Einschätzung der Meereissituation in der Antarktis 2015

Einschätzung der Meereissiutation in der Arktis finden Sie hier.

Meereis in der Antarktis im Juli 2015: Stagnieren der Eisausdehnung, jedoch nach wie vor hoch

12. August 2015

In der Antarktis bleibt die Meereisausdehnung hoch. Allerdings hat sich die Wachstumsrate verlangsamt und die Eisausdehnung liegt nun näher am Langzeitmittel dieser Jahreszeit.

Die Meereisausdehnung in der Antarktis im Juli betrug im Mittel 16,84 Mio. km². Insgesamt verlangsamte sich die Wachstumsrate von circa 96.000 km² pro Tag im Juni auf circa 46.500 km² pro Tag im Juli. Diese Veränderung wurde bedingt durch einen regionalen Eisrückzug im nördlichen Weddell Meer und nordwestlichen Ross Meer, der ausgeglichen wurde durch ein kontinuierliches Wachstum  in der nördlichen Bellingshausen See, westlich der Antarktischen Halbinsel.

In den beiden Eisrückzugsgebieten, nördliches Weddell Meer und nordwestliches Ross Meer, herrschten über den Großteil des Julis relativ warme Bedingungen, mit etwa 4 °C über dem Durchschnitt auf 925 hPa Druckhöhe. Die Temperatur auf Meeresspiegelniveau betrug nördlich der Eiskante 0,5 bis 1 °C kälter als der Durchschnitt. Sie erhöht damit das schnelle Eiswachstum für den Rest des Winters.

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Meereis in der Antarktis im Juni 2015

15. Juli 2015

Die Meereisausdehnung in der Antarktis erreichte im Juni 14,59 Millionen km² und stellt den dritthöchsten Juni Wert dar, seit Satellitenmessungen existieren (siehe Abb. 1 und 2). Die Ausdehnung war nahezu überall um den Kontinent herum leicht höher als der Durchschnitt von 1981 bis 2010. Der hohe Wert der Meereisausdehnung im östlichen Weddell- und dem Rossmeer passt dabei zu dem Mustern, die in den letzten Monaten beobachtet wurden.

Die Satellitendaten zeigen einen ungewöhnlich hohen Zuwachs an Meereis entlang der westlichen Seite der Antarktischen Halbinsel. Diese Besonderheit des Eiswachstums könnte von starken, langen atmosphärischen Wellenmustern (Wellenzahl 3)* beeinflusst sein, die beständig in den letzten Monaten vorhanden waren. Unter solchen Bedingungen gibt es drei Haupttiefdruckgebiete. Sie liegen über der antarktischen Halbinsel, dem nordwestlichen Rossmeer und dem östlichen Weddellmeer.

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Antarktisches Meereis zeigt weiterhin hohe Werte der Meereisausdehnung

10. Juni 2015

Vom späten April bis Ende Mai hat die Ausdehnung des antarktischen Meereises den vorigen Rekord in der Ära der Satellitenaufzeichnungen aus dem Jahre 2014 übertroffen und für den gesamten Monat Mai jeden Tag hohe Eisausdehnungen festgestellt. Dies macht den Mai 2015 zum Rekordmonat für den Zeitraum 1979 bis 2015 (siehe Abb.1 und 3). Wie es momentan seit einigen Monaten der Fall ist, ist die Eisausdehnung ungewöhnlich groß im östlichen Rossmeer – in der westlichen Amundsensee und dem nördlichen und nordöstlichen Weddellmeer. Eine ungewöhnlich große Ausdehnung wurde auch im Davis-Meer des südlichsten Indischen Ozeans entdeckt.

Die antarktische Meereisausdehnung für den Mai 2015 lag gemittelt bei 11,8 Millionen km². Die lineare Anstiegsrate für den Mai ist jetzt 329.000 km² je Jahrzehnt für den Zeitraum 1979 bis 2015.

Neben dem Rekord in der Meereisausdehnung blieben auch die Lufttemperaturen auf den 925 Millibar Level weitgehend über dem Durchschnitt für den Großteil des antarktischen Kontinents und der Küstenregionen des umliegenden Ozeans. Die Lufttemperaturen lagen bis zu 5 °C über dem Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010 für das westantarktischen Eisschild und das zentralen Rossmeer. Das Gebiet mit großer Eisausdehnung nahe dem nordöstlichen Rossmeer hat in der Umgebung der Eiskante annähernd den Durchschnitt der Lufttemperaturen erreicht. Temperaturen, die kälter als die Durchschnittswerte waren, wurden nahe der Eiskante im nordöstlichen Weddellmeer (2 °C unterhalb des Durchschnitts) und im Davis-Meer (4 °C unterhalb des Durchschnitts) beobachtet (Abb.2). Luftzirkulationsmuster für diesen Monat waren sehr unbeständig. Die Southern Annular Mode, eine Nord-Süd-Bewegung des westlichen Windgürtels, der die Antarktis umkreist, war in dem gesamten Monat in einem fast neutralen Zustand.

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Antarktisches Meereis wächst wieder, minimale Winterausdehnung in der Arktis

Februar 2015

Der Sommer in der Südhemisphäre ist zu Ende und das Meereis rund um die Antarktis beginnt sich wieder auszudehnen. Auch in diesem Jahr liegt das Minimum der Sommermeereisausdehnung mit 3.66 Millionen Quadratkilometern über dem langjährigen Mittel von 3 Millionen Quadratkilometern. Diese Entwicklung war über das gesamte letzte halbe Jahr hin zu beobachten, seitdem es im letzten September ein erneutes Maximum der Wintereisausdehnung mit über 20 Millionen Quadratkilometern in der südlichen Hemisphäre gab.

In jedem folgenden Monat lag die Eisausdehnung über dem langjährigen Mittel und reihte sich damit in den ansteigenden Trend der letzten 30 Jahre ein. Das zeigte sich auch im Dezember 2014 und Januar 2015 vor Ort, als sich der Forschungseisbrecher Polarstern auf seiner insgesamt 89. Forschungsfahrt ins Weddellmeer begeben hat. In diesen beiden Monaten war die jeweilige Eisausdehnung die dritthöchste (Dezember) bzw. höchste (Januar) seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1979. Zu beobachten war ein konsistent verbleibender Meereisgürtel und ein verbleibendes Festeis entlang der Küste vor der Neumayer Station, das das Festmachen an den üblichen Anlegestellen verhinderte und das allgemeine Vorankommen erschwert hat.

Was vor Ort wahrgenommen wurde, zeigt sich auch in Karten der Meereiskonzentration: vor allem im Weddellmeer verblieb in diesem Jahr weitaus mehr Meereis als im langjährigen Mittel. Im Gegensatz dazu ist für die Bellingshausen und Amundsensee eine Abnahme zu erkennen. Dies spiegelt deutlich wider, dass der positive Trend der Meereisausdehnung und Meereisbedeckung in der Antarktis regional jedoch sehr unterschiedlich ausfallen kann.

Die Ursachen für die Zunahme der Gesamtmeereisausdehnung in der Antarktis sowie deren regionalen Unterschiede sind Gegenstand aktueller Forschung. „Eine spannende Frage, die zurzeit noch nicht beantwortet werden kann ist, wie sich das Eisvolumen verändert: Nimmt auch die Masse an Meereis zu oder wird der Trend in der Meereisausdehnung durch die Umverteilung des Eises durch den Wind verursacht, ohne Auswirkung auf das Gesamtvolumen?“, lautet daher das Fazit von Sandra Schwegmann, AWI-Meereisexpertin und wissenschaftliche Leiterin des Eisdickenmessprogramms während der Antarktisreise PS89.

In der Arktis erreichte die mittlere Meereisausdehnung für Februar einen Wert von 14,50 Millionen Quadratkilometern und das Maximum am 15. Februar einen Wert von 14,70 Millionen Quadratkilometern. Damit setzt sich der bisherige Negativtrend in der Arktis fort. Die geringe Ausdehnung resultierte in erster Linie daraus, dass die Lufttemperaturen im Winter für lange Zeiträume um 2 bis 4 Grad über dem Durchschnitt lagen. So trug letztendlich insbesondere die geringe Meereisausdehnung südlich der Beringstraße zur geringen arktisweiten Ausdehnung bei.