werden, ist ein Eintrag von latenter Wärme, das ist die, bei der möglichen Kondensation des Wasserdampefes freiwerdende Energie, die zusätzlich das Potential für Meereisschmelze erhöhen und ursächlich zur Temperaturanomalie von 8-10°C in dieser Region beitragen. Die Temperaturen im 925 hPa Niveau (circa 750 m über der Meeresoberfläche) lagen zwischen 4 und 10 Grad Celsius über dem langjährigen Mittelwert von 1981-2010 in einem Gebiet, das sich vom Beringmeer über die Beaufortsee bis hinein in den Kanadischen Archipel erstreckt (Abbildung 7). „Dies ist eine beeindruckende und seltene Situation, die wir da gerade in der Beringstraße beobachtet haben. Wenn auch solche 'atmosphärischen Flüsse' ab und an die Beringstraße erreichen, sind sie sehr ungewöhnlich und das Auftreten von drei solchen Ereignissen innerhalb von 10 Tagen in dieser Region bisher nie aufgetreten.“, so Dr. Ionota-Scholz Klimatologin am AWI.

Stürme haben ebenfalls große Eisflächen an den Eisrändern abgebrochen und damit die Eisausdehnung reduziert. Auch die Oberflächentemperatur des Ozeans ist höher als sonst in der Region. Tiefdruckgebiete kennzeichneten die zentrale Arktis wie auch den nördlichen Nordatlantik. Der Index der Arktischen Oszillation war im ganzen Februar positiv (Quelle: NSIDC). Die sogenannte "Arktische Oszillation (AO)" beschreibt die Veränderungen der Luftdruckgegensätze in Bodennähe zwischen den arktischen und mittleren Breiten auf der Nordhalbkugel.

In wenigen Tagen wird das winterliche Maximum der Eisausdehnung in der Arktis erreicht sein und der Übergang in die Schmelzsaison geschehen. Hierüber und auch über das saisonale Minimum in der Antarktis wird in der News des kommenden Monats ausführlich berichtet.

Ansprechpartner:
Dr.  Monica Ionita-Scholz (AWI)
Dr. Renate Treffeisen (AWI)
Dr. Klaus Grosfeld (AWI)

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