Sommer 2012

Für die Meereisentwicklung des Sommers 2012 in der Arktis wird die monatliche Arbeit des Sea Ice Outlooks vorgestellt und skizziert. Dazu werden im Folgenden die Monatsberichte und der rückblickende Bericht hier in verkürzter Fassung aufgeführt. Für die vollständigen Berichte verweisen wir auf die englisch sprachige Seite des Sea-Ice Outlooks. Die einzelnen Beiträge für den Sea-Ice Outlook basieren auf einer Reihe unterschiedlicher Methoden: statistische und numerische Modelle, Vergleiche mit vorigen Meereisverlusten, Kombinationen verschiedener Ansätze, Schätzungen, die auf verschiedenen nicht-Meereis-Daten und Trends basieren sowie subjektive Einschätzungen.

Sea Ice Outlook Bericht für den Monat Juni 2012:

Mit 19 Antworten für einen Outlook für die Gesamtarktis (inklusive sechs regionaler Outlook Beiträge), wird mit dem Juni-Bericht ein Wert für den Median der Meereisausdehnung für September 2012 von 4,4 Millionen Quadratkilometern, mit Quartilen von 4,3 und 4,7 Millionen Quadratkilometern vorhergesagt. Übereinstimmend wird der Abwärtstrend des Meereises für September gesehen. Es scheint, als hätte die Meereisausdehnung tatsächlich einen „neuen Normalwert“ erreicht. Die physikalische Grundlage für diese Aussage basiert darauf, dass die Menge an altem, dickem Meereis zurückgeht und das Meereis mobiler geworden ist.

Sea Ice Outlook Bericht für den Monat Juli 2012:

Mit 21 Antworten für einen Outlook für die Gesamtarktis (inklusive fünf regionaler Outlook Beiträge), prognostiziert der Sea Ice Outlook für Juli eine mittlere Meereisausdehnung für September 2012 von 4,6 Millionen Quadratkilometern. Übereinstimmend wird über zu erwartende niedrige Werte für die Meereisausdehnung im September berichtet. Wichtig ist zu erwähnen, dass die Schätzungen für die Meereisausdehnung für den kommenden September unter dem Wert für den Mittelwert von 1979-2007 für September mit 6,7 Millionen Quadratkilometern  liegen. Die Quartile für Juli betragen 4,2 und 4,7 Millionen Quadratkilometer, eine vergleichsweise sehr enge Spanne, welche zeigt, dass die Unsicherheiten einzelner Abschätzungen in der Größenordnung von 0,5 Millionen Quadratkilometern liegen. Diese Spanne ist ebenso kleiner als die im letzten Jahr, welche 4,0 bis 5,5 betrug. Der Juli-Outlook ähnelt stark dem Juni-Outlook, wobei der Juli-Mittelwert um 0,2 Millionen Quadratkilometer höher liegt als die Abschätzung für Juni, die Quartile jedoch ähnlich sind.

Gerade als der Juni-Outlook (basierend auf den Daten für Mai) abgeschlossen war, erreichte die tägliche Schmelzrate des Meereises ein Maximum. Im Juni wurde, nach dem Rekordminimum im Juni 2010, der zweitstärkste kumulierten Schmelzprozess seit den Satellitenaufzeichnungen im Jahre 1979 beobachtet. Außerdem konnte in einigen Gebieten Anzeichen für das Einsetzen einer sehr frühen Meereisschmelze beobachtet werden. Die Ursache für die schnelle Meereisschmelze im frühen Juni war die Entwicklung einer arktischen Dipolanomalie. Darunter versteht man ein besonderes Luftdruckmuster mit einem Hochdruckwirbel über der nordamerikanischen und einem Tiefdruckwirbel über der eurasischen Region der Arktis. Die beiden dynamischen Druckgebilde führen warme Luftmassen aus dem Süden heran und verstärken die windgetriebene transpolare Eisdrift aus der Arktis in Richtung Atlantik. Dadurch beschleunigt sich das Abschmelzen des Meereises in der Tauwetterperiode ganz erheblich. Als sich dieses Luftdruckmuster Ende des Monats verlagerte, verlangsamte sich auch das Schmelzen des Meereises.

Sea Ice Outlook Bericht für den Monat August 2012:

Für einen Outlook für die Gesamtarktis (inklusive fünf regionaler Outlook Beiträge), prognostiziert der Sea Ice Outlook für August eine mittlere Meereisausdehnung für September 2012 von 4,3 Millionen Quadratkilometern, mit einer Bandbreite von 3,9 bis 4,9 Millionen Quadratkilometern. Die Quartile für August betragen 4,1 und 4,6 Millionen Quadratkilometer, eine geringe Spanne, welche zeigt, dass die Unsicherheiten der einzelnen Schätzungen bei 0,5 Millionen Quadratkilometern liegen. Übereinstimmend werden weiterhin geringe Werte für September 2012 vorhergesagt. Die Vorhersage für den Median ist im August um 0,3 Millionen Quadratkilometer geringer als die Schätzung im Juli, was mit Beobachtungen übereinstimmt. Nach dem National Snow and Ice Data Center (NSIDC) war die Meereisausdehnung im Juli 2012 die zweitniedrigste nach dem Jahr 2011 seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen. Die für den 1. August gemeldete Meereisausdehnung mit 6,5 Millionen Quadratkilometern war die geringste seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen. Zwölf der Beiträge geben einen Wert an, der gleich oder geringer als das Meereis-Minimum (monatliches Mittel) im Jahre 2007 mit 4,3 Millionen Quadratkilometern ist.

Letzter Sea Ice Outlook Bericht für Sommer:

Am 27. August wurde die Seaice Outlook Gruppe aufgefordert, eine Aktualisierung ihrer Meereisprognosen bzw. Einschätzung bezüglich des zu erwartenden Meereistagesminimums im September zu geben. Nach dem „Tages“-Minimum zu fragen ist anders, als nach dem Median für September, dessen Werte normalerweise miteinander vergleichen werden, so dass wir eine Mischung unterschiedlicher Interpretationen erhalten haben.

Mit Betrachtung der kontinuierlich abnehmenden Kurve für die Meereisausdehnung des NSIDC, könnte man annehmen, dass dieses Jahr diejenige Meereisdicke unterschritten wurde, die das Meereis anfälliger für eine komplette lokale Schmelze macht, auch bei sonst normalen saisonalen sommerlichen Antrieben (forcings). Das könnte die These unterstützen, dass der Trend der Volumenabnahme von Meereis für die Beobachtungen wichtiger ist, als der Trend der Abnahme der Meereisausdehnung.

Nach-Saison Bericht

Höhepunkte und Mitnehminformationen

  • Der Mittelwert für die arktische Meereisausdehnung im September 2012 war mit 3,6 Millionen Quadratkilometern der geringste Wert seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen. Dieser Wert basiert auf Schätzungen des National Snow and Ice Data Centers (NSIDC) und ist um 50 Prozent geringer als der Mittelwert von 7,0 Millionen Quadratkilometern für den Zeitraum von 1979 bis 2000.
  • Dieser Wert reiht sich in die vergangenen Minima von 4,3 Millionen Quadratkilometern von 2007 und 4,6 Millionen Quadratkilometern im Jahr 2011 ein.
  • Alle einzelnen Outlook Schätzungen (20 Gruppen haben insgesamt dazu beigetragen) in den Berichten für Juni und Juli waren höher als die dann im September beobachtete Meereisausdehnung. Der Juni-Outlook (basierend auf Daten von Mai) ergab einen Mittelwert von 4,4 Millionen Quadratkilometern an; der Juli-Outlook (basierend auf Daten von Juni) gab einen Mittelwert von 4,6 Millionen Quadratkilometern an. Allerdings haben zehn der 19 Teilnehmer des Sea Ice Outlooks im Junibericht die September-Meereisausdehnung auf 4,4 Millionen Quadratkilometer oder geringer geschätzt, womit die Mehrheit der Schätzungen aller Teilnehmer unter den Werten für das vergangene Jahr und damit im richtigen Trend lag. Die Spannweite der Quartile war eng und lag zwischen 0,4 und 0,5 Millionen Quadratkilometern.
  • Anders als im Jahr 2007, in welchem im Sommer ungewöhnlich starke Windmuster vorherrschten, welche einen großen Einfluss auf die Meereisschmelze hatten, war das Wetter im Sommer 2012 generell eher unauffällig, bis auf einen starke Sturm im frühen August 2012, welcher zu einem Aufbruch des Meereises geführt hat. Demnach gab es einen Unterschied in den Gründen für die Eisschmelze, und obwohl die Jahre 2007 und 2012 beide ein Eisminimum verzeichneten, wurde das Minimum des Jahres 2012 hauptsächlich durch die geringere Dicke des Eises hervorgerufen. Keine der Vorhersagen scheint diesen Aspekt genügend berücksichtigt zu haben. Weitere Untersuchungen über die Bedingungen im Jahr 2012 werden wichtig sein, um in Zukunft die saisonalen Vorhersagen zu verbessern.


Einer der wichtigsten Erkenntnisse des Sea Ice Outlooks 2012 ist, dass alle Teilnehmer und diejenigen, welche objektive Methoden anwenden, den Rückgang des arktischen Meereises unterschätzt haben, jedoch eine Abnahme der Meereisausdehnung gegenüber dem vorigen Jahr vorausgesagt haben.

Alle haben zusammenfassend festgehalten, dass das jüngste Meereisminimum hauptsächlich durch langfristige Veränderungen des thermischen Antriebs und der Eisschmelze verursacht wurden. Damit neigt in den meisten Jahren, die Erhaltung der monatlichen meteorologischen Variabilität in den Sommermonaten dazu, Extrema im atmosphärischen Antrieb auszugleichen. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass die geringen Werte der Meereisausdehnung weiterhin erreicht werden. Langzeittrends scheinen wichtiger zu werden, als kurzzeitige Wetter-Ereignisse. Einflüsse der Schmelzrate, von dünnem Eis und des Verlustes von mehrjährigem Eis wurden im Jahr 2012 unterschätzt, auch durch die objektiven Methoden. Die Informationen in Form von Daten hätten für deutlichere Prognosen verfügbar sein sollen. Eine weitere Analyse, die das Outlook verbessern soll, ist vorgesehen.