Entsalzung von Meereis

Gemessene Salzprofile im Meereis sind in der Regel das Ergebnis eines Salzverlustes des Eises während des Bildungs- und Alterungsprozesses. Im Wesentlichen gibt es zwei verschiedene Mechanismen, die zur Entsalzung führen:

  1. Prozesse, die im „kalten“ Eis aktiv werden, also während der Eiswachstumsphase. Diese werden hauptsächlich von Temperaturgradienten in der bestehenden Eisbedeckung und dem Abkühlen von einzelnen Eisschichten angetrieben.
  2. Prozesse, die im „warmen“ Eis dominieren. Sie erfordern die Anwesenheit von Schmelzwasser mit geringem Salzgehalt entweder an der Oberfläche oder an der Unterseite des Eises.


Zu den Prozessen der ersten Gruppe zählen die schweregetriebene Drainage („gravitiy drainage“) und der Sole-Ausstoß („brine expulsion“), die auch von quantitativer Bedeutung sind. Wichtigster Prozess für die zweite Gruppe ist die Ausspülung („flushing“). Die Kombination aus der Trennung von Salz aus dem Eis beim Gefrierprozess, der schweregetriebenen Drainage und dem Sole-Ausstoß erklären den typischen „C“-geformten Kurvenverlauf des Salzprofiles von einjährigem Eis.

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[1] geändert nach D. N. Thomas und G. S. Dieckmann, Sea Ice an introduction to ice physics, chemistry, biology and geology, Blackwell Publishing, 2003, S. 50