N-ICE – Eine Driftstation in der Arktis und der Blick über den Schollenrand hinaus

14. Juni 2015

von Marcel Nicolaus, an Bord RV Lance

Seit Januar betreibt das Norwegische Polarinstitut (NPI) ihr Forschungsschiff Lance als Driftstation im arktischen Ozean nördlich von Spitzbergen (mehr auf dem Blog der Expedition). Das Schiff dient als Wohn- und Arbeitsplatz während die allermeisten Arbeiten direkt "vor der Türe" auf dem Meereis stattfinden.

Hauptziel ist es jahreszeitliche Veränderungen vom Winter in den Sommer zu beobachten. Das Projekt, und so auch die Arbeit hier an Bord, teilt sich auf in unterschiedliche Arbeitspakte von der Atmosphäre über das Meereis in den Ozean, alles aus physikalischer und biologischer Sicht. Logistisch ist diese Driftstudie in sechs Fahrtabschnitte geteilt: zwei Mal sechs Wochen von Anfang Januar bis Ende März und vier mal drei Wochen von Anfang April bis Ende Juni.

Ich bin auf den letzten beiden Abschnitten hier im Meereismassenbilanzprogramm. Anfang April hat Lance an einer Scholle angelegt, die sich als sehr gut und robust erwiesen hat. Auf der konnten wir auch bis vor einer Woche driften - eine schöne lange Zeitserie. Dann ist die Scholle jedoch so stark geschmolzen und ein Teil des Eises (das neue dünne) ist weggebrochen, so dass wir die Drift beenden mussten. Ein sicheres Arbeiten für eine längere Zeit (bis Ende Juni) war nicht mehr möglich. Letzten Sonntag haben wir dann eine neue Scholle wieder weiter im Osten und etwas nördlicher ausgesucht und dort alle Geräte aufgebaut. Das glich einer Zeitreise, da hier das Schmelzen noch nicht so stark fortgeschritten ist. Nun arbeiten wir täglich auf dem Eis bis die Reise am 26. Juni in Longyearbyen (Spitzbergen) enden soll.

Während der letzten beiden Abschnitte von N-ICE findet in unserer unmittelbaren Nähe auch die aktuelle Expedition von Polarstern statt (mehr auf Blog der Expedition). Schon im Vorfeld haben viele Absprachen zwischen beiden Expeditionen stattgefunden, sodass sehr ähnliche Messungen hier und auf Polarstern stattfinden. Die Kooperation berücksichtigt vor allem, dass wir hier auf der N-ICE Driftstation zeitliche Veränderungen erfassen, während die Daten von Polarstern mehr Aufschluss über die räumliche Verteilung geben.

Hier driften wir mit einer Scholle, während sie immer wieder Eisstationen von ein bis zwei Tagenabsolvieren. Da wir durch unser Versetzen seit Sonntag wieder näher an Polarstern waren und das Wetter am Montag gut war, konnte ein Flug zur Eisdickenmessung mit dem AWI EM-Bird stattfinden. Sie sind zu uns gekommen und haben drei Profillinien über unsere Scholle geflogen. Inzwischen haben wird die genauen Flugdaten ausgetauscht, so dass wir Bodenmessungen genau unter den vermessenen Linien des EM-Bird durchführen konnten. Der EM-Bird-Datensatz gibt uns vor allem die Gelegenheit zu beurteilen, wie repräsentativ die Scholle hier für die Umgebung ist und wie es "hinter unserm Schollenrand" aussieht. Gleichartige EM-Bird Messungen wurden auch während unserer Drift durchgeführt. Allerdings war dies nur in vergangenen Abschnitten möglich. Anfang Mai musste der Helikopter zurück nach Longyearbyen.

Dabei gab es bereits eine besondere logistische Zusammenarbeit mit Polarstern. Unser  Helikopter von Lance brauchte für seinen Rückflug aus Sicherheitsgründen eine mögliche Notlandestelle unterwegs. Der Flug wurde nach einigen Absprachen mit Polarstern so durchgeführt, dass Polarstern diese Bedingung erfüllen konnte. Es musste keine Landung stattfinden, aber es hätte die Möglichkeit gegeben.