Die Tage werden länger, die saisonale Meereisausdehnung steigt noch – Status des antarktischen Meereises

7. August 2018

Während wir hier auf der Nordhalbkugel am 21.6. Mittsommer und damit den längsten Tag des Jahres gefeiert haben, ist das Gegenteil in der Antarktis der Fall, wo nun die Tage wieder länger werden. Wie unsere Kollegen an unserer deutschen Überwinterungsstation Neumayer III beschrieben haben, wird es damit zwar nicht zwangsläufig wieder wärmer, aber zumindest können sie sich schon zum Ende des Monats wieder an den ersten Strahlen des natürlichen Sonnenlichts erfreuen (mehr dazu hier). 

Auch die maximale Meereisausdehnung um den antarktischen Kontinent ist noch lange nicht erreicht. Trotzdem ist die Ausdehnung des Meereises in den vergangenen Monaten mit einer mittleren Wachstumsrate von 0,10 Mio. km2 pro Tag gewachsen und damit stärker als in den letzten Jahren zur selben Zeit. Damit lag die mittlere Meereisausdehnung im Juni bei 12,96 Mio. km2, was ca. 0,42 Mio. kmmehr als im vergangenen Jahr zu diesem Zeitpunkt, aber dennoch unter dem langzeitlichen Mittel war (Abbildung 1 und 2). Wie üblich für das antarktische Meereis, ist die Meereiszunahme nicht in der gesamten meereisbedeckten Fläche zu beobachten, sondern zeigt große räumliche Variabilität auf. Sowohl im Vergleich zum vergangenen Jahr (Abbildung 3) als auch im Vergleich zum Langzeitmittel (Abbildung 4) zeigt sich die Zunahme der Meereisausdehnung vor allem in den westantarktischen Sektoren in der Bellingshausen- und Amundsensee, sowie im Rossmeer. Im Gegensatz dazu hat sich insbesondere im östlichen Weddellmeer eine großflächige negative Meereisanomalie aufgeprägt, in der sich das Meereis nicht so weit nach Norden ausgebreitet hat. Grund für diese Unterschiede ist im Wesentlichen die räumliche Variabilität der Lufttemperaturen über dem Südozean. So verblieben wärmere Luftmassen im Weddellmeer-Sektor, während im nördlichen Rossmeer unterdurchschnittlich kühle Temperaturen vorherrschten (Abbildung 5).

Um die saisonalen Veränderungen der Schnee- und Eisdicke, sowie der atmosphärischen Bedingungen auch anhand von Messdaten zu analysieren, hat Meereisphysikerin Stefanie Arndt (AWI) während der Expedition PS111 zahlreiche autonome Messsysteme, kurz Bojen, auf dem Meereis installiert. Diese Systeme driften mit dem Meereis und senden ihre gemessenen Daten mehrfach täglich über eine Satellitenverbindung nach Hause. Ein Bojentyp sind hierbei die sogenannten Schneebojen (Abbildung 6). Diese sind mit jeweils vier Ultraschallsensoren ausgestattet, die stündlich den Abstand zur Schneeoberfläche messen, woraus sich dann auf Schneeakkumulations- und -ablationsraten schließen lässt. Sechs dieser Systeme hat das Team um Stefanie Arndt im Februar dieses Jahres auf dem antarktischen Meereis ausgebracht, wovon bis heute nur noch drei Systeme täglich ihre Daten senden. Die restlichen Systeme sind beim Aufbrechen der Schollen oder beim sogenannten „Ridging“, also, wenn sich Meereisschollen übereinander schieben und sich Presseisrücken bilden, beschädigt worden. Die anderen drei Bojen senden Schnee-, Temperatur- und Luftdruckdaten aus dem südlichen, westlichen und zentralen Weddellmeer (Abbildung 7). Vor allem die Daten der westlichen Boje (2018S59) zeigt auch die angesprochenen vergleichsweise hohen Lufttemperaturen im Juni 2018 mit Werten bis zu -3°C zu Beginn des Monats. Bezüglich der gemessenen Schneeauflage geben die drei Bojen ein typisches Bild im Vergleich zu den ausgebrachten Systemen der vergangenen Jahre in ähnlichen Regionen wieder: "Seit dem Aussetzen der Bojen im Februar 2018 beobachten wir eine saisonale Zunahme der Schneedicke zwischen 10 und 50 cm, wobei im Juni die Netto-Schneebilanz bei ± 0 cm liegt", erklärt Stefanie Arndt.   

Während es also scheint, als ob sich die Meereisausdehnung um den gesamten antarktischen Kontinent im Vergleich zum vergangenen Jahr langsam wieder erholt, gilt dies für die Schneeauflage auf dem Meereis im Weddellmeer nicht. Trotz höherer Lufttemperaturen zeigen sich hier lokal keine Veränderungen. Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die Meereisausdehnung im weiteren saisonalen Verlauf entwickelt und hier vor allem, wie das Meereis-Wintermaximum im September nach seinen niedrigen Werten in den vergangenen Jahren ausfällt.

Ansprechpartnerin:

Dr. Stefanie Arndt (AWI)

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