Zusammenkunft der "International Ice Charting Working Group" (IICWG) in Rostock

Die Eisbedeckung in der Arktis nimmt besonders im Sommer ab. Trotzdem: Die Navigation in arktischen Gewässern ist eine Herausforderung und mit erheblichen Risiken verbunden. Deshalb werden für den Schiffsverkehr und für Offshore-Aktivitäten in arktischen Gewässern dringend zeitnahe Information über die jeweiligen lokalen Eisverhältnisse benötigt. Diese werden von nationalen Eisdiensten geliefert, wie z. B. dem Eisdienst der Bundesanstalt für Seeschifffahrt und Hydrographie  in Rostock für die Ostsee.

Die IICWG  wurde 1999 mit dem Ziel gegründet, eine enge Zusammenarbeit zwischen den nationalen Eisdiensten zu fördern, insbesondere im Hinblick auf Beobachtung und Analyse von lokalen und regionalen Meereisverhältnissen sowie von Eisbergvorkommen und -bewegungen. Zurzeit sind Eisdienste aus Kanada, Dänemark, Finnland, Deutschland, Island, Norwegen, Polen, Russland, Schweden, Argentinien und den USA, sowie der British Antarctic Survey und die International Ice Patrol Mitglieder dieser Gruppe.

In diesem Jahr trafen sich die Mitglieder der IICWG vom 19. bis 23. Oktober in den Räumen der BSH in Rostock. Die Organisation der Veranstaltung durch das BSH wurde vom Deutschen Luft- und Raumfahrzentrum (DLR) und vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung unterstützt. Neben den Arbeitssitzungen, die in Rostock abgehalten wurden, fanden ein Science-Workshop und ein Operations-Workshop am DLR-Standort Neustrelitz statt. Themen der Vorträge waren Eisdrift und -deformation, saisonale Vorhersagen der Eisverhältnisse, operationelle Eisinformation, sowie Beobachtung von Eisbergen und Prognosen ihrer Driftwege (das Programm kann hier abgerufen werden). Zudem konnten sich die Teilnehmer ein Bild von den verschiedenen Aktivitäten des Standortes Neustrelitz machen.

Gegenwärtig ist eine verstärkte Ausrichtung auf die Antarktis ein wichtiges Thema in der IICWG, die sich bisher vorwiegend auf die Beobachtung, Kartierung und Vorhersage der Eisverhältnisse in der Arktis konzentriert hat. Dies drückt sich unter anderem dadurch aus, dass die jährlichen Treffen nicht nur abwechselnd in Nordamerika und Europa, sondern zusätzlich auch in Ländern der südlichen Hemisphäre stattfinden. Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt ist die Mitwirkung an der Planung neuer Konzepte für zukünftige Satellitenmissionen der Europäischen Weltraumbehörde ESA.

Signifikante Ereignisse 2015 in der Arktis:
Am 6. September erreichte das arktische Meereis sein diesjähriges Ausdehnungsminimum von 4,35 Millionen Quadratkilometern, dem viertniedrigsten  Wert seit Beginn der Datenaufzeichnungen im Jahr 1979. Geringere sommerliche Eisausdehnungen wurden 2012 (niedrigste), 2007 (zweitniedrigste) und 2011 (drittniedrigste) gemessen (mehr Informationen hier).

Darüber hinaus lassen sich folgende Punkte festhalten (Quelle: IICWG News Release):

  • Zum ersten Mal seit vielen Jahren wurde eine große Anzahl an Eisbergen in der nordwestlichen Barentssee beobachtet (der größte war ein 500 m langer Tafelberg).
  • Ein gehäuftes Auftreten von Eisbergen und Eistrümmern wurde in der Karasee gemeldet. Die Eisberge stellen vor allem eine Gefahr für Schiffe in der Wilkizkistraße dar. Zum ersten Mal wurde dieses Gebiet offiziell als „bergy water„ definiert.
  • Die Nordostpassage war vom 7. September bis zum 17. Oktober frei von treibenden Eisschollen. Bis zum 21. Oktober sind 677 Schiffe durch die Nordostpassage gefahren. Die wichtigsten Wege der Nordwestpassage waren zumindest an einigen Tagen sogar überwiegend eisfrei. Insgesamt war die Meereiskonzentration gering genug, um Schifffahrt zu ermöglichen wodurch 26 vollständige Transits zwischen dem Atlantik und dem Pazifik durchgeführt werden konnten. Insgesamt operierten 128 Schiffe in der Kanadischen Arktis einschließlich 10 Passagierschiffen.

Trotz des generellen Rückgangs des arktischen Meereises gab es starke regionale Unterschiede:

  • Die Meereisausdehnung in der Ostsee war sehr gering und die Eissaison war kürzer als im Durchschnitt. Sie endete in der ersten Woche im Mai, und damit zu dem frühesten Zeitpunkt, der jeweils aufgezeichnet wurde.
  • Für das zweite Mal in Folge gab es an der Ostküste Kanadas schwierige Eisverhältnisse. Um Neufundland herum war das Meereis großflächiger als normalerweise und verursachte Probleme für den Schiffsverkehr.
  • Die Meereissaison 2014/2015 im Süden von Grönland war zwei Wochen länger als normalerweise. Zahlreiche Kreuzfahrschiffe waren deshalb verspätet oder mussten abgesagt werden. Nur 2011 zog sich das Eis noch später zurück.
  • Die maximale Meereisausdehnung in der Okhotsksee für 2014-2015 war die niedrigste seit 1970-1971.

Kontakt: Dr. Wolfgang Dierking (AWI)