Schmelztümpel

Die arktische Meereisdecke ist im zurückliegenden Jahrzehnt nicht nur kleiner, sondern auch deutlich jünger und dünner geworden. Wo früher meterdickes, mehrjähriges Eis trieb, finden sich heute vor allem dünne einjährige Schollen, die in den Sommermonaten großflächig mit Schmelzwassertümpeln bedeckt sind.
Der Schnee auf dem arktischen Meereis schmilzt in jedem Sommer vollständig – zurück bleiben Tümpel aus Schmelzwasser. In großen Teilen der Arktis entstehen diese Tümpel innerhalb weniger Tage, oft in den ersten Juniwochen. Sie verschwinden erst wieder mit dem Gefrieren der Oberfläche im September. Die meisten dieser Süßwassertümpel messen im Durchmesser drei bis 20 Meter. Ihre Farbe hängt vor allem von der Eisdicke unter dem Tümpel ab, da der dunkle (schwarze) Ozean dann mehr oder weniger stark durchscheint. Auf dickerem, mehrjährigem Meereis ist sie folglich eher türkis, bei dünnerem, einjährigem Eis dun-kelblau bis schwarz.
Im Rahmen der Energiebilanz des Meereises fallen Schmelztümpel stark ins Gewicht, denn im Gegensatz zum umliegenden weißen Meereis, reflektieren die Schmelztümpel nur einen Bruchteil des Sonnenlichtes, dafür dringt jedoch mehr in das Meereis und durch das Meereis in den Ozean ein. Dies liegt in erster Linie daran, dass die Tümpel keine Oberfläche aus Schnee oder zerfallenem Meereis haben, die fast das gesamte Licht reflektiert (Albedo). Wenn diese "Streuschicht" durch die Ansammlung von Schmelzwasser entfällt, dringt wesentlich mehr Licht in das Eis ein und kann dann auch durch das Eis in den Ozean gelangen.
Junges dünnes Eis mit den vielen Schmelztümpeln lässt circa dreimal mehr Licht passieren als älteres Meereis. Dabei absorbiert es auch doppelt so viel Sonnenstrahlung. Beides bedeutet im Umkehrschluss, dass dieses dünne, von Tümpeln überzogene Eis deutlich weniger Sonnenstrahlen reflektiert als das dicke Eis. Seine Rückstrahlquote liegt bei circa 37 Prozent. Zudem nimmt das junge Eis mit der Sonnenenergie mehr Wärme auf, wodurch sein Schmelzen vorangetrieben wird – es schmilzt gewissermaßen „von innen“.
Schmelztümpel wirken sich z.B. auch auf Messungen von Meereis vom Satelliten aus. Sie werden von Sensoren der Satelliten als offenes Wasser registriert, wo in Wirklichkeit noch Meereis ist. Dadurch kann es zu erheblichen Messungenauigkeiten kommen. Messungen vor Ort zeigen, dass solche Schmelztümpel oft bis zu 40 Prozent des Meereises bedecken können.