Einschätzung der Meereissituation Arktis 2013

Meereissituation in der Arktis: 19. September 2013:
Packeisgrenze weicht weit zurück, Fläche aber größer als im Jahr 2012


Das jährliche Minimum der Meereisfläche im arktischen Ozean im September beträgt in diesem Jahr im Mittel etwa 5,1 Millionen Quadratkilometer und liegt damit rund 50 Prozent über dem bisherigen Negativrekord von 3,4 Millionen Quadratkilometer aus dem Jahr 2012. „Dieser Wert bedeutet allerdings keine Trendwende“, lautet die gemeinsame Einschätzung der Meereisphysiker Marcel Nicolaus vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und Lars Kaleschke von der Universität Hamburg, KlimaCampus.

Die beobachtete Eisbedeckung reihe sich viel mehr in die geringen Werte der letzten Jahre ein und bestätige die langfristige Abnahme der arktischen Meereisdecke. „In diesem Jahr war nicht mit einem neuen Negativ-Rekord der Meereisfläche zu rechnen, denn die Statistik zeigt, dass auf ein Rekordjahr stets eine kurzfristige Erholung folgt. Daher können Trends nur durch die Betrachtung langer Zeiträume richtig erfasst werden“, sagt Lars Kaleschke. Mit dem Einsetzen des Gefrierens in der zweiten Hälfte des Monats September wird die eisbedeckte Fläche wieder zunehmen und ihre maximale Ausdehnung zum Winterende im März des kommenden Jahres erreichen.

Die Änderungen der sommerlichen Eisbedeckung von Jahr zu Jahr resultieren aus einem komplexen Zusammenspiel: „Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Eisbedingungen im Frühjahr, der Verlauf der Schmelzsaison sowie die atmosphärischen Bedingungen im Sommer. So beeinflusst zum Beispiel die vorherrschende Windrichtung maßgeblich, ob die Eisflächen auseinandergetrieben oder zusammengeschoben werden. Und schon ein geringer Eintrag von mehr Wärme in die Arktis reicht aus, um die insgesamt immer dünner werdenden Eisflächen ganz verschwinden zu lassen“, sagt Marcel Nicolaus. Vor diesem Hintergrund rechnen die Wissenschaftler auch in den nächsten Jahren mit großen Schwankungen der sommerlichen Meereisbedeckung in der Arktis.

Besondere Aufmerksamkeit haben in diesem Sommer Schmelztümpel auf dem Meereis hervorgerufen, die in diesem – wie auch in den vergangenen Jahren – wieder vermehrt auftraten. So machte zum Beispiel das Foto von großen Schmelztümpeln in der Nähe des Nordpols weltweit Schlagzeilen. Schmelztümpel entstehen, wenn zunächst der Schnee auf dem Meereis und dann das Meereis selbst von oben schmelzen. Kann dieses Schmelzwasser nicht ablaufen, sammelt es sich auf dem Meereis in Tümpeln. Schmelztümpel sind ein normales Phänomen auf arktischem Meereis, allerdings treten sie jetzt immer früher im Jahr und über einen längeren Zeitraum auf (siehe dazu die weiterführenden Links am Ende dieser Pressemeldung). „Dies wirkt sich wesentlich auf das Meereis aus. Weißes Eis verwandelt sich in dunklere Tümpel, die mehr Sonnenlicht absorbieren und das Schmelzen so verstärken“, sagt Marcel Nicolaus.

Eine außergewöhnliche Situation ist auch in diesem Jahr zu vermelden: Die Grenze des kompakten Packeises – als solches werden Flächen mit mehr als 90 Prozent Eisbedeckung bezeichnet – wich nördlich der russischen Inselgruppen Franz-Josef-Land und Sewernaja Semlja bis hinter den 88. Breitengrad  zurück – seit Beginn der Satellitenmessungen ein bislang einmaliges Ereignis. Zudem zeigen sich vermehrt große Flächen offenen Wassers zwischen 87 und 88 Grad nördlicher Breite, also nur noch rund 220 Kilometer vom Nordpol entfernt. In den 1990er Jahren lag die sommerliche Packeisgrenze noch bei etwa 80 bis 82 Grad nördlicher Breite. „Diese Phänomene belegen, dass sich die arktische Eisdecke grundlegend gewandelt hat: Dort wo einst dickes mehrjähriges Packeis vorherrschte, findet sich nun vorwiegend saisonales Eis“, so Lars Kaleschke.

(Zur Pressemitteilung des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung vom 19. September 2013: Aktuelle Meereis-Entwicklung in der Arktis)

Meereissituation in der Arktis: Anfang September 2013

Die Abnahmegeschwindigkeit des arktischen Meereises bewegt sich im Spätsommer (August) mit 56.400 Millionen Quadratkilometern pro Tag nahe dem langjährigen Durchschnitt. Dies war aber mehr als ein Drittel langsamer als während der Rekordabnahme im August 2012. Die Meereisausdehnung liegt weiterhin weit über dem Niveau des letzten Jahres (blaue Linie, Abbildung links), bewegt sich aber unter dem Mittelwert von 1981 bis 2010 (durchgezogene graue Linie, Abbildung links).

Die Meereisausdehnung im August 2013 lag 2,38 Millionen Quadratkilometer über dem Rekordwert vom August 2012. Der monatliche Trend liegt bei -10,6% pro Dekade relativ zum Mittel von 1981 bis 2012. [1]

Die mittlere Meereisausdehnung für August betrug 6,09 Millionen Quadratkilometern und lag damit 1,03 Millionen Quadratkilometer unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010, aber deutlich über dem Level des Rekordjahres 2012. Der Augustmittelwert bewegte sich damit in der Höhe der Jahre 2008 bis 2010. Die Ausdehnung in der Beaufort- und Tschuktschensee fiel im August unter das langjährige Mittel, nachdem im Juli der Rückgang sich nahe am Mittelwert bewegte. Die einzige Region mit einer Ausdehnung nahe dem langjährigen Durchschnitt ist die Ostsibirische See.

Die Unterschiede in der Eisbedeckung von einem Jahr zum nächsten unterstreichen die hohe jährliche Variabilität, die den generellen langfristigen Abnahmetrend des arktischen Meereises begleitet.

Ende August entwickelte sich eine große Lücke im Meereis von nahezu Nulleiskonzentration ungefähr bei 87° Grad nördlicher Breite (circa 150 Quadratkilometer was ungefähr der Fläche von Lichtenstein entspricht). [1]  Kleinere Gebiete offenen Wassers im Packeis sind weitverbreitet, auch am Nordpol, da sich das Packeis mit Wind und Strömungen bewegt und dies zu Rissen und Rinnen im Eis führt. In 2006 entstand zum Beispiel ebenfalls eine große Polynia in der Beaufort- und Tschuktschensee, die aber sehr viel südlicher lag. [2]

Die Meereisausdehnung für 31. August zeigt die Abbildung links. Offene Wasserflächen konnten in der Nähe des Nordpols beobachtet werden. Eine helle blaue Fläche, die offensichtlich offenes Wasser zeigt, liegt in der Nähe des Nordpols und ist umgeben von einem Gebiet geringer Eiskonzentration. Der graue Kreis um den Nordpol zeigt den Bereich ohne Messdaten aufgrund des AMSR2–Satellitenorbits an.

Es herrschten auch im August 2013 relativ kühle Bedingungen in der Zentralarktis, eine Situation, die für den ganzen bisherigen Sommer charakteristisch war. Die Temperaturen im 925 hPa Niveau nördlich von Grönland bis zum Nordpol lagen 0,5 bis 3° Celsius unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010. Hingegen erreichten die Temperaturen in den Küstenregionen der Arktis und in der Barents- und Beaufortsee Werte von bis zu 2° Celsius über dem langjährigen Durchschnitt.

Diese Muster der Temperaturanomalien kann mit den Druckbedingungen auf Meeresspiegelniveau in Beziehung gesetzt werden. Liegen die Werte unter dem langjährigen Durchschnitt, sind damit bewölkte und niedrigere Temperaturen verknüpft. So im August in der Nähe des Nordpols bis in den nördlichen Nordatlantik. Hingegen waren an der Euroasiatische Küste Druckwerte über dem langjährigen Durchschnitt zu finden.

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[1] Quelle: National Snow and Ice Data Center, Boulder, Colorado USA, nsidc.org
[2] J. K. Hutchings und I. G. Rigor, Journal of Geophysical research, Volume 117, Issue C8, DOI: 10.1029/2011JC007182, 2012

Meereissituation in der Arktis: Mitte August 2013

Ein erneutes Rekordminimum in diesem Jahr wird unwahrscheinlich sein. Trotzdem existieren große Flächen mit geringer Eiskonzentration, sogar in Regionen sehr nahe dem Nordpol.

Die Meereisausdehnung erreichte in der ersten Hälfte des Augusts einen Wert von 5,94 Millionen Quadratkilometern. Der Rückgangs der arktischen Meereisausdehnung bewegte sich in dieser Zeit deutlich unter dem Durschnitt von 1981-2010 blieb aber innerhalb der zweifachen Standardabweichung des Langzeitmittelwertes. Der Eisrückgang zwischen dem 1 und dem 18. August entsprach dem langjährigen Durchschnitt und betrug circa 75.000 Quadratkilometer pro Tag, was ungefähr der Fläche von Tschechien entspricht. [1]

Die Rückgangsraten beschleunigten sich leicht in der westlichen Beaufort- und Tschuktschensee, aber die Eisbedeckung blieb dort im Vergleich zu 2012 beträchtlich. Im Gegensatz zur Situation 2012 ist die Meereisdecke auch in der Ostsibirischen See sehr viel größer. Im Jahr 2012 war der dort beobachtete Eisverlust auf den Einfluss eines Tiefdruckgebietes zurückzuführen. In der europäischen Arktis und um Grönland bleibt die Ausdehnung des Meereises unter dem langjährigen Durchschnitt.

Die verschiedenen Satellitendaten (AMSR-2 und MODIS) zeigen eine unvergleichbar große Fläche mit sehr geringen Eiskonzentrationen innerhalb der Eisbedeckung (20 bis 80 % Bedeckung), die einen großen Teil der russischen Arktis umfasst und sich weit bis zum Nordpol hin erstreckt. Ein schmales Gebiet nördlich der Karasee zeigt Konzentrationen unter 30 Prozent. [1]

Teilweise ist diese Situation das Ergebnis des Tiefdruckgebiets, das sich im letzten Monat über die Zentralarktis bewegt und dabei die Meereisdecke ausgebreitet hat. Während ein Teil der niedrigen Konzentrationen, die von AMSR-2 gemeldet werden wahrscheinlich auf Oberflächenschmelze des Meereises zurückzuführen sind, zeigen die Bilder von MODIS, dass weite Gebiete mit vereinzelten Eisschollen bedeckt sind. Die Tendenz zu immer größer werdenden Packeisgebieten, mit großen Flächen offenen Wassers zwischen den Eisschollen stieg im letzten Jahrzehnt an, was durch das immer dünner werdenden Eis begünstigt wird. Gleichzeitig nahm auch die Tendenz zur Bildung von Polynjas zu. [1]

Die atmosphärischen Bedingungen unterschieden sich in den beiden letzten Monaten merklich von denen in 2012. Betrachtet man die Abweichungen der Temperatur (925 hPa Niveau) und des Drucks (Meeresspiegelniveau) für den Monat Juni und Juli im Jahr 2012 und in diesem Jahr, helfen sie die unterschiedliche Entwicklung der Meereissituation zu verstehen.

Das außergewöhnliche Tiefdruckgebiet in der Nähe des Nordpols in 2013 half das vorhandene Eis auszubreiten und sorgte für generell niedrigere Temperaturen als im Jahr 2012, die ihrerseits die Schmelze reduzieren. Im Mittel lagen die Lufttemperaturen im 925 hPa Niveau seit Ende Juli zwischen 2 und 4 Grad Celsius unter dem langjährigen Durchschnitt.

Im Gegensatz dazu stellte sich im Sommer 2012 ein ungewöhnliches Hochdrucksystem mit Zentrum über Grönland in Verbindung mit einen unter dem langjährigen Durchschnitt liegenden Druck über der Ostsibirien- und Tschuktschensee ein. Dies führte zu Winden mit einer unüblichen, mehr nach Süden orientierten Richtung über der Beaufortsee was wiederum zu warmen Bedingungen führte. Das Hochdruckgebiet über Grönland führte auch dort zu einer Rekordoberflächenschmelze im Jahr 2012. Das Schmelzen über dem Eisschild ist in diesem Jahr deutlich langsamer, wenn auch über den Raten seit 1990.



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[1] Quelle: National Snow and Ice Data Center, Boulder, Colorado USA, nsidc.org

Meereissituation in der Arktis: Anfang August 2013

„Die Meereisausdehnung in der Arktis verlief im Juli etwa 10 % über der minimalen Juli-Ausdehnung anderer Jahre. Das diesjährige Minimum im September erwarten wir deshalb etwas höher als im letzten Jahr. Gleichzeitig nimmt die mittlere Eisdicke weiter ab.“ sagt Georg Heygster von der Universität Bremen.

Die Meereisausdehnung für Juli 2013 betrug 8,45 Millionen Quadratkilometer und liegt 1,25 Millionen Quadratkilometer unter dem langjährigen Durchschnitt für diesen Monat.[1] Damit ging die Ausdehnung im Durchschnitt über den Juli um 105.000 Quadratkilometer pro Tag zurück. Dies entspricht dem zweitschnellsten Rückgang und liegt deutlich über dem Durchschnitt von 1981 bis 2010. Der Juliwert 2013 zählt zu den fünf geringsten Werten für Juli im Zeitraum der Satellitenaufzeichnungen von 1979 bis 2013 und liegt 540.000 Quadratkilometer über dem Rekordminimum von 2011. Der monatliche Trend entspricht -7,4 % pro Dekade relativ zum Mittel von 1981 bis 2010.[1]

Das Meereisminimum im September hängt stark von drei Bedingungen ab: der Eisdicke zu Beginn des Frühjahrs, dem Beginn der Schmelzsaison und dem Wetter während des Frühjahrs und Sommers. Je dünner und brüchiger das Eis wird desto mehr wird die Schmelzrate und damit die Ausdehnung im September von den lokalen Wetterbedingungen im Sommer gesteuert.[2] Dickeres Eis hingegen ist widerstandsfähiger gegenüber atmosphärischer und ozeanischer Antriebe.

Die große Variabilität der Schmelzrate im Juli zeigt wie lokale Wetterbedingungen die Meereisausdehnung beeinflusst haben. In den ersten beiden Wochen des Julis nahm die Meereisausdehnung stark ab. Neben der allgemeinen sommerlichen Eisschmelze sorgte ein starkes Hochdruckgebiet für eine besonders schnelle Abnahme der Ausdehnung. Winde im Uhrzeigersinn führten dazu, dass das vorhandene Eis auf einer geringeren Fläche zusammengezogen wurde.

In der zweiten Monatshälfte verlangsamte sich der Rückgang. Grund hierfür waren starke Sommerstürme, die zumeist kältere Bedingungen und Winde gegen den Uhrzeigersinn mit sich brachten und das vorhandene Eis wieder stärker verteilten. Derartige Sommerstürme kommen zu dieser Jahreszeit häufig in der Zentralarktis vor. Anzahl, Stärke und Verteilung der Stürme variieren jedoch stark von Monat zu Monat und Jahr zu Jahr.

In der Vergangenheit tendierten Sommer, die durch stürmische Bedingungen charakterisiert waren dazu, mehr Meereis am Ende der Saison zu haben, als Sommer, die durch Hochdrucksysteme mit wenigen Stürmen gekennzeichnet waren. Wenn die Eisdecke dünner wird, können jedoch auch stürmische Bedingungen den Eisrückgang begünstigen. Eine dünne Eisdecke kann unter dem Einfluss von Stürmen leichter auseinander brechen. Dies führt zur Entstehung von offenen und dunklen Wasserflächen zwischen den einzelnen Eisschollen. Dies erhöht die Absorption der Sonnenstrahlung, wodurch die ozeanische Grenzschicht stärker erwärmt wird. So kommt es zu mehr lateralem (seitlichen) und basalem (von unten) Schmelzen der Eisschollen kommt.

Der Effekt von einzelnen starken Stürmen kann aber sehr unterschiedlich und komplex sein. Während auf den Sturm im August 2012 eine Beschleunigung des sommerlichen Eisrückgangs folgte [3], führte der in der Mitte des Julis 2013 beobachtete Sturm über der Zentralarktis (977 hPa) nicht zu einem vermehrten Eisrückgang.



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[1] Quelle: National Snow and Ice Data Center, Boulder, Colorado USA, nsidc.org
[2] Maslanik J. A., A younger, thinner Arctic ice cover: Increased potential for rapid, extensive sea-ice loss, Geophysical Research Letters, Vol., 34, L24501, doi:10.1029/2007GL032043, 2007
[3] Zhang J. et al., The impact of an intense summer cyclone on 2012 Arctic sea ice retreat, Geophysical Research Letters, Vol., 40, 1-7, doi:10.1002/grl.50190, 2013

Meereissituation in der Arktis: Mitte Juli 2013

Im Juli, dem wärmsten Monat in der Arktis, ist der Verlust an arktischem Meereis üblicherweise am schnellsten. Im Anfang Juli diesen Jahres stellte sich eine Wetterveränderung ein und eine Hochdruckzelle zog auf Meeresniveau in die Zentralarktis und ersetzt seitdem das Tiefdruckgebiet, welches während des Monats Juni die Zirkulationsmuster bestimmt hat. Diese neue Strömungssituation ermöglicht es warmer Luft aus dem Süden in die Arktis zu strömen. Mit den damit verbundenen wärmeren Temperaturen über großen Teilen des arktischen Ozeans verlief der Rückgang des Meereises in den ersten Wochen des Julis ziemlich schnell.

Die Temperaturen im 925 hPa-Niveau (diese Druckfläche befindet sich je nach Wetterlage in 600 bis 900 Meter Höhe) lagen in den ersten beiden Wochen des Julis über weiten Teilen des arktischen Ozeans zwischen einem und drei Grad über dem Durchschnitt und zum Teil fünf Grad über dem Durchschnitt über der Karasee. Im Vergleich dazu lagen die Temperaturen über Alaska, Sibirien und der kanadischen Arktis zwischen drei und fünf Grad unter dem Durchschnitt. [1]

Die Meereisausdehnung bleibt im atlantischen Bereich der Arktis unterdurchschnittlich. Am 15. Juli lag die Ausdehnung 540.000 Quadratkilometer unter dem Wert zur gleichen Zeit im Juli 2012. Der Eisverlust wird dominiert vom Rückgang im atlantischen Bereich der Arktis, eingeschlossen Ostgrönland-, Kara- und Laptevsee und der Baffinbucht. Das neue Strömungsmuster unterstütze die Entstehung von offenen Wasserflächen in der Laptevsee, da die ablandigen Winde das Eis von der Küste wegdrücken. In der Beaufort- und Tschuktschensee und entlang einem Großteil der euroasiatischen Küste bewegt sich der Rückgang um den Durchschnitt. [1]

Die Meereisausdehnung lag am 15. Juli 2013 um 1,06 Millionen Quadratkilometer unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010. In den ersten beiden Wochen des Julis lag die Verlustrate bei 132.000 Quadratkilometern pro Tag. Diese schnelle Schmelzrate wird durch die Verlustraten von 16.409 bzw. 17.678 Quadratkilometern pro Tag zwischen dem 1. und 12. Juli in der Kara- und der Ostgrönlandsee bestimmt. In der Laptevsee war die Verlustrate für diesen Zeitraum halb so groß (8.810 Quadratkilometer pro Tag). Im pazifischen Teil der Arktis hat sich der Eisrückgang verlangsamt, so dass in der ersten Hälfte des Julis die Verlustrate nur 3.375 bzw. 6.820 Quadratkilometer pro Tag in der Beaufort- und Tschuktschensee betrug. Der geringe Eisrückgang in der Beaufortsee führt dort zu der umfangreichsten Eisbedeckung seit sieben Sommern. [1]

Der bisherige Verlauf der Meereisentwicklung für den Monat Juli zeigt, dass der geringere Meereis-Verlust des Vormonates nun in den ersten Wochen des Monats Juli aufgeholt wurde. Damit liegt die aktuelle Kurve der Meereisentwicklung nahe der Kurve von 2012. Aufgrund der verschiedenen, das Meereis beeinflussenden Faktoren kann sich jedoch bis September zum jährlichen Meereisminimum noch vieles verändern.

Eine Zusammenfassung der Meereisvorhersagen basierend auf dem Sea Ice Outlook finden sich hier.



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[1] Quelle: National Snow and Ice Data Center, Boulder, Colorado USA, nsidc.org

Meereissituation in der Arktis: Mitte Juni 2013

Der Monat Juni stellt für das arktische Meereis eine Übergangsphase dar, in der das Schmelzen an der Eisoberfläche bis an den Nordpol vordringt. Das Meereis ist Ende Juni überall von Schmelztümpeln bedeckt und 24 Stunden Tageslicht leiten den Sommer ein. Die arktische Meereisausdehnung liegt auch im Juni 2013 unter dem langjährigen Durchschnitt (1981-2010), bleibt jedoch deutlich über dem im letzten Jahr zu dieser Zeit beobachteten Niveau. Der verhältnismäßig langsame Eisrückgang spiegelt die vorherrschenden Temperatur- und Windmuster wider.

Die durchschnittliche Meereisausdehnung für Juni 2013 lag bei 11,58 Millionen Quadratkilometern. Dies sind 310.000 Quadratkilometer unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 (11,89 Millionen Quadratkilometer) und lag damit 760.000 Quadratkilometer über dem monatlichen Rekordtief der Meereisausdehnung im Vergleichsmonat Juni des Jahres 2010. Der monatliche Trend für Juni liegt bei -3,6 % pro Jahrzehnt, relativ zum Durchschnitt von 1981 bis 2010. [1]

Obwohl die Rate des Eisrückgangs gegen Ende Juni zunahm, hat sich das Meereis in diesen Sommer im Vergleich zum letzten Sommer sehr viel langsamer verringert, was auf die atmosphärischen Zirkulationsmuster und auf die Lufttemperatur zurückzuführen ist. Die mittleren Junitemperaturen über dem Ozean im 925 hPa-Niveau (diese Druckfläche befindet sich je nach Wetterlage in 600 bis 900 Meter Höhe) liegen gering unter dem langjährigen Durchschnitt, im Gegensatz zu überdurchschnittlichen höheren Temperaturen über großen Teilen der umliegenden Landflächen.[1] Dieses Temperatur- und Zirkulationsmuster steht in Verbindung mit einem ungewöhnlich Tiefdruckgebiet nahe des Nordpols und ist dafür bekannt, dass es den sommerlichen Rückgang des arktischen Meereises verlangsamt. Es fördert nicht nur kältere Bedingungen sondern auch zyklonale (gegen den Uhrzeigersinn) Winde, die dazu neigen das Meereis auszubreiten.

Die meiste Zeit im Juni wurde der sehr steile Rückgang der Meereisausdehnung wie in den Monaten Juni 2012 und 2007 nicht beobachtet (die Jahre mit der geringsten und zweitgeringsten September-Meereisausdehnung seit Beginn der Satellitenmessungen). Jedoch hat die Rate des Eisrückgangs in der zweiten Hälfte des Junis zugenommen, was sich nun auch zu Beginn des Julis fortsetzt. Insgesamt sank die Meereisausdehnung im Juni pro Tag durchschnittlich um 70.300 Quadratkilometer, was einer Fläche der Größe von Bayern entspricht, und ist damit etwas höher als das Mittel von 1981 bis 2010. Die Eisdecke war in einigen Regionen der Arktis in diesem Frühjahr sehr dünn und lässt vermuten, dass große Flächen bald anfangen, völlig zu schmelzen. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass nach dem Sommer 2012 weniger mehrjähriges Eis vorhanden war. Viel hängt davon ab, ob die im Juni beobachteten atmosphärischen Zirkulationsmuster auch im Juli fortbestehen. [1]

Daten der NASA (IceBridge-Kampagnen) zeigen für März und April dickes Eis entlang der grönländischen Küsten (5 Meter oder mehr), aber dünnes Eis nördlich von Alaska in der Beaufort- und Tschuktschensee (zwischen 1 bis 1,5 Meter in den meisten Gebieten, bis zu so niedrigen Werten wie 0,5 Meter). [1]  Diese dünnen Flächen sind ziemlich wahrscheinlich neu eingefrorene Rinnen, die im Zusammenhang stehen mit den aufgetretenen großen Aufbrechereignissen in diesen Regionen im Februar und März dieses Jahres.

Eine Zusammenfassung der Meereisvorhersagen basierend auf dem Sea Ice Outlook finden sich hier.



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[1] Quelle: National Snow and Ice Data Center, Boulder, Colorado USA, nsidc.org