Scheinbarer Meereis-Volumen-Anstieg nach kaltem Sommer 2013

24. Juli 2015

Eine britische Forschergruppe hat kürzlich eine Studie veröffentlicht, die sich mit dem Verhalten der arktischen Meereisdicke und dem Meereisvolumen der letzten Jahre befasst. Der ESA-Satellit CryoSat-2 liefert seit 2010 Freibordmessungen, die genutzt werden, um die Dicke des Meereises zu bestimmen.

Seit dem Start des Satelliten sind nun fünf Jahre vergangen und der gerade in Nature Geoscience erschienene Artikel zum Thema „Erhöhtes Meereisvolumen nach einem ungewöhnlich geringen Schmelzen in 2013“ beschäftigt sich mit den Veränderungen der beobachteten Eisdicke innerhalb dieser Periode. Es zeigt sich, dass der kurzfristige Trend der letzten fünf Jahre nicht dem negativen Trend der Eisausdehnung der letzten Jahrzehnte folgt. Insbesondere im Herbst 2013 ist ein signifikanter Anstieg der Meereisdicke beobachtet worden. Was hat diesen plötzlichen Anstieg verursacht?

Die britische Studie kommt zu dem Schluss, dass kühle Sommer wie derjenige im Jahr 2013 zu einer kurzfristigen “Erholung” des Meereises führen können. Die Temperaturen im Sommer 2013 waren niedriger als in den Vorjahren und haben laut der Studie dazu geführt, dass in dieser Zeit weniger Eis geschmolzen ist.

Dr. Robert Ricker, Meereisphysiker am Alfred-Wegener-Institut und selber mit der Auswertung von CryoSat-2 Daten beschäftigt, bemerkt hierzu jedoch: „Es sollte aus den Ergebnissen der Studie nicht geschlussfolgert werden, dass dies dem allgemeinen negativen Trend der Meereisausdehnung und der  Meereisdicke widerspricht. Es muss bedacht werden, dass es bei der Auswertung der Satellitendaten viele, noch schwer abzuschätzende Unsicherheiten gibt“.

Die vielleicht wichtigste Unsicherheit betrifft die Schneeauflage, die je nach Region im Mittel bis zu rund 40 cm betragen kann. Aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften kann  die Schneeauflage die Satellitenmessungen beeinflussen und zu einer Überschätzung der Eisdicke führen (siehe auch Beitrag vom 9. Juni 2015).

Außerdem wird die Kenntnis der Schneedicke benötigt, um aus den Satelliten-Freibord-Messungen die Eisdicke zu bestimmen. Da es nur wenig Informationen über die Schneeverteilung über Arktischen Meereis gibt, werden Klimatologien herangezogen, die eine grobe Abschätzung über die Schneedicke in der Arktis darstellen, aber teilweise stark von den wahren Werten abweichen können und somit eine weitere Fehlerquelle darstellen. Um die Messungen von CryoSat-2 auszuwerten und einzuordnen sind daher weitere Untersuchungen zu deren Unsicherheiten notwendig.