Einschätzung der Meereissituation Arktis 2014

Meereissituation in der Arktis: Juli 2014

Die Meereisausdehnung in der Arktis ging während der ersten beiden Juliwochen stark zurück. Ursache hierfür war eine hohe Anomalie des atmosphärischen Drucks über dem arktischen Ozean und der Barentssee, was mit einem unterdurchschnittlichen Atmosphärendruck über Island einherging. Während dieser Zeit lagen die Lufttemperaturen bei 925 Millibar oder 750 m ü. NN in Teilen des arktischen Ozeans zwischen 1 und 3 °C über dem Durchschnitt und führten zu oberflächlichem Abschmelzen. Die Lufttemperaturen in der Kara- und Barentssee lagen zwischen 1 und 3 °C unter dem Durchschnitt. Dort waren die Abschmelzprozesse in diesem Sommer bisher geringer als üblich.

Das Hochdruckgebiet, das die Wetterlage im zentralen Arktischen Ozean und der Barentssee fast den gesamten Juli über bestimmte, wurde im späten Juli von einem Tiefdruckgebiet mit ungewöhnlich niedrigen atmosphärischen Druckwerten ersetzt. Tiefdruckgebiete sorgen üblicherweise für kühlere Temperaturen und die damit einhergehenden, auf der nördlichen Hemisphäre gegen den Uhrzeigersinn drehenden, Winde führten zu einer stärkeren Ausbreitung des Eises.

Die mittlere Eisausdehnung im Juli 2014 lag bei 8,25 Millionen km2. Das sind 1,85 Millionen km2 weniger als der Langzeitdurchschnitt von 1981-2010 im Juli. Generell nahm die Eisausdehnung im Juli 2014 im Durchschnitt um 86.900 km2 pro Tag ab, was nur knapp über der Durchschnittsverlustrate im Juli von 86.500 km2 pro Tag liegt. In der zweiten Junihälfte war die Verlustrate des arktischen Meereises die zweit schnellste seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen. In der Konsequenz führte dies Anfang Juli zu einer Eisausdehnung die um fast zwei Standardabweichungen geringer war als der Durchschnitt zwischen 1981-2010. Die Eisverlustrate in der ersten Julihälfte lag im Mittel bei 104.000 km² pro Tag, was um 21 % schneller ist als das Langzeitmittel dieses Zeitraums. Dabei bleibt zu beachten, dass die recht hohen Verlustraten zu Anfang des Monats durch die langsamere Abschmelzrate in der letzten Juliwoche ausgeglichen wurden.[1]

Der Juli 2014 wies die viertniedrigste Eisausdehnung seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen auf und lag 340.000 km2 über den vorangehenden Rekordminima im Juli 2011, 2012 und 2007. Die monatliche lineare Eisabnahme für den Monat Juli lag bei 7,4% pro Jahrzehnt.[1]

Der Verlust während der ersten beiden Juliwochen 2014 äußerte sich hauptsächlich in einer Eisabnahme in der Laptewsee sowie in der Kara- und Beaufortsee. Es existieren eisfreie Stellen nördlich von 80° N in der Laptewsee. In der Beaufort- und Karasee ist die Eisdecke im Vergleich zu vorangehenden Sommern recht stark ausgedehnt. Bis einschließlich des 15. Juli hatte sich die Eisausdehnung auf unter die im Rekordjahr 2012 gemessenen Werte am selben Tag (440.000 km2) verringert und war damit 1,54 Millionen km2 geringer als der Durchschnitt von 1981-2010. Bis Mitte des Monats war die Meereisausdehnung im zentralen arktischen Ozean dagegen immer noch hoch, besonders im Vergleich zum Jahr 2012. Die Eisausdehnung in der Laptew- und östlichen Grönlandsee sowie der Baffin Bay lag weiterhin unter dem Durschnitt während die Werte in der Beaufort-, Chukchi- und Karasee im Durchschnitt lagen und nur lokal niedrige Abweichungen aufwiesen.[1]

Ende des Monats war die Küste Alaskas bis auf wenige Stellen mit vereinzelter Eisbedeckung vor Barrow quasi eisfrei. Ebenso sind die Barentssee, Hudson Bay, Baffin Bay und Davisstraße zurzeit eisfrei. In der zentralen Beaufortsee gibt es große Gebiete mit geringem Meereis, die während der nächsten Wochen voraussichtlich abschmelzen werden. Im kanadisch-arktischen Archipel ist die Nordwestpassage weiterhin vollständig von Eis blockiert. Die Durchquerung von Teilen der Nordostpassage ist aufgrund des stark konzentrierten küstennahen Eises zwischen Laptew- und Ostsibirischer See sowie nördlich der Halbinsel Taymyr sehr schwierig.[1]

Die Meereisausdehnung im Juni 2014

Die Eisausdehnung im Juni 2014 wies durchschnittlich 11,31 Millionen km2 auf. Dies lag 580.000 km2 unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 für Juni. Der Juni 2014 wies die sechstniedrigste Meereisausdehnung seit Beginn der Satellitenaufzeichnungen auf und lag damit 490.000 km2 unter dem vorherigen Tiefststand im Juni 2010. Die Eisausdehnung im Juni nahm im Mittel um 78.900 km2 pro Tag ab (das langjährige Mittel beträgt zum Vergleich 57.200 km2 pro Tag). Die monatliche lineare Abnahme im Juni betrug 3,6 % pro Jahrzehnt.

Große eisfreie Gebiete öffneten sich Anfang Juni in der Laptewsee und dehnten sich den ganzen Monat über weiter aus. Der südliche Teil der Beaufortsee öffnete sich ebenfalls und wies auf dem driftenden Erstjahreseis Schmelzwassertümpel auf, die sich bis ins Packeis hinein erstreckten. Trotzdem blieb Eisausdehnung in dieser Region in diesem Monat überwiegend über den Werten der letzten Jahre. Unterdurchschnittlich war die Situation in der Barentssee, der Hudson Bay und der östlichen Grönlandsee, über dem Durchschnitt lag sie dagegen in der Karasee.

Die geringe maximale Eisausdehnung im März schuf dabei die Voraussetzungen für die geringe Ausdehnung im Juni. Der Juni zeigte große Schwankungen in der Eisverlustrate während der letzten Jahre. 2012 beschleunigte sich die Eisverlustrate stark in der ersten Junihälfte -  einer der Auslöser für das Rekordminimum im September im Jahr 2012. Bisher zeigte sich für  2014 keine solche schnelle Rate. Dennoch war die Eisausdehnung am 30. Juni nur noch um 300.000 km2 größer als 2012. 2014 beschleunigte sich die Eisverlustrate Ende Juni ebenfalls als große Gebiete an den Rändern des arktischen Ozeans, insbesondere der Hudson und Baffin Bay, eisfrei wurden. Diese beschleunigte Verlustrate ist typisch für den späten Juni und frühen Juli und spiegelt sich auch im Langzeittrend der letzten 30 Jahre wider.

Bei 925 mb lagen die mittleren Junitemperaturen über Teilen des Arktischen Ozeans zwischen 1 und 2 Grad Celsius unter dem langjährigen Durchschnitt von 1981 bis 2010. Mit der, während der zweiten Hälfte des Junis, einsetzenden Erwärmung stieg die Temperatur auf 2 bis 4 Grad Celsius über den langjährigen Durchschnitt. Der Juni 2013 war damit etwas kühler als der Durchschnitt. Dies steht im starken Kontrast zu den ungewöhnlich warmen Sommern der letzten Jahre, besonders in 2012 und 2007, wo die Lufttemperaturen über dem Arktischen Ozean bis zu 4 zu 6 Grad Celsius über dem Durchschnitt lagen. Die kühleren Bedingungen 2013 werden der generell vorherrschenden zyklonalen atmosphärischen Strömung zugeschrieben. Ende Juni 2014 entwickelte sich dann aber das eher typische Muster eines Hochdruckgebietes über der Beaufortsee, verbunden mit der Bildung einen Tiefdruckgebietes über Alaskas und Euroasiens.

Beginn der Sommerschmelze

Generell lässt sich in den Satellitendaten ein Trend zu einem früheren Einsetzen der Sommerschmelze in der Arktis feststellen. Die Schmelzprozesse beginnen inzwischen im Durschnitt 7 Tage früher als in den später 1970er und frühen 1980er Jahren, was einer Änderung von 2 Tagen pro Jahrzehnt entspricht.

Allerdings begann die Eisschmelze in manchen Regionen wie der Kara- und Barentssee sogar 5 bis 7 Tage pro Jahrzehnt früher (insgesamt 18-25 Tage früher als 1979), was die Bildung eisfreier Gebiete in diesen Regionen beschleunigt hat.

Der Trend hin zu einem früheren Einsetzen der Schmelzprozesse ist statistisch signifikant, doch es herrscht auch eine starke Variabilität von Jahr zu Jahr. In 2013 beispielsweise begannen die Schmelzprozesse sehr spät, insbesondere im arktischen Ozean, der Laptew- und Ostsibirischen See sowie im Bereich der Hudson Bay und Beringsee. 2012 dagegen setzte die Eisschmelze in großen Teilen des arktischen Ozeans (Beaufort-, Chukchi-, Laptew-, Karasee, Hudson und Baffin Bay) außergewöhnlich früh ein, aber später als üblich in der Ostsibirischen See sowie der Grönland- und Beringsee. Dieses Jahr begann die Eisschmelze verfrüht in der Beaufort-, Chukchi-, Bering- und Laptewse, setzte aber verspätet in der Ostsibirischen See, in der Karasee und in großen Teilen des zentralen arktischen Ozeans ein.[1[

[1] Quelle: National Snow and Ice Data Center, Boulder, Colorado USA, nsidc.org