Unterschiede Arktis und Antarktis

Die beiden Polargebiete Arktis und Antarktis weisen viele Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede auf. Beide Regionen zeichnen sich aber vor allem durch extreme klimatische Verhältnisse aus, die von Kälte, Schnee und Eis geprägt sind.

Generelle Unterschiede Arktis und Antarktis

Die Arktis ist kein Kontinent, sondern ein von Kontinenten umgebenes Meer, das Nordpolarmeer. Auf diesem bis zu 5.500 Meter tiefen Meer schwimmt eine mehrere Meter dicke, saisonale Eisdecke, die sich in ihrer Form seit dem Pleistozän (vor circa 1 Million Jahren) ständig neu bildet. Das Eis des Nordpolarmeeres ist über weite Gebiete mehrjährig und bedeckt im Winter fast das gesamte Nordpolarmeer. Die jahreszeitlichen Schwankungen der Meereisausdehnung sind in der Arktis geringer als in der Antarktis.
Der Grönländische Eisschild, also das Festlandeis der Arktis, weist eine Ausdehnung von 1,7 Millionen Quadratkilometer und ein Volumen von 2,9 Millionen Kubikmeter auf. [8] Der Nordpolarkreis verläuft überwiegend über Land und schließt sowohl Wälder und Tundra als auch Siedlungen und Industrie mit ein. Heute leben fast vier Millionen Menschen in der Arktis. [1]

Die Antarktis umfasst sowohl ozeanische wie auch kontinentale Gebiete und besitzt daher eine Festlandmasse (Antarktika). In der Antarktis ist es kälter als in der Arktis, und die Meereisausdehnung unterliegt sehr starken jahreszeitlichen Schwankungen. Demnach ist das Eis im Südpolarmeer hauptsächlich einjährig. Der südliche Polarkreis verläuft überwiegend ozeanisch. Innerhalb dieses Polarkreises (66,56 Grad Süd) weisen die terrestrischen Ökosysteme auf Antarktika eine sehr reduzierte und durch die Ozeane isolierte Flora und Fauna auf und es gibt keine größeren Pflanzen wie Bäume und Sträucher.


Antarktika ist von einem Ringozean, dem Südpolarmeer, umgeben, der seit circa 35 bis 40 Millionen Jahren die Schelfgebiete (unter Wasser liegende Kontinentalränder) Südamerikas von denen der Antarktis trennt. Die antarktische Inlandvereisung begann vor etwa 36 Millionen Jahren im Anschluss an eine Warmphase, die sich durch tektonische Bewegungen und die damit verbundene Öffnung der Drake-Passage und der Tasman-Passage zu Zeiten des Oligozäns eingestellt hatte. Durch die Öffnung beider Meeresstraßen entstand der Antarktische Zirkumpolarstrom, eine kalte Meeresströmung, die den indischen, atlantischen und pazifischen Ozean direkt miteinander verbindet und den antarktischen Kontinent thermisch isoliert. [2]

Eingebettet in die Westwinddrift (eine westwärts gerichtete atmosphärische Luftzirkulation in Polnähe), ist der Antarktische Zirkumpolarstrom die einzige Meeresströmung, die in einem geschlossenen Ring auf einer Breite von 60 Grad Süd die Antarktis umfließt. Angetrieben wird der Antarktische Zirkumpolarstrom von Westwinden aus dem Pazifischen Ozean, welche auf Westwinde des Atlantiks und des Indischen Ozeans treffen und so den Ozean beständig in Bewegung versetzten. [3]

Unterschiede im Meereis der Arktis und Antarktis

Das Meereis betreffend gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen Arktis und Antarktis: die Arktis ist ein fast geschlossenes Ozeanbecken, das umgeben ist von Land und flachen Schwellen zu anderen Ozeanen. Der Austausch von Wasser ist zum Nordpazifik auf 50 m Tiefe und zum Nordatlantik durch den Grönland-Schottland-Rücken auf maximal 800 m Tiefe begrenzt.

Die Schelfgebiete in der Arktis machen ungefähr ein Drittel ihrer Ozeanfläche aus. Die Antarktis besitzt fünfzehn große Schelfgebiete. Zu den größten Schelfeisen der Antarktis werden das Ross-Schelfeis (472.960 km²), das Filchner-Ronne-Schelfeis (422.420 km²), das Amery-Schelfeis (62.620 km²) und das Larsen-C-Schelfeis mit (48.600 km²) gezählt. [5]  Die Schelfeisausdehnung in der Arktis beträgt hingegen lediglich wenige 1.000 Quadratkilometer. [6]

Im weiteren Sinne umfasst der Arktische Ozean Ästuare, Buchten verschiedener Größe (wie z.B. Hudson Bay) oder kleine Seegebiete (z.B. Ochotskisches Meer oder Weißes Meer). Während der Zeit des Meereismaximums im Februar und März bedeckt die Meereisfläche den gesamten Arktischen Ozean. Im September erreicht sie ihr Minimum. Das Meereis der Arktis erstreckt sich vom Nordpol bis ungefähr zu 44 Grad Nord des Japanischen Meeres und dem Nordpazifik.

Das antarktische Meereis zeigt größere saisonale Schwankungen und Jahr-zu-Jahr Variabilität. Meereis tritt hier, um Antarktika herum, zwischen 55 und 75 Grad Süd auf. In der Antarktis sind die Festlandsockel sehr schmal, so dass die antarktische Packeiszone über einem Meereisbecken liegt, das zwischen 4.000 und 6.500 Metern tief ist. [7]

Eiswachstum und Eisschmelze werden in beiden Polargebieten von den gleichen Energieflüssen gesteuert, aber viele einflussnehmende Faktoren variieren beträchtlich zwischen den beiden Regionen. Ein bedeutender Faktor ist der Wärmefluss. Der Wärmefluss vom Ozean in die Atmosphäre wird in der Arktis auf 2 W/m² geschätzt, während er in vielen Teilen des antarktischen Ozeans Werte von über 30 W/m² annehmen kann.

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[1] Arktis-Klima-Report, Die Auswirkungen der Erwärmung, Convent Verlag, 2005, S. 6
[2] J. Zachos et al., Trends, Rhythms, and Abberations in Global Climate 65 Ma to Present, in Science, Volume 292, 27 April 2001, S. 686-693 sowie A. Boetius und H. Boetius, Das dunkle Paradies – Die Entdeckung der Tiefsee, München: C. Bertelsmann Verlag, 2011, S. 165
[3] M. Denny, How the Ocean Works – An Introduction to Oceanography. Princeton, Oxford: Princeton University Press, 2008, S. 225 und ausführlicher in S. R. Rintoul, C. W. Hughes, D. Olbers, The Antarctic Circumpolar Current System, in G. Siedler, J. Church, J. Gould, Ocean Circulation & Climate, San Diego, San Francisco, New York: Academic Press, 2001, S. 271- 302
[4] Topografische Daten: ETOPO2v2 Global Gridded 2-minute Database www.ngdc.noaa.gov/mgg/global/global.html, rendered with: The Generic Mapping Tools gmt.soest.hawaii.edu
[5] T. A. Scambos et al., MODIS-based Mosaic of Antarctica (MOA) data sets: Continent-wide surface morphology and snow grain size, Remote Sensing of Environment 111(2-3), 2007, S. 242-257
[6] J. Turner at al., Antarctic Climate Change and the Environment, SCAR report, a contribution to the International Polar Year 2007-2008, 2009, S. 7
[7] D. N. Thomas und G. Dieckmann, Sea Ice, An introduction to its physics, chemistry, biology and geology, Blackwell Publishing, 2003, S. 11
[8] S. Marshall, The Cryosphere, Princeton University Press, 2012, S. 134